Ebay "Hauptumschlagplatz für gefälschte Ware"

Einer Ermittlungsgruppe der Polizei ist ein Schlag gegen bandenmäßige Produktpiraterie gelungen. Tausende von Joop-Plagiaten wurde via Ebay verkauft, der Schaden geht in die Millionen. Joop will nun Schadenersatz von der türkischen Fälschertruppe und den Händlern verlangen.

Magdeburg/Hamburg - "Ebay ist einer der Hauptumschlagplätze für gefälschte Ware", zitiert das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL Doris Müller, Vorstandsmitglied beim Aktionskreis Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie.

Aktueller Hintergrund der These: Einer Ermittlungsgruppe der Polizei ist ein Schlag gegen bandenmäßige Produktpiraterie gelungen. Polizei und Staatsanwaltschaft in Magdeburg bestätigten am Samstag einen SPIEGEL-Bericht, wonach Fahnder am Mittwoch 14 Büros und Wohnungen in acht deutschen Städten durchsuchten.

Insgesamt wird nach Polizeiangaben vom Sonntag gegen 69 Beschuldigte in 16 deutschen Städten ermittelt. Ihnen wird vorgeworfen, seit 2003 rund 76.000 Plagiate unter dem Namen des Hamburger Luxus-Modehauses Joop über das Internet-Auktionshaus Ebay  versteigert zu haben. Gemeinsam mit Steuerfahndern, Mitarbeitern des Zollamtes Hannover, der Landeskriminalämter Sachsen-Anhalt und Berlin und fast einem Dutzend örtlicher Polizeidienststellen ermittelte die Einsatzgruppe "Joop" seit Monaten gegen ein "bundesweit agierendes Netzwerk".

Drahtzieher in Istanbul

Die Drahtzieher der Bande sollen in Istanbul sitzen. Zeitgleich zur Großrazzia in Deutschland schlugen auch in der Türkei Ermittler zu. Von Istanbul aus sollen die Pakete mit der gefälschten Ware nach Deutschland geschickt worden sein. Türkische Landsmänner sollen dann die Verteilung übernommen haben. Um dabei selbst im Hintergrund zu bleiben, warben sie über mehrere Zwischenhändler bundesweit Ebay-Verkaufsagenten an, die dann gegen Provision die Fälschungen im Netz anboten.

Damit die Zahlungsströme nicht weiterverfolgt werden können, wurden in Kleinanzeigen in türkischen Zeitungen in Deutschland Landsleute gegen eine Zahlung von 500 Euro in bar ermuntert, Bankkonten zu eröffnen und die Bankunterlagen dann an die Mittelsmänner weiterzugeben. Die Magdeburger Polizei identifizierte bislang 59 Konten bei elf Banken. Nach Schätzungen der Ermittler sollen die Produktpiraten allein mit gefälschten Joop-Artikeln rund 2,3 Millionen Euro verdient haben. Dem Hamburger Modehaus sollen rund rund 5,5 Millionen Euro Schaden entstanden sein.

Die Ermittlungen der Magdeburger Beamten hatten im Juli vergangenen Jahres begonnen, als eine Frau Anzeige wegen Betruges stellte. Die Frau hatte über Ebay eine Tasche ersteigert, die von Joop stammen sollte. Tatsächlich war es aber ein Plagiat. Joop will nun Schadenersatz von der Fälschertruppe sowie von den Hobby-Händlern verlangen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.