Handymarkt Siemens verliert den Anschluss

Der Technologiekonzern Siemens kann mit der Dynamik auf dem internationalen Mobiltelefonmarkt nicht mehr mithalten. Während der weltweite Handyabsatz sogar stärker als bisher angenommen wächst, muss das deutsche Unternehmen immer mehr Marktanteile an Nokia, Motorola und Samsung abgeben.

München - Das Marktforschungsinstitut Gartner geht für 2005 von einem höheren Mobiltelefon-Absatz auf dem Weltmarkt aus als bislang angenommen. Gleichzeitig verstärkt sich nach Einschätzung des Instituts aber der Preiskampf in der Branche.

Für das laufende Jahr werde nun ein weltweiter Handyabsatz von knapp 750 Millionen Stück erwartet, teilte Gartner mit. Bislang war das Unternehmen von einem Absatz von 720 Millionen Handys ausgegangen.

Im ersten Quartal legte der weltweite Mobiltelefon-Absatz nach den Daten zufolge um 17 Prozent auf 180,6 Millionen Stück zu. Marktführer Nokia  baute seinen Marktanteil demnach auf 30,4 Prozent von 28,8 Prozent im Vorjahr aus.

Dagegen sank der Marktanteil des Münchener Siemens-Konzerns  auf 5,5 Prozent, den niedrigsten Wert seit 1999. Siemens sucht derzeit nach Partnern für seine Handysparte, die zuletzt hohe Verluste verbuchte.

Siemens zeigte sich von der Entwicklung wenig überrascht. "Der Handlungsbedarf ist uns klar", sagte Siemens-Communications-Sprecherin Lesley Nicol. Immerhin habe Siemens die Verluste der Handysparte in den vergangenen beiden Quartalen trotz sinkender Stückzahlen verringert.

Steigender Absatz, sinkende Margen

Im vergangenen Jahr waren weltweit rund 674 Millionen Handys verkauft worden. Gartner-Analyst Ben Wood sagte, es würden derzeit zwar mehr Mobiltelefone verkauft als angenommen, aber die Gewinnmargen sinken. Verbraucher in Schwellenländern fragten billige Handys nach und der Wettbewerb in den stärker entwickelten Märkten halte auch dort die Preise niedrig.

"Kleinere Hersteller werden den Druck spüren, und viele von ihnen kämpfen bereits darum, profitabel zu bleiben", sagte Wood. Das Marktforschungsunternehmen geht davon aus, dass einige der kleineren Hersteller übernommen werden. "Und einige werden entscheiden, den Mobiltelefonmarkt komplett zu verlassen."

Siemens hatte zuletzt im Handymarkt erheblich an Boden verloren und die Position des viertgrößten Herstellers eingebüßt. Marktführer Nokia profitierte im ersten Quartal nach Gartner-Angaben dagegen von einer guten Entwicklung auf den asiatischen Märkten, wodurch der Marktanteil im Vergleich zum Vorjahr trotz schwächerer Geschäfte in den USA anstieg. Der Marktanteil von Nokia im ersten Quartal fiel aber geringer aus als im Schlussquartal des vergangenen Jahres, als das finnische Unternehmen auf 33 Prozent kam.

Die Marktanteile der härtesten Rivalen von Nokia, Motorola  und Samsung , legten im ersten Quartal ebenfalls leicht auf 16,8 beziehungsweise 13,3 Prozent zu. Der koreanische Hersteller LG kam auf 6,2 Prozent.