Mobilfunkdiscounter Der Preiskrieg ist eröffnet

Mit seiner Tochter Simyo steigt der Mobilfunkbetreiber E-Plus in das Discountgeschäft ein. Mit ausschließlich via Web erhältlichen Billigkarten will das Unternehmen die Kosten niedrig halten. Experten erwarten, dass es unter den deutschen Anbietern zu einem Preiskampf kommt, die Tarife könnten um bis zu 20 Prozent sinken.

Hamburg/Düsseldorf - Service, subventionierte Handys, 24-Stunden-Hotline oder Filialen gibt es bei Simyo nicht. Der neue Discounter setzt allein auf den Preis. Gespräche kosten 0,19 Euro je Minute, für alle Anrufe innerhalb Deutschlands. Für eine SMS berechnet Simyo 0,14 Euro.

Die Prepaid-Karten des Mobilfunk-Billigheimers sind ausschließlich über das Internet erhältlich. E-Plus-Chef Uwe Bergheim erklärte bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf, das Simyo-Modell sei vergleichbar mit dem Prinzip der so genannten No-Frills-Anbieter im Airline-Markt. Der Kunde verzichte auf Extras, dafür fliege er zum Sparpreis.

Als erster deutscher Mobilfunkanbieter folgt E-Plus damit dem Vorbild von Anbietern wie Easymobile (Großbritannien) und Telmore (Dänemark). Diese verkaufen ihre Simkarten ohne Schnickschnack zu Tarifen, die deutlich unter denen etablierter Anbieter wie Vodafone oder TDC liegen liegen. In Dänemark hat der Siegeszug der Handy-Discounter die Preise des gesamten Marktes deutlich gedrückt. Bereits sechs Monate nach Telmores Debüt fiel der durchschnittliche Minutentarif von 17 auf neun Cent, hat die Kopenhagener Beratungsfirma Strand Consult errechnet. Inzwischen haben Discounter in Dänemark 23 Prozent Marktanteil, bei SMS sind es sogar 30 Prozent.

Gesätigter Markt, ruinöser Preiskampf

Auf dem gesättigten deutschen Mobilfunkmarkt dürfte es eine ähnliche Entwicklung geben. Simyo-Chef Rudolf Hansen erklärte, er sehe deutschlandweit ein Potenzial von 15 Millionen Discountkunden.

Simyo wird von einer eigenständigen Gesellschaft vertrieben, an der E-Plus mit 90 Prozent beteiligt ist. Die restlichen Anteile werden vom Simyo-Management gehalten. Das Unternehmen beschäftigt knapp 30 Mitarbeiter und hat seinen Sitz in Düsseldorf.

Monatelang hatten sich die vier deutschen Netzanbieter (T-Mobile, Vodafone, E-Plus, O2) nur misstrauisch beäugt. Durch E-Plus' Vorpreschen geraten die Konkurrenten nun unter Druck. Vodafone  hat in der Vergangenheit bereits ein eigenes Discount-Angebot erwogen und könnte bald nachziehen. T-Mobile arbeitet in Großbritannien bereits mit dem Anbieter Easymobile zusammen. Insofern wäre denkbar, dass der deutsche Marktführer auch hierzulande mit der Londoner Firma kooperiert. Easymobile hat bereits angekündigt, auch in Deutschland an den Start gehen zu wollen.

Beobachter befürchten, dass Deutschland ein ruinöser Preiswettbewerb bevorsteht. Zum einen könnten zahlreiche Vertragskunden, die bereits ein Handy besitzen, zu den Billigheimern wechseln. Zum anderen dürften mittelfristig auch die Vertragstarife sinken. E-Plus will Simyo-Kunden vor allem bei den Konkurrenten einsammeln.

Die Anbieter im Überblick

Die Anbieter im Überblick

An eine Kannibalisierung der eigenen Premiummarke glaubt das Unternehmen nicht. "Wir haben mehr zu gewinnen als zu verlieren", sagte Bergheim. Mit 72 Millionen Mobilfunkkunden seien die Boomjahre in Deutschland vorbei, begründete Bergheim den Start der Billigmarke. "Der Markt ist reif für eine Segmentierung."

In mehreren europäischen Ländern versuchen Preisbrecher den Mobilfunkmarkt aufzurollen. Der erfolgreichste der sogenannten virtuellen Netzbetreiber (MVNO) ist das dänische Unternehmen Telmore, das inzwischen vom Netzbetreiber TDC übernommen wurde.

Telmores Gründer Frank Rasmussen ist inzwischen Chef von Easymobile, einem Joint Venture des Easyjet-Gründers Stelios Haji-Ioannou und TDC. Das Unternehmen will in zwölf europäischen Ländern einen Discount-Service anbieten.

In Österreich ist kürzlich mit Yesss! ein weiterer Billigstanbieter an den Markt gegangen.

Der deutsche MVNO Tchibo ist kein richtiger Discounter. Das Unternehmen hat mit 35 Cent deutlich höhere Minutenpreise als die ausländische Konkurrenz. In Kürze will das Joint Venture von Tchibo und O2 jedoch ein billigeres Sim-Karten-Angebot starten.

Thomas Hillenbrand

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