Intel Kartellklage mit Microsoft-Dimensionen

Der US-Chipkonzern AMD hat gegen seinen Konkurrenten Intel eine umfassende Kartellklage eingereicht. Intel wird vorgeworfen, Druck auf Großkunden wie Dell, Sony und Toshiba ausgeübt zu haben, damit diese keine Geschäfte mit AMD machen. Die Chancen für AMD stehen gut. Auch in Japan und Brüssel ermitteln die Wettbewerbsbehörden.

Sunnyvale - Der amerikanische Chip-Hersteller Advanced Micro Devices (AMD)  hat gegen den globalen Branchenführer und Hauptkonkurrenten Intel  eine umfassende Kartellrechtsklage eingereicht.

Darin wird Intel vorgeworfen, auf 38 Computerhersteller, kleine Systemhäuser und Groß- und Einzelhändler Zwang ausgeübt zu haben. Sie sollten mit illegalen Anreizen und Druck davon abgehalten werden, Geschäftsbeziehungen mit AMD einzugehen. Durch die rechtswidrigen Geschäftspraktiken seien die Computerpreise in die Höhe getrieben und die Auswahl begrenzt worden.

Bei der Klage, die in einem amerikanischen Bezirksgericht in Delaware eingereicht wurde, geht es um Vorwürfe, dass Intel seine Monopolstellung ausgenutzt und unzulässige Geschäftsmethoden verwendet habe, um zu verhindern, dass PC-Hersteller Mikroprozessoren von AMD kaufen oder Groß- und Einzelhändler PCs mit AMD-Chips verkaufen. Intel hat bei PC-Chips eine ähnlich dominierende Position wie Microsoft  mit Windows bei den PC-Betriebssystemen. Während gegen Microsoft wegen seiner Geschäftspraktiken zahlreiche Wettbewerbsklagen eingereicht worden waren, war es bisher um Intel in kartellrechtlicher Hinsicht vergleichsweise still gewesen.

Klage in Japan und Brüssel

AMD hat Intel in der 48 Seiten starken Klageschrift unter anderem vorgeworfen, wichtige Kunden wie Dell , Sony , Toshiba , Gateway und Hitachi  zu exklusiven Intel-Vereinbarungen gezwungen zu haben. Dafür sollen sie Barzahlungen, Sonderpreise oder Marktsubventionen erhalten haben. Diese seien vom AMD-Ausschluss abhängig gemacht worden.

AMD führte ferner Teilexklusivabkommen mit NEC , Acer und Fujitsu  an. Sie seien durch Rabatte und Marktentwicklungs-Gelder erzwungen worden, die Käufe von AMD teilweise oder ganz verhinderten. Auch Hewlett-Packard  sowie die frühere Compaq wurden in der Klage genannt.

AMD beschuldigt Intel, seine Monopolstellung auf dem Markt für x86-Mikroprozessoren in rechtswidriger Weise durch weltweiten Zwang auf Kunden aufrechterhalten zu haben, um Geschäftsbeziehungen zu AMD zu verhindern.

Bei den x86-Mikroprozessoren handelt sich um Chips, die in den meisten Personalcomputern eingesetzt werden. Sie lassen den Einsatz von Windows-, Solaris- und Linux-Betriebssystemen zu. Selbst Apple will ab 2006 exklusiv auf Intel-Chips überwechseln. Der Intel-Marktanteil in diesem Markt liege momentan vom Absatz her bei 80 Prozent und vom Wert her bei 90 Prozent des Umsatzes.

"Für die Monopol-Missbräuche zahlen"

"Für die Monopol-Missbräuche zahlen"

Damit habe Intel "Monopolbesitz" und "super-dominierende Marktkraft", betonte AMD. "Menschen müssen den Preis für die Intel-Monopol-Missbräuche von Osaka über Frankfurt bis Chicago in Form höherer Preise für Monopolgewinne, geringerer Marktauswahl oder Innovationshürden zahlen", erklärte AMD-Konzernchef Hector Ruiz.

Auch beim größten europäischen Computer-Einzelhändler Media Markt, der 35 Prozent des deutschen Einzelhandelsmarktes repräsentiere, sei AMD ausgeschlossen worden. In den USA führte dagegen AMD große Elektronik-Einzelhändler wie Office Depot, Best Buy und Circuit City an.

AMD berief sich in seiner Klage unter anderem auf die japanische Wettbewerbsbehörde JFTC. Diese habe entschieden, dass Intel seine Monopolstellung verwendet habe, um fairen und offenen Wettbewerb zu verhindern. Damit habe Intel gegen das japanische Monopolgesetz verstoßen.

Intel habe illegale Praktiken angewandt, um den steigenden AMD-Marktanteil zu stoppen, indem japanischen PC-Herstellern Beschränkungen auferlegt worden seien. Intel habe gegen diese Vorwürfe keinen Widerspruch eingelegt. Brüssel hat nach AMD-Angaben eine Untersuchung gegen Intel wegen möglicher Kartellrechtsverstöße eingeleitet und kooperiert mit den japanischen Behörden.