Apple Intel inside

Gut 20 Jahre hat Apple auf Prozessoren von IBM und Motorola gesetzt, um der mächtigen "Wintel"-Allianz Paroli zu bieten. Damit ist jetzt Schluss. Ab 2006 sollen Intel-Chips die Macs am Laufen halten. Der Wechsel kommt zur Unzeit, denn der iPod-Absatz stagniert. Die Fangemeinde ist entsetzt, Analysten sind skeptisch.

San Francisco - Apple  will ab Mitte 2006 seine Macintosh-Computer mit Prozessoren von Intel  anstelle der bislang genutzten Chips von IBM  ausstatten. Bis Ende 2007 würden schrittweise alle Macintosh-Computer mit den Halbleitern von Intel bestückt, kündigte Apple zudem am Montag an.

"Das ist kein Wechsel, der über Nacht stattfinden wird. Er wird sich ein paar Jahre hinziehen", sagte Apple-Chef und Firmenmitbegründer Steve Jobs. Intel verfüge aber über das stärkste Prozessorenspektrum. Intel-Chef Paul Otellini zeigte sich erfreut über die Zusammenarbeit mit Apple.

Mit Hilfe eines speziellen Werkzeugs (Developer Kit) sollen Softwarehersteller ihre Programme fit machen können, damit sie sowohl auf Rechnern mit IBMs PowerPC-Chips als auch auf Macs mit Intel-Chips laufen können. "Unser Ziel ist es, den Kunden die besten Personal Computer der Welt anzubieten", sagte Jobs. Und Intel habe derzeit den leistungsstärksten Entwicklungsplan für seine Computer-Chips.

Apple-Fans trauern

Die Hauptmotivation für einen Wechsel dürfte bei Apple die größere und bessere Auswahl von Prozessoren sein, sagt Jean-Louis Gassee, Risikokapitalgeber bei Allegis Capital in Palo Alto. Intel bietet vor allem günstigerer Prozessoren an, die zudem auch weniger Hitze produzieren. Damit sei es Apple möglich, künftig noch kleinere und leichtere Laptops herzustellen, sagte Gassee.

Branchenbeobachter sehen seit dem Auftauchen erster Gerüchte vor etwas mehr als drei Wochen in der Partnerschaft mit Intel einen wichtigen Strategiewechsel von Apple. Mit günstigeren Chips könnten Apples Macintosh-Rechner gegenüber Anbietern wie Dell wettbewerbsfähig bleiben. Den Massenmarkt hatte der renommierte Computerbauer und iPod-Hersteller zuletzt mit seinem "Mac mini" adressiert, einem Rechner, den Apple erstmals in der Geschichte des Unternehmens für unter 500 Dollar in den Handel brachte.

Bislang hatte Apple damit geworben, mit den PowerPC-Chips von IBM leistungsfähigere Computer als die Konkurrenz anbieten zu können. In zahlreichen Internet-Foren haben Apple-Liebhaber angesichts der Kooperation mit Intel unterdessen den Abgesang des Macintosh und des Unternehmens Apple angestimmt. "Viele von Apples unverbesserlichen Loyalisten verstehen sich selbst und den Mac als Jedi-Ritter gegen das Reich des Bösen - Microsoft  und Intel", sagte Shaw Wu, Analyst der Amarican Technology Research in San Francisco.

Allerdings soll Apple angeblich bereits seit längerer Zeit eine geheim gehaltene Version des Betriebssystems MacOS X unter Verschluss haben, das auf so genannte x86-Prozessoren von Intel abgestimmt ist.

Dunkle Wolken am iPod-Himmel

Dunkle Wolken am iPod-Himmel

Der Computerpionier IBM hatte seit elf Jahren PowerPC- Prozessoren für Apples Flaggschiff Macintosh geliefert. Nach Informationen des Online-Magazins "Cnet" hatte der Computerbauer in der Vergangenheit immer wieder Lieferprobleme des Technologiekonzerns beklagt.

