Sonntag, 25. August 2019

Entscheidung Handypartner für Siemens in Aussicht

Siemens hat offenbar eine Lösung für die Handysparte gefunden. Zeitungsberichten zufolge wird der Konzern in Kürze die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit einem asiatischen Telefonhersteller bekannt geben. Als möglicher Partner gilt die Acer-Ausgründung BenQ.

München - Ein Siemens-Sprecher bestätigte, dass der Aufsichtsrat am Montag eine außerordentliche Telefonkonferenz abhalten wird. "Es geht dabei um das Handygeschäft. Ob etwas zu beschließen und zu veröffentlichen sein wird, dazu können wir uns nicht äußern." Die nächste ordentliche Sitzung des Kontrollgremiums hätte erst Ende Juli stattgefunden.

Neuer Partner scheint gefunden: Siemens-Handy auf dem Cebit-Messestand 2005
Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" schreibt, Siemens werde am Dienstag ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem asiatischen Mobiltelefonhersteller bekannt geben. Namen nannte das Blatt nicht.

Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" hat sich Siemens mit dem taiwanesischen Hersteller BenQ auf eine Partnerschaft für die defizitäre Handysparte geeinigt. Die Taiwaner könnten ihr Gespür für Branchentrends und gute Marktkenntnis einbringen, berichtete die Zeitung am Montag. Derzeit hätten sie einen Marktanteil bei Handys von 4 Prozent. Etwa 60 Prozent des Umsatzes werde mit der Produktion für andere Unternehmen erwirtschaftet. BenQ, eine Ausgründung des Computerherstellers Acer, stellt auch Flachbildschirme und Laptops her.

Handysparte schreibt hohe Verluste

Die Handysparte hatte Siemens in den vergangenen Quartalen Verluste im mittleren dreistelligen Millionenbereich beschert. Allein von Januar bis März fiel ein Fehlbetrag von 138 (Vorjahr plus 13) Millionen Euro an. Das Siemens-Handygeschäft leidet Analysten zufolge vor allem unter zu langen Entwicklungszyklen und hohen Kosten. Im vergangenen Jahr hatten die Münchener stetig Marktanteile eingebüßt. Dem Marktforschungsinstitut Gartner zufolge war Siemens im Auftaktquartal 2005 gerade noch auf 5,5 Prozent nach 8,0 Prozent im Vorjahr gekommen und fiel damit auf Rang sechs hinter Sony Ericsson zurück.

Der Konzern sucht seit Herbst nach einer Lösung und hatte zeitweise auch die Schließung sowie den Verkauf nicht ausgeschlossen. Ende April hatte der seit wenigen Monaten amtierende neue Siemens-Chef Klaus Kleinfeld dann angekündigt, das Segment mit rund 6000 Beschäftigen in Deutschland in eine rechtlich eigenständige Einheit auszugliedern und Partner dafür zu suchen. Bereits damals hatte es geheißen, es sei wahrscheinlich, dass die Münchener dabei die Mehrheit an dem Bereich abgeben. Dennoch werde es weiter Handys unter der Marke Siemens geben, hatte Kleinfeld versprochen.

Seit Monaten schießen die Spekulationen ins Kraut, wer als möglicher Partner von Siemens in Frage kommen könnte. Der südkoreanische Anbieter Samsung Electronics hatte beispielsweise ebenso wie Nortel abgewunken. Auch Motorola, Entwicklungspartner von Siemens im UMTS-Bereich, hatte offiziell ein Interesse verneint. Einem Bericht zufolge sollen beide Unternehmen aber bereits kurz vor einer Einigung gestanden haben.

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