Gründer-Kolumne Fehlt deutschen Managern der Gründergeist?

Deutschland braucht Innovationen und mehr Gründer! So lautet eine stete Forderung aus Politik und Wirtschaft. Warum aber müssen es immer die Neu-Gründer sein, die den ökonomischen Karren aus dem Dreck ziehen? Fehlt nicht vor allem Managern etablierter Unternehmen der 'Entrepreneurial Spirit'?

Hamburg - Um den Gründergeist innerhalb einer bestehenden Organisation zu wecken, müssen dynamische, interne Märkte für Ideen, Investitionen und Talente geschaffen werden.

Am Anfang stehen die üblichen Verdächtigen: die Wissensgesellschaft, globalisierte Märkte und die immer kürzer werdenden Innovationszyklen, die deutlich den ökonomischen Druck auf jede Unternehmung verstärken. Müssten in dieser Situation nicht neue und mutige Konzepte mit innovationsfreudigen Managern für deren Umsetzung her, um im Wettbewerb zu bestehen?

Die Realität sieht oftmals anders aus: Besonders im Vergleich global konkurrierender Gesellschaften erscheint die Arbeitskultur in Deutschland als eher überreguliert, neuerungsfeindlich und risikoavers. Eine durch Schnelllebigkeit gekennzeichnete Unternehmensumwelt weckt aber den Bedarf nach einem Management mit Entrepreneurship-Qualitäten! Es gilt daher, Konzepte für ein Intrapreneurship zu finden, mit denen ein stärkeres unternehmerisches Grundverständnis innerhalb einer Unternehmung gefördert werden kann.

Die Angst vor Fehlern

Sowohl potenzielle Unternehmer als auch angestellte Manager haben aber zu oft zu große Angst, Ideen eigenverantwortlich umzusetzen. Die Sorge des Managers um den eigenen Arbeitsplatz im Falle eines Fehlschlags mag dabei ein durchaus nachvollziehbares Motiv sein. Innovative Möglichkeiten, neue Perspektiven und Wege bleiben so jedoch verborgen in den Köpfen der Mitarbeiter.

Statt Pioniergeist findet man eher preußische Autorität und Passivität in den Unternehmensstrukturen. Das schafft eine Kultur, in der das Einschlagen neuer Wege nicht gefragt ist. Vielmehr lähmt die Angst vor Fehlern und den möglichen Konsequenzen.

Der Traum vom eigenen Königreich

"Im Erkennen und Durchsetzen neuer Möglichkeiten auf wirtschaftlichem Gebiet liegt das Wesen der Unternehmerfunktion." So beschrieb der Wirtschafttheoretiker Joseph Schumpeter schon 1911 den idealen Unternehmer.

Schumpeters archetypischer Entrepreneur wird angetrieben durch Freude am Erschaffen, dem Willen zu erobern und dem Traum, ein privates Königreich zu gründen.

Nun, zugegebener Weise wird kein Vorgesetzter in Jubel ausbrechen, erführe er von dem Plan eines Mitarbeiters, sein eigenes Königreich zu gründen. Dennoch ist der Vergleich treffend: Angetrieben durch den Wunsch, neue Dinge oder Strukturen zu schaffen, sich in der einen oder anderen Weise zu verwirklichen, verändern und verbessern Entrepreneure ihre Umwelt und gestalten sie nach ihren Vorstellungen.

Manager sollen handeln wie ein Unternehmer

Vom Entrepreneur zum Intrapreneur

Der Intrapreneur handelt im Unterschied zum Entrepreneur innerhalb einer existierenden Organisation. Hierarchien fordern allerdings meist eine Legitimation ungewöhnlicher Handlungen und neuer Vorgehensweisen.

Der Intrapreneur kann demnach als ein innerorganisatorischer Revolutionär beschrieben werden - er hinterfragt den Status Quo. Er kämpft für Veränderungen, Verbesserungen und die stetige Erneuerung eines Systems aus dem Inneren. Transformiert man nun den Managerbegriff hin zum Intrapreneurship, geht es vor allem auch um die Veränderung der Geisteshaltung.

Intrapreneurship beschreibt eine Grundhaltung: den Willen, Dinge zu überdenken, Prozesse zu verbessern und innerhalb bestehender Strukturen neue Wege einzuschlagen. Intrapreneurship ist Kopfsache!

Bill Bygrave, Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Entrepreneurship am Babson College in desn USA, sagte einmal, dass er niemandem beibringen kann, ein erfolgreicher Entrepreneur zu sein, wenn er nicht über gewisse - er nannte es "basic drives" - verfüge. Wohl aber könnte er Entrepreneuren, die über eben diese "drives" verfügen, helfen, viele Dinge besser zu machen.

