Mobilcom/Freenet Akquisition statt Ausschüttung

Eckhard Spoerr, der künftige Chef eines aus Mobilcom und Freenet fusionierten Unternehmens, will einen aggressiven Wachstumskurs fahren und beide Marken erhalten. Die liquiden Mittel in Höhe von 338 Millionen Euro sollen jedoch eher für Zukäufe verwendet und nicht als Mega-Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

Hamburg - Vorstandschef Eckhard Spoerr will das neue Unternehmen aus Mobilcom  und Freenet  auf Wachstumskurs halten. "Ich bin Verfechter einer Wachstumsstrategie", sagte Spoerr am Montag.

Der Mobilfunkanbieter Mobilcom wird mit seiner Internettochter Freenet verschmelzen. Dieser Prozess soll im 1. Quartal 2006 abgeschlossen sein. Dem neuen Unternehmen unter Führung des 37-Jährigen stehen 338 Millionen Euro liquider Mittel zur Verfügung, die für Zukäufe genutzt werden sollen. "Wenn man das Geld nicht über einen langen Zeitraum investieren kann, dann gehört es den Aktionären", sagte Spoerr auf die Frage nach einer möglichen Sonderdividende.

"Ich bin zuversichtlich, dass es eine erfolgreiche Verschmelzung wird", sagte der Freenet-Chef. Er hatte den Vorstoß seines Mobilcom-Kollegen Thorsten Grenz anfangs kritisch beurteilt, der seinen Platz nach den außerordentlichen Hauptversammlungen im August laut Mobilcom "im besten Einvernehmen" frei macht. Bei der Chef-Besetzung habe die bessere Zukunftsaussicht von Freenet den Ausschlag gegeben, bekräftige Mobilcom-Aufsichtsratschef Dieter Vogel.

"Wir sind in keiner Konkurrenzsituation"

Nach Angaben des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL gab Grenz auf, weil er auf eine Forderung des Mobilcom-Großaktionärs Texas Pacific Group (TPG)  nach einer Ausschüttung der liquiden Mittel nicht eingehen wollte. Vogel bekräftigte, dass auf den Sitzungen des Führungsgremiums über eine solche Ausschüttung nicht gesprochen wurde. TPG hält an der verschmolzenen Firma rund 18 Prozent.

Spoerr will beide Marken und Geschäftsfelder erhalten. "Ich sehe darin einen Vorteil, wir sind ja in keiner Konkurrenzsituation", betonte er. Derzeit hätten beide Unternehmen zusammen 13 Millionen Kundenverhältnisse, einige Kunden seien auch bei beiden Gesellschaften.

Zusammen könnten die Unternehmen eine einheitliche Strategie entwickeln. "Das ist mit Sicherheit wertfördernd", sagte der Vorstandschef. Aus der Nutzung der Verlustvorträge könne in den nächsten Jahren zudem ein steuerlicher Vorteil von 25 Millionen Euro entstehen.

Spoerr möchte die freien Mittel in Zukäufe investieren, wobei mindestens eine Milliarde Euro "stemmbar" wäre. Priorität hat der Ausbau des breitbandigen DSL-Geschäfts, der schnelleren Zutritt zum Internet verschafft. Wachstumspotenzial sieht der Manager aber auch beim margenschwachen Mobilcom-Geschäft.

In den rund 225 Mobilcom-Shops werden künftig auch Freenet-Produkte angeboten. Die gegenseitige Nutzung der Vertriebskanäle sei ein Vorteil der Verschmelzung, berichtete Spoerr. Er rechnet mit Kosteneinsparungen im zweistelligen Millionenbereich.

Stellenstreichungen in zentralen Bereichen konnte Spoerr zwar nicht ausschließen, erwartet andererseits auch Zuwächse an einzelnen Standorten. Freenet werde in Hamburg (2000 Mitarbeiter) bleiben, der Mobilcom-Standort Büdelsdorf wird Hauptsitz des neuen Unternehmens. Dort sind rund 1500 Mitarbeiter beschäftigt.

Ende August sollen die Aktionäre von Freenet und Mobilcom über die Fusion abstimmen. Der Mobilfunkdienstleister Mobilcom hält an dem zweitgrößten deutschen Internetanbieter Freenet 50,4 Prozent der Anteile.

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