Betriebssysteme Sparen mit Linux

Microsoft ade - die öffentliche Verwaltung in Schwäbisch Hall arbeitet zukünftig mit dem Betriebssystem Linux. Hauptargument ist der Wegfall von Lizenzgebühren. Kurzfristig werden durch die Umstellung zwar Zusatzkosten entstehen, langfristig soll sich der Wechsel jedoch auszuzahlen. Davon ist auch die Stadt München überzeugt.

Berlin - Schwäbisch Hall nordöstlich von Stuttgart ist im Rest der Republik höchstens für die gleichnamige Bausparkasse bekannt. Unter Computerfans aber hat die baden-württembergische Kreisstadt einen besonderen Ruf. Der 36.000-Seelen-Ort stellte als erste Kommune in Europa seine öffentlichen Rechner komplett auf das kostenfreie Betriebssystem Linux um.

Weil das Geld knapp ist, denken mehr und mehr öffentliche Verwaltungen zum Ärger des Marktführers Microsoft  darüber nach, auf Linux umzusatteln. Viele scheuen allerdings die Ausgaben für die Umrüstung und warten ab.

"Wir standen 2001 vor der Wahl, entweder Lizenzgebühren für ein neues Microsoft-Betriebssystem auszugeben oder auf Linux umzustellen und das Geld in einen besseren Service zu stecken", erinnert sich der Chef der EDV-Abteilung der Stadtverwaltung Schwäbisch Hall, Horst Bräuner. Die Stadt entschied sich für die zweite Variante: Die zunächst gesparten 250.000 Euro kommen nun unter anderem regionalen Dienstleistern zu Gute, die bei der Umstellung der etwa 200 Verwaltungsrechner helfen. "Eine Erfolgsgeschichte", sagt Bräuner.

Das gilt auch für Linux selbst. 1991 hatte der damals 21-jährige Finne Linus Benedict Torvalds die Idee, auf seinem Heimrechner ein UNIX-basiertes Betriebssystem zu schreiben. Der Aufruf des Studenten zur Mithilfe stieß bei Computerfans auf begeistertes Interesse. Anders als bei kommerziellen Produkten blieb der Linux-Quellcode bis heute jedermann zugänglich. Experten können so das Programm ständig weiter entwickeln und an die verschiedensten Geräte wie Großrechner und Handys anpassen.

Die offene Entwicklung habe dem System gut getan: Linux-Rechner seien stabiler und sicherer, sagt der Chefredakteur des Linux-Magazins, Jan Kleinert. Probleme mit Viren und Würmern gebe es praktisch nicht. Darüber hinaus gewähre Linux die Unabhängigkeit von nur einem Hersteller. Da Lizenzgebühren entfielen, könnten Anwender auf lange Sicht Geld sparen, auch wenn die Umstellung der Rechner und Mitarbeiterschulungen zunächst mit Zusatzkosten verbunden seien.

Auch München stellt um

Auch München stellt um

Von diesen Argumenten haben sich auch die Stadtväter Münchens überzeugen lassen: Die bayerische Landeshauptstadt wird bis 2008 ihre 14.000 Rechner von Windows auf Linux umstellen. In einem Kooperationsvertrag mit dem Microsoft-Konkurrenten IBM  bekannte sich die Bundesregierung im Juni 2002 zum Einsatz freier und offener Software in öffentlichen Verwaltungen. Mittlerweile nutzen unter anderem das Kartellamt und die Monopolkommission Linux und andere Open-Source-Produkte. Die 100 Servercomputer der Bundestagsverwaltung werden derzeit umgestellt.

Linux sei kein System mehr für Freaks, freut sich Kleinert. Derzeit basiere bereits die Hälfte aller Netzwerkcomputer auf dem freien Betriebssystem. Bei Desktopcomputern führt Linux allerdings noch ein Schattendasein. Nur schätzungsweise sechs Prozent dieser Rechner sind mit Linux ausgestattet.

Ein Grund: Vielen Nutzern erschien das System bisher zu umständlich. Neuentwicklungen sollen das ändern: Mit grafischer Benutzeroberfläche ausgestattete Versionen wie Ubuntu-Linux sollen auch Laien den schnellen Einstieg ermöglichen. Mit der Bürosoftware Open Office können erstmals auch Dateien von Microsoft-Konkurrenzprogrammen verwendet werden.

Für den Durchbruch von Linux müssen allerdings zwei Voraussetzungen erfüllt werden: "Eine offensivere Promotion durch Bund und Länder", wünscht sich EDV-Experte Bräuner. "Derzeit überlegen viele Stadtverwaltungen, ob der Investitionsaufwand sich lohnt", sagt Franz-Reinhard Hebbel vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. Eine stärkere Entwicklung linuxfähiger Computerspiele erhofft sich Linux-Magazin-Chef Kleinert. Denn so lange es diese nicht gäbe, würden die meisten Daddler auch weiter zu handelsüblicher Software greifen.

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