Intel Vorstoß auf dem Handymarkt

Marktführer im lukrativen Bereich der Handychips ist gegenwärtig der Halbleiterhersteller Texas Instruments. Nach dem Willen von Branchengigant Intel soll diesem Zustand schnellstmöglich ein Ende bereitet werden. "Wir wollen auch im Mobilfunk die Nummer eins werden", tönt Intel-Manager Sean Maloney. Hilft Infineon bei dem Plan?

Berlin - Der weltgrößte Chiphersteller Intel  will seinen Marktanteil bei der Ausstattung von Mobiltelefonen drastisch ausweiten. Der für die Mobility Group zuständige Intel-Manager Sean Maloney sagte der Berliner Zeitung: "Wir wollen unseren Marktanteil verzehnfachen. Unser Ziel ist es, auch im Mobilfunk die Nummer eins zu werden."

Maloney, der seit Anfang vergangenen Jahres die Sparte Mobility leitet, betonte: "Im gesamten Jahr 2005 hoffen wir, insgesamt 30 Millionen Mobiltelefone mit unseren Chips ausrüsten zu können." Im laufenden Jahr sollen Marktforschungsinstituten zufolge weltweit 735 Millionen Handys produziert werden, das entspricht einem Wachstum von 8 Prozent. Intel hat den Mobilfunk zum wichtigsten Wachstumsmarkt für den Konzern erklärt.

Maloney räumte ein, dass es auf diesem Weg noch Schwierigkeiten gibt: "Derzeit sind wir noch nicht so erfolgreich, wie wir es gerne wären. Aber in diesem Jahr werden wir erstmals eine kritische Masse erreichen." In der Mobility Group von Intel ist das Geschäft mit Prozessoren für mobile Endgeräte wie Notebooks, Taschencomputer und Handys zusammengefasst.

Bei Texas Instruments stoßen Maloneys Äußerungen auf Verwunderung: "Herr Maloneys Worte klingen wie ein schöner Traum", sagt Doug Rasor, Vice President und Manager Strategic Marketing, gegenüber manager-magazin.de. Raser erklärt, warum er sich ein solch rapides Wachstum bei Intel nicht vorstellen kann: Der Markt sei sehr schwierig, eine gute Kundenbindung sei wichtig, die könne man nicht von heute auf morgen aufbauen. "Natürlich nehmen wir Intel als Konkurrenten ernst, aber Intels Stärken liegen auf dem PC-Sektor", so Razor weiter.

Kooperation mit Infineon?

Gegenwärtig ist der Markt für Handychips zersplittert und unüberschaubar. Die Produktionszahlen für Handy- oder Mobilechips werden von den Herstellern oft nicht gesondert ausgewiesen, viele Hersteller geben nicht preis, an wen sie liefern. Als gesichert gilt unter Analysten, dass Texas Instruments  Marktführer in diesem Segment ist. Außerdem balgen sich Samsung , Micron , Hynix, Renesas, STM und Infineon  um weitere Marktanteile.

Im Hinblick auf Infineon ist die Äußerung von Maloney insofern interessant, als das es immer wieder Spekulationen gab, Intel könnte mit dem deutschen Halbleiterkonzern Handychips entwickeln und produzieren lassen. Produktionskapazitäten wären vorhanden, außerdem ist nach dem Verkauf der Siemens-Handysparte an BenQ unklar, wie lange und zu welchen Konditionen Infineon Chips an BenQ liefert.

Ein Nachfolgeauftrag wäre dringend nötig: Bisher hat das Geschäft mit Siemens geschätzte 25 bis 40 Prozent des Jahresumsatzes ausgemacht. Intel selbst widerspricht den Spekulationen: "Mir sind keine Pläne dieser Art aus dem Mutterhaus bekannt", sagte Hans Jürgen Werner, Pressesprecher von Intel Deutschland, gegenüber manager-magazin.de.

Intel konnte in der jüngeren Vergangenheit vor allem mit speziell für einzelne Handyhersteller entwickelten Chips punkten. Gerade moderne Multifunktionshandys benötigen immer leistungsfähigere Chips und Prozessoren. Während mit Standartprozessoren nur wenig Geld verdient wird und die Konkurrenz groß ist, kann bei Spezialchips Funktion und Liefermenge wesentlich besser abgestimmt werden. Damit sinkt das Ausfallrisiko im sehr schwankungsanfälligen Markt, gleichzeitig steigt die Marge.

Einer Studie des Marktforschungsinstituts Frost & Sullivan zufolge boomt der Markt weiter. Der weltweite Jahresumsatz von Handychips soll um jährlich 16 Prozent zulegen und spätestens 2008 die 50-Milliarden-Dollar-Marke überspringen.