Infineon Von Zitzewitz zurückgetreten

Der für das Speicherchip-Geschäft zuständige Infineon-Vorstand Andreas von Zitzewitz ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten, nachdem die Zentrale des Unternehmens am Freitag von der Polizei durchsucht worden ist.

München - Der Aufsichtsrat akzeptierte sein Rücktrittsgesuch, ließ Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley am Sonntagabend mitteilten. Zitzewitz war wegen angeblicher Provisionszahlungen ins Visier der Münchener Staatsanwaltschaft geraten. Ein Infineon-Sprecher bestätigte eine Durchsuchung am Freitag in der Zentrale von Infineon  im Zusammenhang mit Ermittlungen in Sachen BF Consulting. Die Staatsanwaltschaft war zunächst nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen gewesen.

"Dr. von Zitzewitz erklärte seinen Rücktritt, um das Unternehmen nicht mit den laufenden Untersuchungen zu belasten und sich voll auf das sich abzeichnende Verfahren zu konzentrieren", hieß es in der Pflichtmitteilung von Infineon. Infineon-Chef Wolfgang Ziebart erwarte, dass der Aufsichtsrat den Rücktritt von Zitzewitz annehmen werde. "Wir unterstützen die Behörden in jeder Hinsicht bei ihren Ermittlungen. Wir sind ebenso an einer vollständigen Aufklärung interessiert," hieß es.

Vorab-Berichten von SPIEGEL und "Focus" zufolge hatte Zitzewitz zusammen mit anderen hochrangigen Infineon-Managern Lieferanten des Münchener Chip-Konzerns dazu gedrängt, Motorsport-Veranstaltungen zu sponsern. Aus den geflossenen Werbeeinnahmen habe er von der schweizerischen Beratungsfirma BF Consulting Vermittlungsprovisionen erhalten, die er angeblich überdies nicht versteuert habe. Die Staatsanwaltschaft ermittele gegen Zitzewitz und einen 2004 bei Infineon ausgeschiedenen Manager wegen des Verdachts der Untreue, Steuerhinterziehung und Bestechlichkeit, berichtete "Focus" unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft.

Zitzewitz Sparte könnte im Herbst an die Börse gehen

Dem SPIEGEL zufolge haben mehr als 100 Beamte nicht nur die Infineon-Zentrale, sondern auch die Büros und Privathäuser der Beschuldigten durchsucht. Bereits vor eineinhalb Jahren habe Infineon-Aufsichtsratschef Max-Dietrich Kley Informationen über so genannte Kickback-Zahlungen an Zitzewitz erhalten, aber keine Belege dafür gefunden. Der "Focus" nennt unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft eine Summe von 259.000 Euro, die der Vorstand erhalten habe.

Zitzewitz leitet derzeit die Speicherchip-Sparte von Infineon, für die der Konzern Branchenkreisen zufolge für Herbst einen Börsengang erwägt. Zitzewitz gilt wie der ehemalige Infineon-Chef Ulrich Schumacher als großer Motorsport-Anhänger. Der Chip-Konzern hat auch die Rennsportserie Formel 1 als Sponsor des Jordan-Honda-Teams begleitet. Infineon habe nach dem Ausscheiden von Schumacher seine Engagements im Motorsport so weit wie möglich beendet, hieß es am Samstagabend.

Schumacher hatte den weltweit viertgrößten Chipkonzern im März 2004 verlassen, was im Aufsichtsrat mit einem autoritären, unkooperativen Führungsstil des Managers sowie strategischen Differenzen begründet worden war. Offiziell hat sich der Konzern jedoch nie zu den Gründen für die Trennung geäußert. Ziebart ist seit September Chef von Infineon.

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