Manager sollen handeln wie Unternehmer

Die traditionelle Ausbildung zum Manager zielt aber überwiegend auf so genannte Hard Skills ab. Es wird dabei neben einer herausragenden fachlichen auch eine hohe betriebswirtschaftliche Kompetenz verlangt, wie zum Beispiel Kostenrechnung oder Rechnungswesen. Daneben sind aber auch so genannte Soft Skills ausschlaggebend für den unternehmerischen Erfolg: Es gilt die Bewusstseinsebenen des Menschen, nämlich Denken, Fühlen und Handeln in Einklang zu bringen.

Erfolgreichen Unternehmern gelingt es als ganze Persönlichkeit zu agieren, ihr Denken, Fühlen und Handeln synergetisch zu vernetzen, sie agieren mit Kopf, Herz und Verstand. Und so sollten auch angestellte Manager wie Unternehmer sein.

Fünf goldene Regeln für engagierte Manager

  • Manager sollten wie ein Unternehmer ganzheitlich denken: Unternehmer verfügen über Kreativität und Innovationsfähigkeit und haben ein Gefühl für künftige Entwicklungen. Sie sind in der Lage, über den Tellerrand hinaus zu sehen und zu denken. Der Unternehmer denkt analytisch und strukturiert, erkennt Zusammenhänge und Wechselwirkungen und denkt vernetzt, nicht linear. Er ist in der Lage, Entscheidungen auch unter Unsicherheiten zu treffen und lässt sich nicht lähmen durch Angst vor eventuellen Risiken.


  • Manager sollten wie ein Unternehmer jederzeit den Erfolg suchen: Mit welcher Intensität ein Mensch gezielt nach Erfolgserlebnissen sucht, hängt von seiner individuellen (Erfolgs-) Motivation ab. Angetrieben durch das Gefühl der inneren Befriedigung nach einem Erfolgserlebnis, ist der erfolgreiche Unternehmer motiviert, weitere seiner Visionen umzusetzen. Kreativität nutzt er als Werkzeug, als Mittel um sich selbst und seine Ideen zu verwirklichen.


  • Manager sollten fühlen wie ein Unternehmer: Unter Berücksichtigung seiner persönlichen Rahmenbedingungen verfügt ein erfolgreicher Unternehmer über die Fähigkeit, sich optimal zu entwickeln. Er ist mutig genug, auch mal in kalten Wassern zu schwimmen. Kreativität und Logik sind emotional nicht voneinander abgekoppelt, sie sind wie Kopf und Fuß derselben Sache. Er besitzt die Fähigkeit konstruktiv mit anderen, seien es Mitarbeiter oder Geschäftspartner, aber auch mit Konflikten umzugehen. Unter dieser Art der Sozialkompetenz versteht man zwar vor allem das situations- und personenbezogene Denken und Handeln, aber auch die Gefühle, Gedanken und die Einstellungen einer Person im kommunikativen Bereich.


  • Manager sollten wie ein Unternehmer ihrem Gespür folgen: Der Unternehmer nutzt die Neugierde als natürlichen Innovationsimpuls und folgt seinem Gespür für Märkte, Kunden und Möglichkeiten. Der Unternehmer identifiziert sich mit seinen Ideen. Was er tut ist Ausdruck seiner individuellen Schaffenskraft.


  • Manager sollten wie ein Unternehmer handeln: "Es ist die Tat, die ihn lockt", schrieb einst Schumpeter. Unternehmer verfügen über die Kompetenz, ihre Ideen und Gedanken in konkretes Handeln zu übersetzen. Sie bauen reale Mauern für Luftschlösser, beweisen sich selbst und anderen was möglich ist, immer angetrieben durch den star-ken Willen Dinge zu schaffen und zu gestalten.
Deutschland braucht unternehmerische Manager

Es steht außer Frage, dass sich unsere Wirtschaft immer größeren Herausforderungen im globalen Wettbewerb gegenübersieht. Vor diesem Hintergrund erscheint es notwendig, dass auch angestellte Manager die notwendigen Fähigkeiten zum Gründen von Unternehmen adaptieren und damit den 'Entrepreneurial Spirit' in den Arbeitsalltag einfließen lassen.

Dazu zählen insbesondere Aspekte wie die Übernahme von Verantwortung, Selbstständigkeit, Konzentrationsfähigkeit aber auch Frustrationstoleranz und Kreativität. Auch Flexibilität ist dabei ein Kriterium für ein Leben und Überleben in einer vielseitigen und wandlungsfähigen unternehmerischen Umgebung.

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