Microsoft Lauter schwarze Löcher

Es hätte so schön sein können: Das Ambiente – perfekt. Der Ausblick – bestechend. Die Technik – brillant. Doch die Präsentation des neuen Microsoft Home Centers in der Hamburger Hafencity krankte an einem Gestaltungsproblem: wohin mit all den unansehnlichen Flachbildschirmen?
Von Karsten Langer

Hamburg - Dem Besucher präsentiert sich die Hamburger Hafencity, dieses Vorzeigeprojekt maritimer Architekturkunst, noch als Baustelle. Doch in den fast fertigen und halbfertigen Gebäuden leben und arbeiten bereits Menschen - im Süden den Blick auf die Elbe, im Norden die Silhouette der historischen Speicherstadt. Das ist mondän und elegant und deswegen der richtige Ort, um die Microsoft Multimedia Center Edition zu präsentieren, im "stylischen Ambiente", wie das Unternehmen verspricht.

Ein fast verschämtes Schild weist den Weg zum Wohnzimmerevent, der Fahrstuhl riecht nach frisch poliertem Edelstahl und schnurrt unaufdringlich, die große Nussbaumtür der luftigen Musterwohnung schließt sich geräuschlos. Und dann ist man mittendrin in der neuen multimedialen Welt der Gegenwart: Überall Monitore, überall Fernbedienungen, überall Kabel.

Im Wohnzimmer richtet sich die Sitzgruppe auf den riesigen TFT-Bildschirm, im Schlafzimmer ein ebensolcher in Blickrichtung, der Schreibtisch (oder Schminktisch) ist auch von Technik bevölkert, und sogar auf der Empore, die so schön erhaben wirkt, macht sich ein Monitor breit. Das ist von der Idee her sinnvoll, soll man doch als Nutzer alle Geräte von jedem Ort der Wohnung her bedienen können. In der Praxis aber stören die Bildschirme. Es sind banale Fanale der Technik in dieser von Innenarchitekten kreierten Wohlfühlwelt. Zwischen all dem unbehandelten Holz, den Erdtönen und dem weiten Blick aufs Wasser wirken die flackernden Monitore deplatziert wie Neonreklamen in einem buddhistischen Tempel.

Wohnwelt in Orange und Blau: Menschen im Dialog mit der Technik

Wohnwelt in Orange und Blau: Menschen im Dialog mit der Technik

Foto: Microsoft
Fremdkörper: Ohne Monitor wäre die Kommode schöner

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Foto: Microsoft
Familienglück: Zappen vor dem TV-Standbild

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Foto: Microsoft
Familienrat: Wer darf wählen?

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Foto: Microsoft
Doppelfunktion: Im unteren linken Bildschirmausschnitt läuft Medium zwei

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Foto: Microsoft
Eine Hand frei: Möge die Macht mit dir sein

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Foto: Microsoft
Wie man sich bettet, so liegt man: Technik im Schlafzimmer

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Foto: Microsoft
Ohne Kabel geht es nicht: Mediacenter von Medion

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Foto: Microsoft
Kleine Geräte, große Wirkung: Fernbedienung und Multimediaplayer von Iriver

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Foto: Microsoft


Microsoft Multimedia Center Edition
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Vorwerfen kann man das Microsoft  nicht, denn die Marketingstrategie (und auch die freundliche Mitarbeiterin) sagen, dass erst der Massenmarkt erschlossen werden muss, damit sich Hersteller an die Herstellung optisch anspruchsvollerer Geräte machen. Das könne man von einem preisgünstigen Produzenten wie Medion  nicht erwarten. Erwarten könnte man aber von Medion, dass der Monitor ein besseres Bild liefert als das gelieferte. Es ist grobkörnig, und daran lässt sich auch nichts ändern.

Wie man Videos ausbremst

Wie man Videos ausbremst

An der Technik des Multimedia Centers ist dagegen nichts auszusetzen. Die Navigation ist kinderleicht, die Oberfläche wie bei Windows, man kann von der DVD zu Diashow zum Radio zum Fernseher und so weiter wechseln.

Nervig nur, dass nach dem Springen in ein anderes Menü das vorher gewählte Medium in einem kleinen Kasten weiterdudelt. So hört man die Beatles und im Briefmarkenformat kämpft Darth Vader gegen Obi Wan Kenobi. "Bei dieser Funktion kann Musik als Hintergrund für eine Diashow gespielt werden, außerdem geht das System davon aus, dass der Nutzer gerne zwei Medien gleichzeitig nutzt." Sagt jedenfalls die nette Präsentationsdame. Das System denkt, der Nutzer lenkt.

Am Lenken scheitert dann die Erprobung der DVD-Funktion. Beim Vorspulen des Videoclips bleibt das Bild hängen und rührt sich partout nicht mehr von der Stelle. Da hilft auch kein Neustart. Da war der Tester zu ungeduldig mit den Tasten oder zu ungelenk mit den Fingern oder der Vorführeffekt war schuld - sagt jedenfalls die freundliche Präsentationsdame. Oder der Rechner hat sich bei der Datenübertragung verschluckt, wer weiß. Es ist auch nicht möglich, den Bildschirm auf Standby zu schalten, während MP3-Dateien abgespielt werden. Immer leuchtet der Bildschirm in Microsoft-Blau. Das ist wirklich unansehnlich.

Also ist es wieder einmal nicht gelungen, die Technik vom Design her in den Alltag zu integrieren - ein Problem, das existiert, seitdem Elektrogeräte nicht mehr Möbel sind, sondern elektronische Funktionswürfel. Dieses Problems sollte man sich bewusst sein, wenn man Multimedia Center entwirft. Auch wenn Microsoft nur die Software liefert - der Konzern solle Einfluss auf die Gestaltung der Hardware nehmen. Oder sich an Apple orientieren. Das wäre schön.

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