Jurion Juristischer Rat im Web

Wer sich als Jurist nicht laufend über die aktuelle Rechtssprechung informiert, muss mit verheerenden finanziellen Folgen rechnen. Bei mehr als 7000 Urteilen pro Tag steht der nötige Zeitaufwand jedoch in keinem Verhältnis. Mit einem juristischen Onlinedienst versucht Jurion, diesen Zielkonflikt zu lösen.

Hamburg - Tagtäglich werden in Deutschland hunderte von juristischen Urteilen gefällt, die Unternehmen in ihren künftigen Entscheidungen beeinträchtigen. Ein übersehenes oder falsch interpretiertes Urteil kann einen Konzern Millionen kosten.

Um sich auf dem Laufenden zu halten, lesen die meisten Juristen daher Fachzeitschriften und informieren sich zusätzlich im Internet über aktuelle Gerichtsentscheide. Problematisch ist dabei allerdings, dass die Zeitschriften die Urteile in der Regel erst mit einer drei- bis neunmonatigen Verspätung veröffentlichen und analysieren. Datenbanken im Internet werden dagegen oft nur als Zusatzangebot präsentiert oder sind nur auf bestimmte Rechtsbereiche spezialisiert.

Der Hamburger Onlinedienst Jurion hat diese Marktlücke entdeckt und will mit seinem wöchentlichen Newsletter die Informationsbeschaffung für Juristen vereinfachen. Per E-Mail werden die Abonnenten über Änderungen und Entwicklungen in der Rechtssprechung aus 64 verschiedenen Rechtsgebieten informiert.

Aktuelle Informationen für 248 Euro im Jahr

Dabei werden Urteile von rund 750 deutschen Gerichten ausgewertet und die wichtigsten Artikel aus über 140 Fachzeitschriften zusammengefasst. Abhängig von der Auswahl des Kunden erhält dieser jedoch nur die für ihn relevanten Gerichtsentscheide.

Das Abonnement kostet für Mitglieder des deutschen Anwaltvereins 248 Euro, für alle anderen 498 Euro pro Jahr. Für das Dreifache an Kosten erhält der Kunde zudem Analysen und Kommentare zur aktuellen Rechtsprechung von renommierten Juristen wie Gerhard Etzel oder Günter Schaub. Der so genannte Current Awareness Service wird derzeit allerdings nur für die Bereiche Arbeits-, Urheber-, Unternehmens-, Bank- und Kapitalmarktrecht sowie für den gewerblichen Rechtsschutz angeboten.

Licht im Informationsdickicht

Licht im Informationsdickicht

Geschäftsführer Hayo Iversen, selbst Rechtswissenschaftler, kennt die Probleme der Anwälte aus eigener Erfahrung. "Jeder Jurist, egal ob in einer Sozietät oder in einem Unternehmen beschäftigt, ächzt unter der Last der Informationen, die er täglich bewältigen muss, um auf dem Laufenden zu bleiben. Einerseits hat er dafür zu wenig Zeit, andererseits fürchtet er, anwaltlich haftbar gemacht zu werden, wenn er neueste Entscheidungen nicht kennt."

Iversen versteht seinen Onlinedienst aber nicht als Konkurrenzprodukt zu herkömmlichen Fachzeitschriften, sondern als Ergänzung. "Lange Artikel in einer Zeitschrift zu lesen ist deutlich angenehmer als am Bildschirm", meint der Geschäftsführer. Durch die Zusammenfassungen sei Jurion eher etwas für den schnellen Leser, der sich kurz nach dem Erscheinen der Zeitschrift einen Überblick verschaffen will. Wer ausführlichere Informationen benötigt, greift auf die Zeitschrift zurück.

Auch im Vergleich zu anderen elektronischen Anbietern wie Beck  oder Juris  sieht Iversen einen gravieren Unterschied: "Das sind reine Datenbanken. Auf Printprodukte bezogen könnte man sagen: die sind das Lexikon, wir die Tageszeitung."

"Wir wollen an den Endverbraucher"

Trotz der vom Unternehmen stets gerühmten Einzigartigkeit halten sich die zahlungswilligen Kunden noch zurück. Auch wenn der Jurion-Geschäftsführer keine konkreten Zahlen nennen darf, verriet er zumindest soviel: "Wir wären froh, wenn wir 3 Prozent des Marktes zu unseren Kunden zählen könnten." Bei derzeit rund 130.000 zugelassenen Anwälten sind die Ziele somit bescheiden.

Für die Zukunft träumt der Geschäftsführer sogar davon, die aktuelle Rechtssprechung direkt für den Verbraucher auszuwerten. "Die Zielgruppe würde dadurch erheblich verbreitert werden." Bis dahin ist es aber sicherlich noch ein weiter Weg.

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