Springer-Chef Döpfner "Wir glauben an Deutschland"

Hoch zufrieden präsentierte Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner am Freitag die Details der Übernahme von ProSiebenSat.1. Zwar kostet ihn der Deal über vier Milliarden Euro, aber nur so glaubt er, im digitalen Zeitalter auch internationalen Wettbewerbern Paroli bieten zu können.
Von Arne Stuhr

München - Die Übernahme von Deutschlands größtem TV-Konzern ProSiebenSat.1  durch den Axel Springer Verlag  wird sich nach Einschätzung von Springer-Chef Mathias Döpfner auszahlen. Man arbeite bereits seit fünf Jahren an diesem Thema, nun erfolge die Übernahme als "richtiger Schritt zur richtigen Zeit".

Zumindest was seine TV-Präsenz betrifft, hat sich das Geschäft sogar schon am Tag der Bekanntmachung gelohnt. Denn während der Bertelsmann-Sender N-TV von Döpfners Pressekonferenz am Freitag im Bayerischen Hof in München zum Auftritt der Linkspartei-Protagonisten Gregor Gysi und Oskar Lafontaine in Berlin umschaltete, konnte der Verlagschef auf dem bald schon hauseigenen News-Kanal N24 weiterhin ausgiebig die Details des Deals präsentieren.

Das Konkurrenzverhältnis zu Bertelsmann nahm dann auch einen großen Teil in Döpfners Rede ein. Endlich gebe es einen echten Wettbewerber für die Gütersloher, so der Springer-Chef. Er betonte aber, dass Bertelsmann immer noch viermal größer sei als der fusionierte neue Konzern. Er erhoffe sich einen "fairen Wettbewerb". Dass der Deal dem Konkurrenten aber nicht gefalle, "liege in der Natur der Sache".

Im ersten Teil seiner Rede strich Döpfner vor allem heraus, was nicht der Grund für die Übernahme von ProSiebenSat.1 gewesen sei. So hätten die anstehenden Neuwahlen und damit verbundene Konjunkturhoffnungen keine Rolle bei der Entscheidung für den Kauf gespielt. "Wir brauchen das nicht", sagte Döpfner. Beide Unternehmen seien "hoch profitabel".

Döpfner lobte dennoch die von Bundeskanzler Gerhard Schröder eingeleiteten Reformen, deren Fortsetzung er von einer womöglich dann ab September neuen Regierung erwarte. "Wir glauben an Deutschland, und deswegen investieren wir hier."

"Kräftiges Aufwärtspotenzial beim Werbemarkt"

Die Gesamtkosten der Übernahme bezifferte Döpfner auf über vier Milliarden Euro. Springer werde dafür rund drei Milliarden Euro an Krediten aufnehmen. Gemeinsam wollten beide Unternehmen die Weichen für das digitale Zeitalter stellen und auch internationalen Wettbewerbern Paroli bieten. Der Springer-Verlag könnte bei grünem Licht durch die Kartell- und Medienbehörden die ProSiebenSat.1-Übernahme schon zum Jahresende abschließen, sagte Döpfner.

Die Axel Springer AG werde nach der Fusion mit ProSiebenSat.1 rund 38 Prozent ihres Umsatzes nicht auf dem Werbemarkt erzielen. Deutschland habe aber im Vergleich zu anderen Märkten den größten Nachholbedarf und damit ein kräftiges Aufwärtspotenzial beim Werbemarkt, sagte Döpfner.

Zur Rolle von US-Investor Haim Saban sagte Döpfner, dass dieser "ein glänzendes Geschäft" gemacht habe. "Aber wir auch!" Vor allem werde sich die Bilanzstruktur des Verlages durch den dann höheren Fremdkapitalanteil verbessern. "Wir waren vorher überkapitalisiert." Der gezahlte Preis sei "in jeder Hinsicht vertretbar".

Dass Saban mit seinem Geschäft auch selbst mehr als zufrieden war, machte der Amerikaner schon dadurch deutlich, dass er nach Döpfners Rede die anwesenden Journalisten mit wilden Gesten zu Applaus aufforderte. Dann ging er gut gelaunt zum Mikrofon, dass er - selbstironisch über den Längenunterschied zu seinem Vorredner scherzend - ein ganzes Stück tiefer stellte.

Saban dankte vor allem Adam Chesnoff, dem COO der Saban Capital Group, sowie seiner Frau, die ihn immer begleiten und unterstützen würde. Gefragt nach seinem persönlichen Profit aus dem Mega-Deal blieb Saban seiner Linie der guten Laune treu und bat augenzwinkernd, die "zahlreichen Jetlags durch die Flüge nach München" als nicht gerade geringe Belastung zu beachten. Über seine weitere Rolle im neuen Medienkonzern sagte Saban: "Ich bin hier, um hier zu bleiben."