Medien Springer übernimmt ProSiebenSat.1

Springer-Chef Mathias Döpfner ist am Ziel. Europas größter Zeitungskonzern übernimmt den TV-Konzern ProSiebenSat.1. Der Verlag zahlt knapp 2,5 Milliarden Euro an die US-Investorengruppe um Haim Saban. Mit der Übernahme entsteht der zweitgrößte Medienkonzern Deutschlands.

Berlin/München - Der Springer-Verlag  übernimmt Deutschlands größten TV-Konzern ProSiebenSat.1 . "Mit dem Erwerb von ProSiebenSat.1 nutzen wir eine einzigartige Gelegenheit", sagte Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner am Freitag. Deutschlands größtes Zeitungshaus schaffe sich ein zweites Standbein in einer hochprofitablen Mediensparte. Springer übernimmt die Anteile der Investorengruppe um den US-Milliardär Haim Saban.

Damit gewinnt Deutschlands größtes Zeitungshaus ("Bild", "Welt") die Kontrolle über Fernsehsender wie ProSieben, Sat.1 und den Nachrichtenkanal N24. Die deutsche Medienlandschaft steht mit der Schaffung eines zweiten integrierten Medienkonzerns mit Verlags- und TV-Aktivitäten neben Bertelsmann vor einem Umbruch. Die Kartellbehörden müssen noch zustimmen.

Springer kauft von der P7S1 Holding um den US-Milliardär Haim Saban sämtliche direkt und indirekt gehaltenen Stammaktien und Vorzugsaktien der ProSiebenSat.l Media AG. Dafür zahlt der Verlag 23,37 Euro je Stammaktie und 14,10 Euro je Vorzugsaktie. Der Kaufpreis für diese Anteile liegt damit bei insgesamt rund 2,47 Milliarden Euro. Springer will den Löwenanteil des Kaufpreises bar bezahlen. Die Finanzierung sei bereits sichergestellt, erklärte der Verlag.

Verhandlungspoker: Haim Saban und Springer-Chef Döpfner zurrten die letzten Details am vergangenen Mittwoch in München fest

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Glänzendes Geschäft: Saban winkt ein Gewinn von 1,5 Milliarden Euro

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Gutes Verhältnis: Der US-Milliardär soll auch im fusionierten Unternehmen im Beirat aktiv bleiben

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Zwei Geschäftsfreunde
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Verhandlungen in München

manager-magazin.de hatte bereits am Mittwoch exklusiv gemeldet, dass die Verhandlungen zwischen Springer-Chef Mathias Döpfner und US-Milliardär Haim Saban kurz vor dem Abschluss stehen .

Saban und diverse amerikanische Private-Equity-Investoren hatten zusammen rund 88 Prozent der Stammaktien des MDax-Konzerns gehalten. Seit einigen Wochen wurde Springer-Vormann Döpfner nachgesagt, er wolle die amerikanischen Aktionäre auszahlen und sich die ProSiebenSat.1 Media AG (PSM) möglichst noch im August einverleiben.

Keine Veränderungen in der Machtstruktur

Nach Abschluss des Übernahmeangebots plant Springer eine Kapitalerhöhung mit der Ausgabe neuer Vorzugsaktien. Mittelfristig sollen dann die Axel Springer AG und ProSiebenSat.1 verschmolzen werden. "Mit der Übernahme der profitabelsten deutschen Sendergruppe entsteht der einzige börsennotierte Medienkonzern in Deutschland, der sowohl im Printmedien- als auch im TV-Geschäft tätig ist", hieß es. Die Zustimmung des Kartellamtes steht aber noch aus.

Mit dem Verkauf verabschiedet sich der US-Milliardär Haim Saban nach etwa zwei Jahren weitgehend von seinem Engagement auf dem deutschen Fernsehmarkt. Saban hatte die Sendergruppe gemeinsam mit Finanzinvestoren wie Providence Equity Partners und Hellman & Friedman aus der Insolvenzmasse der zusammengebrochenen KirchGruppe übernommen. Derzeit ist er Aufsichtsratschef von ProSiebenSat.1. Er bleibt dem fusionierten Konzern als Vorsitzender des TV-Beirats und Aktionär erhalten.