Für größere Spannungen dürften dem Magazin zufolge auch unterschiedliche Interessen gesorgt haben. So habe sich Apple eine breite Palette von PowerPC-Prozessoren gewünscht, IBM jedoch an der Profitabilität eines solchen Geschäfts mit kleinen Stückzahlen gezweifelt.

Experten sehen jedoch auch für Apple Risiken durch hohe Anpassungskosten in Millionenhöhe. Apple teilte mit, der Konzern rechne damit, dass Microsoft  neue Versionen des Betriebssystems Office für den Mac anbieten werde, die sowohl PowerPC- als auch Intel-Prozessoren unterstützten. Auch sei davon auszugehen, dass Adobe Systems entsprechende Versionen von Creative Suite zur Unterstützung beider Prozessoren anbieten werde.

Nach Erhebungen des Marktforschungsinstituts IDC hatte Apple in den ersten drei Monaten dieses Jahres gegenüber rund 9 Prozent im Jahr 1993 nur noch einen Marktanteil von 2,3 Prozent weltweit erreicht. Trotzdem hat sich Apple Branchenexperten zufolge mit seinem mobilen Musikgerät iPod den Ruf als Trendsetter für Computerdesign und Softwareentwicklung zurückerobert. Entsprechend wäre eine Apple-Entscheidung für Intel ein prestigeträchtiger Kundengewinn für den Chip-Hersteller.

Aber es dräuen auch dunkle Wolken am strahlend-blauen iPod-Himmel. Nach Berichten über große Lagerbestände an iPod-Playern hat der Kurs der Apple-Aktie deutlich nachgegeben. Die Investmentbank Goldman Sachs  hatte erklärt, sie erwarte in diesem Quartal einen eher niedrigen Absatz bei tragbaren Abspielgeräten.

Vorstoß in Japan

Die Web-Site Appleinsider berichtete, Apple sitze auf einem Berg von Playern, darunter vielen Geräten des erst kürzlich vorgestellten Modells iPod Shuffle. Unter Bezug auf namentlich nicht genannte Gewährsleute hieß es, erstmals seit dem Debüt der iPods 2001 sei der Absatz "flach oder rückläufig". Auch bei Computern und anderen Geräten sitze Apple auf großen Lagerbeständen.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass Apple auf dem heiß umkämpften japanischen Markt für Online-Musik vorpreschen will. Wie die japanische Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai Shimbun" am Dienstag berichtete, plant Apple, ab Anfang August seinen Dienst iTunes Music Store zum Herunterladen von Musik in Japan anzubieten.

Mit so einem Vorstoß von Apple würde sich der Wettbewerb in Japan in diesem Wachstumsmarkt weiter verschärfen. Dem Blatt zufolge dürfte Apple mit voraussichtlich 500.000 bis einer Million japanischer und ausländischer Musiktiteln zum größten Anbieter in Japan werden. Hinzu kommt, dass Apple bereits mehr als eine Million iPods in Japan verkauft hat. Auch japanische Elektronikkonzerne wie Toshiba und Matsushita Electric haben ihr Angebot an tragbaren Musikabspielgeräten ausgeweitet.

Für IBM dürfte das Ende der Kooperation mit Apple unterm Strich lediglich eine Sache des Prestiges sein. Der entfallende Umsatz dürfte mit neuen Einsatzgebieten von IBM-Chips leicht wieder wettzumachen sein. Künftig wollen Sony  und Nintendo  den Chip "Cell", eine Gemeinschaftsproduktion von IBM, Toshiba  und Sony, in ihren Spielekonsolen der nächsten Generation nutzen. Auch Microsoft setzt für seine Xbox 360, die am Xbox-Campus in Redmond übrigens auf G5-Rechnern von Apple entwickelt worden ist, auf PowerPC-Prozessoren von IBM.