Netznutzer Rentner top, Sachsen flop

Die gute Nachricht zuerst: Die Zahl der Online-Rentner wächst. Nun die schlechte: Deutschland verharrt bei der Entwicklung der Webnutzung im europäischen Mittelfeld, das Wachstum der Anwenderzahlen ebbt ab. Sollte sich das nicht ändern, befürchtet Siemens-Manager Thomas Ganswindt "massive Nachteile im weltweiten Wettbewerb".

Berlin - Zu diesen Ergebnissen kommen das Marktforschungsinstitut TNS Infratest und die Initiative D21 mit der am Mittwoch in Berlin vorgestellten fünften Ausgabe ihrer Studie "(N)Onliner Atlas 2005". Die Untersuchung lasse den Schluss zu, dass der Markt sich seiner Sättigungsgrenze nähere, sagte der Vorstandsvorsitzende der Initiative D21, Thomas Ganswindt.

Gleichzeitig gebe es noch große Ungleichgewichte sowohl bei der regionalen Verbreitung des Internets als auch bei der Nutzungsintensität innerhalb unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen.

Seit dem vergangenen Jahr kletterte der Anteil der Internet-Anwender der Studie nach nur um 2,4 Prozentpunkte auf 55,1 Prozent. Von 2003 bis 2004 war der Anteil noch um 2,6 Prozentpunkte und im Jahr zuvor um 8,4 Prozentpunkte gewachsen. Zugleich sank der Anteil derjenigen, die den Einstieg ins Internet planen, von 6,6 Prozent im vergangenen Jahr auf 6,3 Prozent. Die erste Ausgabe der Studie 2001 verzeichnete noch 10,4 Prozent.

Hamburg und Berlin sind spitze

Zwar ist damit über die Hälfte der Menschen über 14 Jahre in Deutschland inzwischen online. Der Abstand zum europäischen Spitzenreiter Schweden, wo sich bereits 74 Prozent der Bevölkerung mit dem Web auseinandersetzen, bleibt jedoch groß. Auch in den USA ist mit 68 Prozent ein deutlich größerer Anteil der Menschen im Netz.

Hinzu kommt, dass das Internet nach wie vor regional und auch in den einzelnen Bevölkerungsgruppen unterschiedlich stark genutzt wird. Senioren, Frauen, Geringverdiener und Menschen mit niedrigerem Bildungsabschluss seien weiterhin unterdurchschnittlich unter den Internet-Nutzern vertreten, sagte Ganswindt, der auch Mitglied im Siemens -Zentralvorstand ist. 25 Millionen Menschen in Deutschland hätten nach wie vor keine Erfahrung mit dem Netz gesammelt und beabsichtigten dies auch nicht.

Schlechte Chance für (N)Onliner

Schlechte Chance für (N)Onliner

Ganswindt sieht deshalb Handlungsbedarf, das Netz weiter zu öffnen. Sollte das in Deutschland nicht gelingen, befürchtet der Manager "massive Nachteile im weltweiten Wettbewerb". Wer nicht im Internet sei, werde in Zukunft eine Menge Chancen unter anderem im Berufsleben nicht wahrnehmen können.

Unter den Bundesländern liegen die beiden Stadtstaaten Berlin und Hamburg vorn. In Berlin sind der Untersuchung zufolge bereits 64 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahre online, in Hamburg sind es 61 Prozent. Schlusslichter sind Sachsen-Anhalt und das Saarland mit einem Internetnutzer-Anteil von 48 Prozent.

Überdurchschnittlich beliebter geworden ist das Internet laut der Studie in der Generation der über 50-Jährigen. Gegenüber dem Vorjahr wuchs die Internetnutzung in den Altersgruppen 50 bis 59 Jahre und 60 bis 69 Jahre um jeweils drei Prozentpunkte auf 53 beziehungsweise 29 Prozent.

In den privaten Haushalten der Internetnutzer sind schmalbandige Zugänge nach wie vor Standard. 86 Prozent der Onliner verfügen über einen Internetanschluss in den eigenen vier Wänden. 28 Prozent der Internetnutzer wählen sich zu Hause über ISDN ein, ein Fünftel mit Hilfe eines analogen Modems. Über einen DSL-Anschluss verfügen 38 Prozent der Web-Anwender.

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