In den vergangenen beiden Jahren hatte ProSiebenSat.1 unter den neuen Besitzern Fortschritte gemacht. 2004 verbesserte sich das Ergebnis vor Steuern von 57 auf 217,5 Millionen Euro. Den Umsatz steigerte der Konzern um 1,5 Prozent auf gut 1,8 Milliarden Euro. Alle Sender der Gruppe schrieben schwarze Zahlen.

Friede Springer, die stille Herrscherin

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Vorzugsaktionäre, die ihre Aktien nicht tauschen, sollen nach den Angaben über eine Verschmelzung der beiden Unternehmen dann Vorzugsaktien von Springer bekommen. Hierfür sei eine Kapitalerhöhung geplant, teilte Springer mit. Zur Höhe der geplanten Kapitalerhöhung machte Springer keine Angaben. Den Deal begleiten die Deutsche Bank, Shearman & Sterling sowie Goldman Sachs. Um die Finanzierung kümmern sich die Deutsche Bank  und Credit Suisse First Boston.

Durch diese Konstruktion wird auch sichergestellt, dass die Witwe von Firmengründer Axel Springer, Friede Springer, auch das neue gemeinsame Unternehmen kontrollieren wird. Friede Springer verfügt derzeit über etwa 60 Prozent der Anteile des größten europäischen Zeitungsverlegers.

Durch die Übernahme erfüllt Springer-Chef Döpfner auch den Traum des verstorbenen Verlagsgründers Axel Springer, der immer mit einer Expansion in das TV-Geschäft geliebäugelt hatte. Döpfner erklärte, Springer habe seit längerem die schnellere Internationalisierung des Print-Geschäfts oder eine Expansion im deutschen TV-Markt als strategische Optionen genannt.

ProSiebenSat.1-Chef Guillaume de Posch will den TV-Konzern nach der Übernahme durch den Springer-Verlag weiterführen. Springer-Chef Mathias Döpfner sagte, man verfüge künftig "mit dem Management und den Mitarbeitern von ProSiebenSat.1 über das beste und erfolgreichste Team im deutschen TV-Geschäft." Pläne, den Sitz oder die Standorte wesentlicher Unternehmensanteile der ProSiebenSat.1-Gruppe zu verlegen, bestünden nicht.

Den freien Aktionären soll ebenfalls ein Übernahmeangebot von voraussichtlich 14,10 Euro je Vorzugsaktie gemacht werden. Nehmen sie dieses nicht an, sollen sie für ihre Vorzugsaktien Vorzüge des dann fusionierten Konzerns erhalten. Das Umtauschverhältnis soll noch festgelegt werden.

Börsianer reagierten am Freitag skeptisch auf die Übernahme. Ein Händler sagte mit Blick auf die Offerte: "An der Börse werden ja nur die Vorzugsaktien gehandelt, für die ist das Angebot von 14,10 Euro aber eigentlich eine Frechheit, wenn man bedenkt, dass Saban 23,37 Euro für die Stammaktien erhält." Wieder einmal würden die Kleinaktionäre "veralbert". Dennoch rechne er damit, dass die Aktie im Tagesverlauf deutlich über dem Übernahmeangebot gehandelt werde. Andere Börsianer erwarten, dass Springer das Angebot nachbessere.

Ein anderer Marktteilnehmer sagte: "Dies ist sicherlich ein Schlag ins Gesicht der Kleinaktionäre. Aus bewertungstechnischer Sicht gebe es sicherlich keine Begründung für die große Differenz zwischen Stämmen und Vorzügen. "Springer ist nur an den Stämmen interessiert ist - ich erwarte Anfechtungsklagen der Vorzugsaktionäre."

Ein dritter Händler sagte: "Es würde mich wundern, wenn hier nicht drauf spekuliert wird, dass das Angebot aufgebessert wird". Die Aktien von ProSiebenSat.1 verloren gegen bis 10.25 Uhr 2,23 Prozent auf 14,47 Euro. Der MDax gab zugleich um 0,58 Prozent auf 6.717,08 Punkte nach.