Webportale Durchblick im Telefontarif-Dschungel

Standard-Tarif, Mondschein-Tarif, Call-by-Call, Tarife für ISDN, DSL und Voice-over-IP: Telefonieren ist seit der Deregulierung eine komplizierte Angelegenheit geworden. Internetportale, die die unterschiedlichen Tarife nicht nur auflisten, sondern auch interpretieren, helfen bei der Auswahl eines geeigneten Anbieters.

Göttingen/München - Um Licht in den Tarifdschungel rund um die Telefondose zu bringen, gibt es im Internet zahlreiche Portale, die die einzelnen Angebote listen. Doch die reine Auflistung hilft noch nicht viel weiter - die richtige Interpretation der Tarife ist wichtig.

Denn nicht immer ist der Tarif, der in einer Tabelle auf Rang eins erscheint, tatsächlich der günstigste. "Es kommt auch auf das Kleingedruckte an: Einwahlgebühren, Taktung und Verbreitung eines Angebots", sagt Axel Burkert, Chefredakteur der Internetseite Chip Online  in München.

Angefangen hat alles 1998, mit der Deregulierung des deutschen Telefonmarktes. "Damals gab es drei Anbieter neben der Telekom", erinnert sich Christian Füg, Chefredakteur der Portale Billiger-telefonieren.de  und Billiger-surfen.de .

Die Datenbanken waren zu dieser Zeit noch klein und übersichtlich und der Aufwand zur Aktualisierung war gering. "Und dann kam 01019 mit dem sensationellen Angebot von 19 Pfennig pro Minute für ein Ferngespräch innerhalb Deutschlands", sagt Füg. Der Markt kam in Bewegung und die Preise purzelten in den folgenden Jahren. "Heute sind wir bei weniger als einem Cent pro Minute."

Zahlreiche Portale stellen inzwischen die unterschiedlichen Vorwahlen für die verschiedenen Telefonanbieter zu sämtlichen Tages- und Nachtzeiten dar und zeigen den günstigsten Internettarif. "Die Tariftabellen sehen ja immer wieder gleich aus. Da müssen wir unseren Usern noch mehr bieten", sagt Martin Müller, einer der Gründer und Geschäftsführer von Teltarif.de . Zudem hätten die Nutzer der Seiten nach Inhalten verlangt.

Zusammen mit Billiger-telefonieren.de  war Teltarif.de  das erste Portal, das mit der Deregulierung online ging. "Damals war das noch eine private Seite von Kai Petzke, der an der Technischen Universität Berlin Physik studierte", erläutert Müller. Zusammen gründeten beide im April 1999 die Teltarif.de Onlineverlag GmbH.

Ein Tarif besteht aus 50 bis 100 Einzeltarifen

Ein Tarif besteht aus 50 bis 100 Einzeltarifen

Alle Portale, die die New Economy überstanden haben, stehen heute vor einem unglaublich komplexen Telefonmarkt. Den müssen sie sowohl Anfängern, die lediglich die billigste Möglichkeit für ein Ferngespräch innerhalb Deutschlands suchen, als auch den Profi-Usern nahe bringen.

"Da muss ganz sorgfältig recherchiert werden", erklärt Chip-Chefredakteur Burkert. Für die zahlreichen Tarife sind nach seiner Einschätzung auch komplizierte Datenbanksysteme nicht immer ausreichend: "Das muss man zu Fuß und mit Verstand eingeben."

Anhand des Mobilfunks könnten die Schwierigkeiten besonders gut aufgezeigt werden. "Da gibt es Kombinationen aus Quell- und Zielnetzen, Taktungen, Tageszeiten, speziellen Optionen und Volumentarifen." Ein Mobilfunktarif bestehe aus 50 bis 100 Einzeltarifen.

"Wer da vom deutschen Festnetz aus ein spanisches Handy anruft, sollte vielleicht bei zwei oder drei Portalen vorbeisurfen, um die günstigste Vorwahl zu finden", rät Peter Knaack von der Stiftung Warentest in Berlin. Denn unter den Portalen gibt es - wie unter den Call-by-Call-Anbietern - schwarze Schafe. "Manche ändern ihre Tarife alle paar Stunden - da muss man ganz genau schauen", sagt er.

Vorsicht bei Verträgen

Besonders, wenn Verträge abgeschlossen werden, sollte man Vorsicht walten lassen. "Es ist immer gut, dabei den Marktführer als Messlatte herzunehmen", sagt Chip-Chefredakteur Burkert. Überhaupt biete sich an, direkt auf den Webseiten der Anbieter die Angebote zu überprüfen.

Eine automatisierte Datenerfassung, wie manche Portale sie verstärkt nutzen, sieht Burkert skeptisch. "Es gibt Preise, die werden so hergestellt, dass sie ganz vorn in den Listen landen."

Dabei müssten die Redaktionen den Durchblick behalten und den Nutzern Vor- und Nachteile erklären. "Zum Beispiel gibt es die ganz einfache mathematische Wahrheit, dass man auf die Hälfte aller Gespräche einen halben Takt aufrechnen muss", erklärt Burkert. Dies lasse sich über die Gaussche Normalverteilung errechnen. "Das bedeutet also, dass eine kurze Taktung am Ende günstiger ist."

Verena Wolff, DPA