Multimediaplayer Wer wird der iPod-Killer?

In zehn Jahren sind iPod, Playstation & Co. bereits Geschichte. Das glauben zumindest IT-Experten, die auf einem Kongress in Halle ihre Zukunftsvisionen austauschten. Demnach wird Musik künftig direkt auf das Handy geladen und ein universelles Mediacenter fungiert als Spielekonsole.

Hamburg - Für die Spielebranche birgt die Zukunft gewaltige Vermarktungschancen. Bereits heute werden nicht nur Spiele verkauft, sondern auch Soundtracks und virtuelle Werbeflächen. Die Kommerzialisierung von Games durch die Erschließung von immer mehr Erlösquellen dürfte in zehn Jahren ungeahnte Ausmaße erreichen.

Das hofft zumindest Anusch Mahadjer, Marketingchef bei Eidos Deutschland. "2015 verkaufen wir Welten, die jeder individuell mit Inhalten füllen kann", sagte er auf dem Zukunftskongress Forward2Business in Halle an der Saale.

"Ein Produkt weckt weitere Begehrlichkeiten." So sei es denkbar, dass Gamer in der Spielewelt in einem bestimmten Restaurant eine Pizza für ihren Avatar ordern und für sich gleich mit. Die Provision dürfte der Spielehersteller einstreichen.

Selbst um die Gesundheit der Daddler soll sich künftig der Spieleserver kümmern. "Wer immer nur linksherum läuft", scherzte Mahadjer, "dem könnte man ja mal eine Ergotherapeutin vorbeischicken."

In zehn Jahren, so glaubt der Eidos-Marketingchef, werde es weltweit nur noch vier bis fünf große Spielehersteller geben. Grund seien die hohen Entwicklungskosten, die kleinere Firmen überforderten. Der Krieg der Konsolen, Xbox gegen Playstation und Gamecube, führt nach Meinung von Mahadjer zu einer einheitlichen technologischen Plattform, die gleichzeitig als universelles Mediacenter für Musik und Film fungiert.

Auch wenn die Branche derzeit von einem Verkaufsrekord zum nächsten eilt, sieht Fraunhofer-Forscher Carsten Magerkurth schwarze Wolken am Spielehimmel aufziehen. "So ein bisschen steckt die Spieleindustrie in der Krise", sagte er in Halle. Es gebe immer weniger innovative Spiele, weil sich Hersteller kaum noch wagen, neue Konzepte umzusetzen. "Das finanzielle Risiko ist zu groß."

"Wenn der Drache faucht"

"Wenn der Drache faucht"

Von der gemeinsamen Vermarktung von Spielen und Filmen hält Magerkurth wenig. "Früher hatten wir gute Filme und schlechte Spiele, weil für die Lizenzen der Großteil des Budgets der Spielproduktion draufgegangen ist." Inzwischen habe man gute Spiele und schlechte Filme.

Ihr Heil sollte die Branche nach Meinung Magerkurths im Mobile Gaming und im sogenannten Pervasive Gaming suchen, bei dem sich Alltagswelt und virtuelle Welt durchdringen. Magerkurth berichtete auf dem Zukunftskongress von Brettspielen, bei denen ein Display im Tisch die Spielfläche darstellt. Bei Actionspielen, die an die Wand projiziert würden, ändere sich je nach Szenerie die Zimmerbeleuchtung. "Wenn der Drache faucht, geht die Heizung an."

Nicht nur das Spielen, auch das Musikhören wird sich in den nächsten Jahren verändern. Der iPod, so die Meinung vieler Kongressteilnehmer, werde schon bald durch den universellen Alleskönner, das Handy abgelöst.

Dabei gehe es gar nicht darum, Tausende Songs auf dem Mobiltelefon zu speichern, erklärte Sebastian Purps von der Firma Ericsson . Die Musik liege stattdessen zentral auf einem Server, auf den von überall zugegriffen werden könne. "Es geht nicht um den Besitz von Musik, sondern um den Zugriff darauf." Das ständige Streamen werde dank günstiger Flatrates für mobilen Datentransfer auch bezahlbar sein, glaubt Purps.

Nummer-Eins-Hit selbst mixen

Die Sputnik Innovator Awards, in diesem Jahr auf dem Forward2Business-Kongress bereits zum vierten Mal verliehen, gingen an den Musiker Moby und den Vater der Internettelefonie, Henning Schulzrinne. Moby bekam den Award für das laut Jury "innovativste Geschäftsmodell zwischen Künstlern und Fans".

Seine Anfang 2005 veröffentlichte Nummer-Eins-Single "Lift me up" enthielt neben der Musik auch eine Remix-Software und Song-Samples. Damit konnte der Original-Track beliebig oft editiert und neu abgemischt werden. Jeder Fan hatte die Möglichkeit, seinen eigenen Mix zu kreieren, als MP3 abzuspeichern und auf CD zu brennen.

Henning Schulzrinne wurde für die Entwicklung der Internettelefonie ausgezeichnet. Als Doktorand in den USA programmierte der gebürtige Kölner im Computerlabor der University of Massachusetts eine Software, die Sprache in guter Qualität und nahezu Echtzeit via Internet übertragen konnte.

Heute gilt die IP-Telefonie als eine der wichtigsten technischen Innovationen der Telekommunikation. Schulzrinne arbeitet mittlerweile als Professor an der Columbia University in New York.

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