Mobilcom/Freenet Spoerr sticht Grenz aus

Nach monatelangen Streitereien haben Mobilcom und Freenet am Freitag die Verschmelzung ihrer beiden Gesellschaften beschlossen. Vorstandsvorsitzender des neuen Unternehmens wird Freenet-Chef Eckhard Spoerr.

Frankfurt - Der Telekomdienstleister Freenet  und die Muttergesellschaft Mobilcom  haben sich auf die Verschmelzung beider Gesellschaften geeinigt. Freenet-Chef Eckhard Spoerr soll Vorstandsvorsitzender des neuen Unternehmens namens Mobilcom-Freenet.de werden, teilten die beiden Gesellschaften mit.

Mobilcom-Chef Thorsten Grenz, der die Verschmelzung vorangetrieben hatte, wird hingegen den Vorstand des Mobilfunkdienstleisters verlassen. Beide Firmen einigten sich zudem auf das Bewertungsverhältnis für die Verschmelzung. Demnach erhält jeder Freenet-Aktionär 1,15 Aktien der neuen Gesellschaft, jeder Mobilcom-Aktionär eine.

Der Verschmelzungsvertrag solle noch am Freitag notariell beurkundet werden. Die neue Gesellschaft werde ihren Sitz im schleswig-holsteinischen Büdelsdorf haben. Mit dem Zusammenschluss wollen die Unternehmen die Synergien zwischen Festnetz und Mobilfunk besser nutzen.

Die Mobilcom-Aktien waren am Donnerstag mit 17,62 Euro aus dem Handel gegangen, die der Tochter Freenet mit 20,40 Euro. Aufgrund dieser Notierungen hätte das Umtauschverhältnis bei 1,16 gelegen.

Börse reagierte positiv

Einschließlich der angekündigten Dividende von 0,35 Euro je Aktie, die Freenet im August zahlen will, hätte das Bewertungsverhältnis auf dieser Basis bei 1,14 Euro gelegen. "Die geplante Zahlung einer Dividende von Freenet für das Geschäftsjahr 2004 in Höhe von 0,35 Euro je Aktie wird vom Abschluss des Verschmelzungsvertrags nicht beeinflusst", hieß es.

Die Aktien beider im Technologieindex TecDax  gelisteten Unternehmen waren im Vorfeld der Mitteilung zeitweise um mehr als 6 Prozent gestiegen. Nach der Mitteilung tendierte die Mobilcom-Aktie noch mehr als 5 Prozent im Plus, während das Freenet-Papier mit mehr als 4 Prozent in der Gewinnzone lag.

Vor dem Amtsantritt bei der neuen Gesellschaft übernehme Spoerr bereits ab 1. September neben seiner Chefposition bei Freenet auch den Vorstandsvorsitz bei der Muttergesellschaft Mobilcom.

Grenz scheidet Ende August aus

Grenz scheidet Ende August aus

Vorangetrieben hatte die Verschmelzung allerdings Mobilcom-Chef Grenz. Er werde nach den Verschmelzungs-Hauptversammlungen zum 31. August aus dem Mobilcom-Vorstand ausscheiden. Dies geschehe nach den Hauptversammlungen im besten Einvernehmen, sagte Mobilcom-Sprecher Tobias Weitzel gegenüber manager-magazin.de. Grenz sehe seine Aufgabe mit der von ihm initiierten Verschmelzung von Mobilcom und der Tochter Freenet als erledigt an.

Mobilcom zeigte sich mit dem Ergebnis der Verhandlungen sehr zufrieden. "Wir sind unserem Ziel ein gutes Stück näher gekommen", sagte Weitzel.

Die Aktionäre von Mobilcom und Freenet müssen der Verschmelzung auf außerordentlichen Hauptversammlungen zustimmen. Der zweitgrößte deutsche Mobilfunkdienstleister Mobilcom hält 50,4 Prozent an dem zweitgrößten deutschen Internetanbieter Freenet.

Mobilcom-Chef Grenz hatte neben strategischen auch steuerliche Gründe für die Verschmelzung angeführt. Hohe Verlustvorträge von Mobilcom können noch in diesem Jahr für Freenet genutzt werden, wenn die Fusion rechtzeitig unter Dach und Fach gebracht wird.

Die Verschmelzung hat Ähnlichkeiten mit Schritten von Deutscher Telekom oder France Telecom, die ihre Internettöchter in den Konzern wiedereingliederten.

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