Universalfernbedienungen Möge die Macht mit dir sein

Wer einen unterhaltungselektronischen Technikpark sein Eigen nennt, hat gut ein Dutzend Fernbedienungen. Fehlgriffe führen dann dazu, dass statt des Fernsehers der CD-Spieler dröhnt oder schlimmstenfalls die ganze Programmierung gelöscht wird. Universalfernbedienungen bieten Rettung in der Not, haben aber auch ihre Tücken.

Berlin - Bier und Erdnüsse stehen bereit, die DVD ist eingelegt, ein Druck auf den "Wiedergabe"-Knopf der Fernbedienung - und schon springt die Stereoanlage an.

Wer mehr Geräte als nur einen Fernseher im Wohnzimmer stehen und entsprechend auch mehrere Fernbedienungen vor sich liegen hat, greift fast unweigerlich hin und wieder zur falschen. Eine Universalfernbedienung für den kompletten Technik-Park kann dann hilfreich sein. Diese aber zum reibungslosen Funktionieren zu bringen, ist nicht immer ganz einfach.

"Universal ist ein dehnbarer Begriff", sagt Alexander Walz von der Zeitschrift "Video". Im Zusammenhang mit einer Fernbedienung bedeutet er, dass diese eines, drei, vier, oder auch zehn Elektrogeräte steuern kann. "Vier sollten es schon sein", empfiehlt Walz - es sei denn, es soll lediglich eine defekte Original-Bedienung ersetzt werden: "Wenn sie bei einem Markengerät Ersatz brauchen, ist das teuer", sagt Peter Knaak von der Stiftung Warentest in Berlin. Eine einfache Universalbedienung gibt es dagegen schon für weniger als zehn Euro, häufig in Discount-Märkten.

Je mehr Codes, desto besser

Wer konsequent für Ordnung auf dem Wohnzimmertisch sorgen und mit Hilfe der Universalfernbedienung alle angeschlossenen Geräte steuern will, sollte ein wenig mehr investieren. Denn je hochwertiger die "Machtzentrale", desto größer ist die Chance, dass sie tatsächlich zur verlässlichen Kommandozentrale wird. "Etwa 30 bis 40 Euro sollte man bei einem größeren Gerätepark investieren", sagt Walz.

Bei einer Universalfernbedienung in dieser Preisklasse ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass alle Gerätetypen, die damit bedient werden sollen, auch unterstützt werden. Dies ist nach Walz' Worten nicht immer garantiert: "Es gibt Universalfernbedienungen, die zum Beispiel Sat-Receiver nicht unterstützen."

Von der Gerätefrage abgesehen, ist es entscheidend, wie viele der meist aus mehreren Zahlen bestehenden Codes die Bedienung erkennen kann. Die Codes bezeichnen je ein bestimmtes Gerät eines bestimmten Herstellers, wie Knaak erklärt. Erkennt die Bedienung den Code eines Gerätes nicht, lässt es sich damit auch nicht bedienen.

Auf die Lernfähigkeit kommt es an

Auf die Lernfähigkeit kommt es an

"Beim Kauf der Fernbedienung bekommen Sie eine Anleitung dazu, in der die Codes stehen", sagt Thomas Knodt vom Hersteller One For All in Gronau (Nordrhein-Westfalen). Je besser das Gerät, desto länger ist die Code-Liste und desto größer die Chance, dass es zum Beispiel auch mit Geräten weniger bekannter Marken zurecht kommt.

Sinnvoll ist es laut Peter Knaak, wenn die Universalfernbedienung "lernfähig" ist und nachprogrammiert werden kann - zum Beispiel mit dem Code eines neu auf den Markt gekommenen Geräts, der nicht in der Bedienungsanleitung steht. "Eine bequeme Art, die manche Hersteller ermöglichen, ist das Nachladen über das Internet."

Teilweise funktioniert es auch per Telefon über eine Hotline des Herstellers. Langwieriger ist das Nachprogrammieren mit Hilfe der Originalfernbedienung - weil dabei häufig jede einzelne Funktion übertragen werden muss. "Dafür werden die zwei Fernbedienungen so aneinandergehalten, dass sich die Infrarotpunkte angucken", erklärt Peter Knaak von der Stiftung Warentest.

"Lernfähig" ist etwa das Modell "Viv.Control 6". "Es kann mit Hilfe der Originalbedienung mit einzelnen Funktionen von bis zu sechs Geräten programmiert werden", sagt Bernd Rennekamp von Vivanco in Ahrensburg (Schleswig-Holstein). Unterstützt werden Fernseh-, Sat-, Video- und Audiogeräte. Eine spezielle Tastenbeleuchtung soll es dem Nutzer leichter machen zu erkennen, welches Gerät er gerade bedient.

Die "Viv.Control 6" kostet im Handel knapp 36 Euro. Deutlich teurer sind die Stücke der "Harmony"-Serie von Logitech aus Germering bei München: Die "Harmony 655" zum Beispiel kostet knapp 180 Euro. Sie ermöglicht das Bedienen von bis zu 15 Geräten und soll sich durch zusätzliche Tasten vor allem für Besitzer von digitalen Videogeräten und von Satellitenempfängern eignen.

Mit "virtuellen" Tasten werden die Universalfernbedienungen der Serie "Kameleon" von One For All bedient. "Es sind immer nur die Knöpfe des Geräts zu sehen, das gerade genutzt wird", sagt Knoth. Möglich macht dies ein so genanntes Elektrolumineszenz-Display, das ähnlich wie ein Touchscreen funktioniert. Auf dem Top-Modell der Serie für 149 Euro lassen sich die Funktionen von bis zu zehn Geräten speichern.

Grundsätzlich halten Experten wie Alexander Walz und Peter Knaak Universalfernbedienungen für hilfreich. Über etwas "Spürsinn" sollten die Nutzer dennoch verfügen, wie Walz erläutert: "Das Einstellen der Codes kann eine langwierige Aufgabe sein." Manchmal sind in der Bedienungsanleitung für ein bestimmtes Gerät mehrere Zahlenreihen angegeben, die dann notfalls durchprobiert werden müssen.

Laut Knaak sind zudem gerade an sehr preisgünstigen Modellen die Tasten oft ungünstig strukturiert. "Im Halbdunkel findet man deshalb nicht immer die richtigen." Walz weist darauf hin, dass die Bedienung wegen der oft mehrfachen Tastenbelegungen manchmal regelrecht geübt werden muss. In Einzelfällen lassen sich bestimmte Funktionen eines Geräts auch überhaupt nicht ausführen. "Die Originalbedienung sollte deshalb auf keinen Fall weggeworfen werden."

Florian Oertel, dpa