Onlineratgeber Rechtsauskunft per E-Mail

Darf der Vermieter dem Mieter wegen der Haltung eines Haustieres fristlos kündigen? Wie lange darf man von einem schriftlichen Vertrag ohne Angabe von Gründen zurücktreten? Der Gang zum Anwalt scheint bei solch einfachen Fragen übertrieben. Warum auch, wenn sich die Antworten im Internet finden lassen.

Stuttgart/Ravensburg - Ob im Büro, Wohnzimmer oder am Urlaubsort: Per Computer und Internet können Verbraucher online Rat bei Anwälten suchen - ohne vorherige Terminabsprache. Viele Kanzleien bieten neben persönlicher Beratung ebenso Auskünfte per E-Mail an, Internetportale vermitteln Fachleute aller Rechtsgebiete.

Für Verbraucher ist die Auskunft im Netz bequem. Geeignet ist sie nach Einschätzung von Experten aber nur für einfache Fälle.

"Eine Onlinerechtsberatung lohnt sich bei allgemeinen Fragen", erklärt Ulrike Weingand, Juristin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. Dieser Weg biete sich beispielsweise an, wenn ein unzufriedener Kunde sich über Gewährleistungsansprüche erkundigen möchte, sagt Roger S. Gabor vom Verbraucherrechtsausschuss des Deutschen Anwaltvereins (DAV) in Berlin.

Auch für die erste Orientierung eignet sich die schnelle Information aus dem Internet. "Am Anfang wissen viele Menschen oft nicht, ob ihr Fall großen Aufwand lohnt", so Weingand. Eine E-Mail-Anfrage könne klären, ob für das Problem wirklich ein Anwalt notwendig ist.

Im Internet gilt wie im richtigen Leben: Juristische Beratung dürfen in Deutschland nur Rechtsanwälte anbieten. Der Ablauf der Onlineberatung wird auf der Website des Anbieters meist genau beschrieben. Üblich ist, dass der Ratsuchende zunächst unverbindlich sein Problem schildert, woraufhin der Anwalt mitteilt, inwiefern und zu welchem Preis er den Fall online bearbeiten kann. Erst dann muss der Ratsuchende entscheiden, ob er das Angebot wahrnimmt.

Manche Anbieter versprechen eine Antwort innerhalb von 24 Stunden. Einige weisen darauf hin, dass bei eiligen Anfragen eine persönliche Beratung vorzuziehen sei. Angemessene Bearbeitungsfristen sind Gabor zufolge mindestens ein bis zwei Tage.

Ratsuchende sollten ihr Problem möglichst ausführlich und präzise schildern. Denn: "Jede Antwort ist nur so gut wie die Frage", betont Lutz Wilde, Redakteur bei der von der Stiftung Warentest herausgegebenen Zeitschrift "Finanztest". Missverständnisse und Informationslücken können fatal sein. "Wenn jemand die Begriffe Pacht und Miete verwechselt, kann eine Auskunft zum Mietrecht wertlos sein", erklärt Wilde. Allerdings fragen erfahrene Anwälte bei unklaren oder widersprüchlichen Angaben nach, sagt Ulrike Weingand.

Juristischer Rat ab zehn Euro

Juristischer Rat ab zehn Euro

Wie viel Anwälte für ihre Dienste verlangen dürfen, richtet sich üblicherweise nach dem Streitwert des Falles. Doch bei einer E-Mail-Anfrage handelt es sich in der Regel um eine Erstberatung.

"Dabei darf eine Gebühr von 190 Euro nicht überschritten werden", erklärt Gabor. Auskünfte zu einfachen Fragen sind im Netz ab 10 Euro erhältlich. Kostenlos dürfen Anwälte aber nicht beraten. Generell lohne sich ein Preisvergleich, da die Preise der Anbieter stark schwanken, rät Wilde.

Portale wie Frag-einen-Anwalt ermöglichen Ratsuchenden, den Beratungspreis selbst festzulegen. Je höher die angebotene Vergütung, desto größer die Chance, dass sich ein Anwalt des Falles annimmt, erklärt Wilde. Bei dem Hannoveraner Portal werden die Stellungnahmen zum Teil veröffentlicht. Dies ist ein zusätzlicher Ansporn für die Juristen, gründliche Arbeit zu leisten - schließlich lesen die Kollegen mit. Und die Mandanten können laut Wilde nur in den seltensten Fällen beurteilen, wie gut die Auskünfte wirklich sind.

Von Vorteil für den Verbraucher ist, dass die Onlinekorrespondenz - anders als die persönliche oder Telefonberatung - schwarz auf weiß festgehalten wird. Das kann sich laut Wilde auszahlen, wenn sich herausstellen sollte, dass der Mandant falsch beraten wurde. Anwälte müssen für daraus entstandene Schäden haften.

An ihre Grenzen stößt die Rechtsauskunft im Internet, wenn der Anwalt erst Schriftstücke des Mandanten prüfen muss. "In vielen Fällen ist ohne Einsicht in Unterlagen keine vernünftige Beurteilung möglich", sagt Weingand. Verträge oder andere Papiere lassen sich zwar einscannen oder per Post verschicken. Doch der Aufwand kann die Vorteile der schnellen und bequemen Kommunikation per Internet schnell zunichte machen.

Papierlastige Streitigkeiten um den Unterhalt oder um ein Erbe sind also eher nichts für den schnellen Rechtstipp per Internet. Es gebe kaum einen kniffligen Fall, "den man mit einer E-Mail lösen kann", sagt Gabor. Wer Hilfe bei komplizierten Rechtsproblemen sucht, könne auf eine persönliche Beratung nicht verzichten.

Berti Kolbow, DPA

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