Galileo Deutschland zahlt, Frankreich baut

Die bisherigen Konkurrenten Eurely und Inavsat wollen das milliardenschwere europäische Satelliten-Navigationssystem Galileo gemeinsam aufbauen. Die EU hat das gemeinsame Gebot gebilligt. Verkehrsminister Stolpe fürchtet, dass deutsche Unternehmen zu kurz kommen.

Brüssel - Die Verhandlungen über das Gebot des von EADS  geführten Inavsat-Konsortiums und seines bisherigen Konkurrenten Eurely könnten nun beginnen, teilte das zuständige EU-Unternehmen Galileo Joint Undertaking (GJU) am Montag in Brüssel mit. Es sei davon auszugehen, dass diese Gespräche vor Jahresende abgeschlossen würden.

"Wir haben unser Ziel erreicht, dass es ein kostengünstigeres Angebot gibt", sagte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe in Luxemburg. Zugleich verlangte er erneut eine angemessene Beteiligung deutscher Unternehmen. "Wer am meisten zahlt, sollte auch bei den Aufträgen vorne sein."

Galileo ist die europäische Antwort auf das US-Satellitennavigationssystem GPS und soll 2008 in Betrieb gehen. Dafür werden 30 Satelliten ins All gebracht. Mit dem Zuschlag ist eine Konzession für 20 Jahre verbunden. Im Gegensatz zum amerikanischen System GPS soll Galileo zivil und nicht militärisch betrieben werden und durch seine neue Technik zahlreiche, auch kostenpflichtige Anwendungen erlauben.

Frankreich in der Pole Position

An Eurely ist kein deutsches Unternehmen beteiligt. Frankreich ist dagegen in beiden Konsortien mit Firmen vertreten, weswegen sich die Stellung der Franzosen in einem gemeinsamen Angebot verbessert. Deutschland pocht daher auf Unterverträge mit deutschen Firmen.

Zu Eurely gehören die französiche Alcatel , die italienische Finmeccanica  sowie Hispasat und Aena aus Spanien. Hinter Inavsat stehen der französische Konzern Thales, der deutsch-französische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS  und die britische Inmarsat.

Milliardeninvestitionen und hoch qualifizierte Arbeitsplätze

Milliardeninvestitionen und hoch qualifizierte Arbeitsplätze

Stolpe räumte ein, dass das gemeinsame Angebot wirtschaftlich deutlich besser sei, forderte aber die Beteiligung deutscher Unternehmen bei dem Projekt. Sowohl in Bayern als auch in Ostdeutschland gebe es entsprechend leistungsstarke Unternehmen. Stolpe bekräftigte, die Bundesregierung unterstütze unter anderem Bemühungen der Deutschen Telekom .

Die GJU begründete die Entscheidung zu Gunsten eines gemeinsamen Gebots damit, dass die öffentliche Hand im Vergleich zu den Einzel-Offerten weniger ausgeben werde und die Erlöse höher seien. Auch sei der Zeitplan des Projektes dadurch nicht in Gefahr. Die beiden Rivalen hatten sich im Mai nach eigenen Angaben zu einer gemeinsamen Offerte entschlossen, weil sich das GJU nicht für einen der beiden Anbieter entscheiden konnte.

Der Aufbau des Galileo-Projekts wird nach bisherigen Schätzungen 2,1 Milliarden Euro kosten. Nach den EU-Plänen werden 1,4 Milliarden Euro aus privaten Mitteln und 700 Millionen Euro aus dem EU-Budget aufgebracht. Die Entwicklungskosten werden auf weitere 1,1 Milliarden Euro geschätzt. Auf dem Spiel stehen nach Einschätzung der EU und beteiligter Unternehmen mehrere tausend hoch qualifizierte Arbeitsplätze und Milliardeninvestitionen.