Fußball-WM 2010 Feilschen um die Fernsehrechte

Auch bei der WM 2010 in Südafrika werden Fußball-Fans den Großteil der Spiele voraussichtlich im frei empfangbaren Fernsehen erleben können. Wahrscheinlich wird die Fifa am Mittwoch den TV-Sendern ähnliche Rechtepakete zusprechen wie bei der WM in Deutschland. Wieder einmal spielt Günter Netzer eine maßgebliche Rolle beim großen Geschacher.

Hannover/Frankfurt - Hinter den Kulissen wird noch gefeilscht und an letzten Vertragsformulierungen gefeilt. Es ist eilig, denn am Mittwoch soll die Exekutive des Fußball-Weltverbandes den europäischen Teil der Fernsehrechte für die Weltmeisterschaft 2010 vergeben.

Sicher ist derzeit nur, dass 22 verschiedene Angebote vorliegen und die Fifa eine deutliche Einnahmesteigerung verbuchen kann. Und es zeichnet sich bereits ab, dass die deutschen Fans von der WM in Südafrika ähnlich viel Fußball bei ARD, ZDF und RTL sehen können wie im kommenden Jahr, wenn es 56 der 64 Spiele im frei empfangbaren Fernsehen gibt.

"Die Entscheidung fällt am Mittwoch", betont Fifa-Sprecher Markus Siegler. Zu Namen und Details der Angebote will sich der Fußball-Weltverband nicht äußern.

Fifa will mehrere Unternehmen als Partner

Bekannt ist zumindest, dass die Agentur Infront einer der wichtigsten Bieter in diesem Poker mit einem geschätzten Gesamtvolumen von einer Milliarde Euro ist. "Wir sind davon überzeugt, dass unsere Erfahrungen und nachgewiesenen Erfolge die bestmögliche Garantie für die Fifa sind", sagt Infront-Manager Günter Netzer. Zu den Bietern zählen aber auch andere Agenturen wie Sportfive.

Infront hätte am liebsten das gesamte Paket. Fifa-Chef Joseph Blatter hat daran aufgrund schlechter Erfahrungen jedoch nur ein geringes Interesse. Für die Weltmeisterschaften 2002 und 2006 waren die weltweiten Rechte zunächst an die Kirch-Gruppe gegangen und nach deren Insolvenz an Infront. Diese Abhängigkeit von einem einzelnen Unternehmen, die die Fifa vorübergehend in arge Turbulenzen gebracht hatte, will der Verband am liebsten ausschließen. Außerdem muss die Fifa die Gewinne bei dieser Vermarktungsform mit der Agentur teilen.

Offiziell ist noch keine Entscheidung gefallen. "Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das gleiche System wie bisher über eine Agentur oder direkt an die Sender oder auch ein Mischsystem", sagt Fifa-Sprecher Siegler.

Für die Fifa hat sich das Wettbieten gelohnt

Für die Fifa hat sich das Wettbieten gelohnt

Tatsächlich sieht das Modell kurz vor der Verkündung in Frankfurt so aus: In Deutschland und anderen finanzkräftigen Ländern verkauft der Weltverband direkt an die TV-Sender. In wirtschaftlich weniger lukrativen Staaten übernimmt das Vermittlungsgeschäft eine Agentur.

ARD und ZDF werden nach derzeitigem Stand wohl erneut erfolgreich sein. Die beiden öffentlich-rechtlichen Sender, die dieses Mal ohne den Verbund der European Broadcasting Union (EBU) geboten haben, dürfen für die WM 2010 ein nur geringfügig kleineres Paket erwarten wie sie es für die WM im eigenen Land besitzen. Im kommenden Jahr zeigen sie insgesamt 48 Spiele. Im frei empfangbaren Fernsehen sehen die Fans zudem acht Spiele bei RTL. Und auch Premiere  als Quasi-Monopolist im Pay-TV muss sich wohl nicht umstellen und darf 2010 wieder als einziger alle Spiele und alle Tore zeigen.

Für den Fußball-Weltverband hat sich das Wettbieten gelohnt. "Schon jetzt ist klar, Südafrika wird einen höheren wirtschaftlichen Wert bringen als Deutschland", hatte Fifa-Chef Blatter bereits vor einigen Wochen gesagt. Bei den Fernsehverträgen, die für die WM in Deutschland rund 1,1 Milliarden Euro einbringen, werde es eine Steigerung von "mindestens 20 Prozent" geben. Wahrscheinlich aber ist sie noch deutlich größer.

Michael Rossmann, DPA