Dienstag, 17. September 2019

Strategiewechsel SAP mutiert zum Dienstleister

Mit dem Service für die eigenen Programme gibt sich SAP nicht mehr zufrieden. Im Zuge der Umstellung auf die neue Softwareplattform Netweaver will der Konzern künftig auch den Support für die Produkte der Konkurrenz übernehmen.

Düsseldorf - Der Softwarekonzern SAP Börsen-Chart zeigen will sein auf die Wartung eigener Programme beschränktes Servicegeschäft neu ausrichten. Innerhalb der kommenden 24 Monate wolle das Unternehmen den Geschäftsbereich zum Dienstleister für andere Softwarehäuser ausbauen, sagte der für den Bereich Globaler Service verantwortliche Vorstand Gerhard Oswald dem "Handelsblatt".

Neue Zielgruppe: SAP will künftig Softwarehäuser statt Endkunden betreuen
Derzeit kümmern sich weltweit 5700 Mitarbeiter um die Wartung der rund 90.000 SAP-Installationen. Dazu gehören zum Beispiel die Einarbeitung gesetzlicher Änderungen, die Pflege von Steuersätzen oder geänderte Bilanzierungsvorschriften.

"Darüber hinaus wird SAP zusätzlich eine breite Palette von Dienstleistungen anbieten, die von der Softwareentwicklung über Testverfahren bis hin zum Kundensupport reicht", beschreibt Oswald die neue Servicestrategie. Zielgruppe des Unternehmens sind nicht mehr nur Endkunden, sondern Softwarehäuser, die Anwendungsprogramme für die neue Softwaretechnologie herstellen. "Denn SAP selbst wird nur eines von vielen Softwarehäusern sein, das Anwendungen für unsere neue Plattform anbietet", prognostiziert Oswald.

Der Softwarekonzern stellt derzeit seine gesamte Produktpalette auf eine neue Softwarearchitektur (Enterprise Service Architecture) um, in deren Entwicklung die Walldorfer mehrere Milliarden Euro investieren. Auf der Plattform namens Netweaver können Unternehmen die Anwendungen verschiedener Softwarehäuser künftig integrieren.

"Vor allem für kleinere Softwareanbieter, die spezielle Lösungen offerieren, bietet sich eine Kooperation mit SAP an, da sie oft nicht über entsprechende Ressourcen verfügen, eine eigene Plattform für ihre Kunden zu entwickeln", sagte SAP-Sprecher Markus Berner gegenüber manager-magazin.de. Die Unternehmen forderten aber immer öfter eine webbasierten Architektur, von der aus sie ihre Programme verwalten können.

SAP will mit Netweaver die Zahl seiner potenziellen Kunden erhöhen. Bisher erreicht das Unternehmen mit seinen Produkten nach eigenen Angaben etwa 50 Prozent des 60 Milliarden Dollar großen Marktes. Durch die neue Plattform könne dieser Anteil auf bis zu 75 Prozent steigen.

Denn während SAP im vergangenen Jahr über einen Marktanteil von 20 Prozent verfügte, teilen sich die kleinen und mittleren Softwarehäuser 64 Prozent der Unternehmenskunden. Für den Konzern liegt in der Zusammenarbeit mit den kleineren Anbietern also ein enormes Potenzial.

"Die Ausweitung des Servicegeschäfts ist eine logische Konsequenz der Plattform-Einführung", sagte Berner. Denn eine Erweiterung des Produktportfolios bringe auch einen Ausbau des entsprechenden Supports mit sich.

Vor allem Microsoft wird der SAP-Vorstoß ein Dorn im Auge sein. Der US-Konzern verfolgt mit seiner Plattform .Net eine ähnliche Strategie: Die eigene Software auf der eigenen webbasierten Plattform zu integrieren.

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