IT-Berater Pragmatiker mit Feingefühl

Die IT-Landschaft wandelt sich. Wer als Berater in diesem Bereich tätig ist, muss ein sensibles Gespür für die Beziehungen zwischen Geschäftsprozessen und IT-Lösungen haben. Soft Skills ist das neue Schlagwort der Branche.
Von Susi Müller

Sowohl neue Herausforderungen wie die Anpassung der IT-Prozesse an die geschäftlichen Anforderungen als auch klassische operationale Aufgaben wie IT-Organisationsform oder Steuerung externer Dienstleister prägen das Kompetenzprofil eines IT-Beraters von heute.

Die Bedeutung der IT verändert sich: Sie entwickelt sich immer stärker zum strategischen Partner des Managements. Vor diesem Hintergrund werden die Erwartungen an Berater zunehmend anspruchsvoller.

Fast ebenso entscheidend wie technische Kompetenzen und funktionales Wissen ist die Fähigkeit, als echter Partner mit dem Kunden zusammenzuarbeiten. So wandeln sich auch die IT-Beratungshäuser. Viele sind zu Full-Service-Providern geworden, für die Strategieberatung und Outsourcing nur die Eckpunkte eines umfassenden Leistungsspektrums darstellen.

Grundsätzlich muss eine neue IT-Lösung Transparenz in Unternehmensprozesse bringen und Einsparpotenziale heben. Ihre strategische Bedeutung hat weit reichende Auswirkungen: Oft müssen parallel zur Einführung ganze Geschäftsbereiche und Prozesse neu organisiert werden. Das fordert vom IT-Berater maximalen Einsatz, Fairness und partnerschaftlichen Umgang mit dem Kunden.

IT-Berater als Change-Manager

Gleichzeitig wird er zum Change-Manager, denn Veränderungspotenziale können bei den Mitarbeitern Ängste auslösen. "Viele Projekte, wie zum Beispiel die Einführung eines neuen Stammdatenmanagements, bringen erhebliche Veränderungen mit sich", weiß Jörg Dietmann, Deutschland-Chef des international tätigen IT-Beratungshauses Ciber Novasoft. "Im Extremfall kann dies dazu führen, dass der Vertrieb neu geordnet werden muss."

Um die Belastungen für ein Unternehmen möglichst gering zu halten, müssen die Mitarbeiter von Projektbeginn an integriert werden. An der Schnittstelle zu den Beschäftigten setzt der IT-Berater an, um das "interne" Marketing für die neue IT-Landschaft zu übernehmen. "Ein erfolgreicher Consultant sollte interdisziplinär denken und die Fähigkeit haben, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen", bestätigt Dietmann. "Im Fokus stehen nicht einzelne Module, sondern eine in sich verzahnte Gesamtlösung, die alle Geschäftspotenziale optimal nutzt."

Erfahrene Berater erkennen in der zunehmenden Bedeutung menschlicher Faktoren einen Branchentrend. Offen mit dem Kunden zu kommunizieren und auf individuelle Wünsche einzugehen, wird zu einer essentiellen Fähigkeit und gilt mittlerweile als Kriterium für die Auswahl des geeigneten Beratungshauses.

Technologie aktiv kommunizieren

Technologie aktiv kommunizieren

"Nur wenn man dem Kunden wirklich zuhört und ihn versteht, entsteht das notwendige Vertrauen, das für die erfolgreiche Zusammenarbeit unerlässlich ist", erläutert Dietmann. "IT-Berater dürfen nicht hinter verschlossen Türen so genannte technische Details beraten und entscheiden. Teamarbeit und 'knowledge sharing' sind selbstverständlich."

Gut gerüstet sind Berater mit einer schnellen Auffassungsgabe, Kreativität, Belastbarkeit, Motivation und Lernbereitschaft. Wichtig auch: Ein überzeugendes Auftreten, gute Präsentationsfähigkeiten und Erfahrungen in Moderationstechniken.

Informationstechnologie bedeutet Vernetzung. Und Vernetzung bedeutet Internationalität. Besonders ausländische Kunden fordern von Beratern umfassende Methoden- und Sozialkompetenz. "Gerade in Märkten, in denen man mit größeren IT-Projekten noch nicht so viele Erfahrungen gemacht hat, wie zum Beispiel in Russland, müssen unsere Berater mit viel Fingerspitzengefühl vorgehen und dürfen auf der anderen Seite nicht davor zurückschrecken, einzelne Punkte ganz pragmatisch anzupacken", so Dietmann.

Wertschöpfung steigern, Kosten kontrollieren

Die direkte Kommunikation ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Um eine enge Zusammenarbeit zu gewährleisten, sollte ein Teil des Beraterteams auf jeden Fall die Landessprache beherrschen. "Vertrauen und Symphatie spielen für uns eine große Rolle", bestätigt Oleg Jerebtsov, General Manager und Eigentümer des russischen Discounters Lenta. Bei der Groß- und Einzelhandelskette mit Sitz in St. Petersburg hat Ciber Novasoft eine der ersten SAP for Retail-Einführungen in Russland realisiert. "Statt große Reden zu schwingen, haben die Berater die Ärmel hochgekrempelt und schnell hervorragende Ergebnisse erzielt."

Externe Beratung hat für Unternehmen das Ziel, einen eindeutigen Mehrwert zu schaffen. So werden die Kosten zu einem wichtigen Maßstab für die Projektvergabe. Die IT-Beratungshäuser erhalten nur dann einen Projektauftrag, wenn sie dem Kunden klare Wertschöpfungspotenziale aufzeigen können. Das bedeutet auch, dass die Consultants schon beim Projektstart den Prozessverlauf und alle gewünschten Zielsetzungen mit dem Kunden abstimmen müssen. Ohne dies kann es leicht zu unterschiedlichen Interpretationen des Ergebnisses kommen.

IT-Berater sind wieder gesucht, gerade im SAP-Bereich steigt die Nachfrage. Das Kompetenzprofil ist anspruchsvoll. "Man ist als Berater auf sehr vielen Ebenen gefordert", fasst Dietmann zusammen. "Wir suchen Leute mit langjähriger Erfahrung mit SAP, einem Verständnis für die Branchen und dem richtigen Gespür für den Umgang mit Menschen. Das ist nicht leicht zu finden."

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