PDAs Minicomputer für jeden Geschmack

Pocket-PCs gibt es für jeden Anspruch und jeden Geldbeutel. Die Westentaschenorganizer sind mit Bluetooth, W-Lan-Schnittstelle oder als Handy-Hybride zu haben, man kann E-Mails checken, fotografieren oder im Web surfen. Spartanische Elektro-Notizbücher kosten weniger als 100 Euro, Luxusmodelle schrammen an der 1000-Euro-Marke.

Berlin - Handhelds sind vielseitig: Beim Warten auf den Flug die E-Mails checken, eine kurze Notiz verfassen, Musik hören oder Office-Dokumente darstellen - das alles können die Minirechner.

"Handhelds sind mittlerweile ebenso mit Technik voll gestopft wie Handys", sagt Christine Tantschinez von der IT-Zeitschrift "Connect". Um jedoch eine vernünftige Kaufentscheidung treffen zu können, muss der Verbraucher klären, welche Funktionen er tatsächlich benötigt.

Jede zusätzliche Funktion schlägt sich im Kaufpreis der auch PDA (Personal Digital Assistant) genannten Geräte nieder. Zudem fressen Funktionen wie W-Lan oder Bluetooth unnötig viel Strom, wenn sie nicht benötigt werden. Sie lassen sich jedoch bei Nicht-Bedarf ausschalten. Den Preis kann man so freilich nicht drücken.

Kamera inklusive: Palmone Zire 72s

Kamera inklusive: Palmone Zire 72s

Internetfähig: Dell Axim X30 Wireless

Internetfähig: Dell Axim X30 Wireless

Läuft unter Windows: Hewlett-Packard IPAQ H5550 Handheld PDA Pocket PC

Läuft unter Windows: Hewlett-Packard IPAQ H5550 Handheld PDA Pocket PC


Aktuelle PDA-Modelle
Bitte klicken Sie auf ein Bild,
um zur Großansicht zu gelangen.

"Grundsätzlich kann jeder einen Handheld gebrauchen, der sich organisieren muss", sagt Peter Knaak, Computerexperte der Stiftung Warentest in Berlin. Zum Beispiel erinnert das Gerät seinen Nutzer frühzeitig an einen Termin - sofern dieser zuvor eingetragen worden ist. "Und Adressen lassen sich hier ohne Schmiererei aktualisieren."

Um Termine zu verwalten, genügen ein Gerät für 99 Euro sowie eine zusätzliche Speicherkarte, sagt Volkan Weißenberg, Produktmanager Mobile Computing bei Acer in Ahrensburg bei Hamburg. Wer Office-Dateien auf dem Handheld betrachten und bearbeiten will, benötigt dagegen mehr Speicher und ein besseres Display. Für ein entsprechendes Modell werden dann mindestens 200 Euro fällig. Mittlerweile gibt es sogar PDAs mit eingebauter Kamera wie das Zire 72s von Palm, das rund 270 Euro kostet. Die teuersten Handhelds liegen derzeit bei rund 750 Euro.

Für den drahtlosen Datenabgleich mit Handys, dem PC oder anderen Handhelds sind PDAs oft mit einer Bluetooth-Schnittstelle ausgestattet. Um drahtlos ins Internet zu gelangen, ist dagegen der Einsatz von W-Lan sinnvoll. Bei W-Lan sollte auf eine WPA-Verschlüsselung geachtet werden.

Mit dem n50 hat Acer erst kürzlich einen PDA mit W-Lan-Funktion auf den Markt gebracht. Mit einem Preis von 300 Euro liegt das Gerät im Vergleich zu Konkurrenzmodellen niedrig. Ähnliche Geräte gibt es zum Beispiel von Dell  (Axim X30 624), Fujitsu Siemens (Pocket Loox 610 BT/WLAN) oder Hewlett-Packard  (iPAQ H5550).

Microsoft oder Palm?

Microsoft oder Palm?

Handhelds lassen sich je nach dem verwendeten Betriebssystem in zwei Lager einteilen: Palm OS und Windows Mobile, oft auch Pocket PC genannt. Letztere ist die auf Microsoft  basierende Variante, sie hat vor allem den Vorteil, dass PC-Benutzer hier Windows wiedererkennen. Zum Beispiel finden sich hier die Programme Pocket Word und Pocket Excel. Dafür ist Palm OS ein schlankes und leicht zu bedienendes System. Tantschinez hebt die gute Erkennung handschriftlicher Notizen hervor.

Die Größe des eingebauten Speichers spielt bei Handhelds eine immer wichtigere Rolle. "Die Programme werden anspruchsvoller und benötigen mehr Speicher", erläutert Tantschinez. Es sollten deshalb mindestens 64 Megabyte RAM vorhanden sein.

Da sich viele PDAs mittlerweile auch dazu eignen, mal einen Film abzuspielen oder digitale Fotos darzustellen, ist ein Steckplatz für herausnehmbare Speicherkarten wichtig, da der interne Speicher dafür in der Regel zu klein ist. Gängig sind SD- und MMC-Karten. Gut wäre auch die Kompatibilität zu Compact-Flash-Karten, die vergleichsweise günstig sind. Das Ansehen von Videoclips ist zwar möglich, geht aber nach Ansicht von Peter Knaak in Richtung Spielerei.

Ein weiteres Kriterium ist die Akkulaufzeit. Natürlich gilt hier: je länger, desto besser. Es sollten jedoch mindestens sieben Stunden sein, so dass das Gerät gut einen Arbeitstag mit Pausen durchhält. Weil Daten, die sich gerade im flüchtigen Arbeitsspeicher befinden, verloren gehen, wenn der Akku wegen Energiemangels die Arbeit einstellt, ist eine Funktion wie das Backup Restore sinnvoll: Dadurch werden Daten bei schwachem Akku automatisch auf die eingelegte Speicherkarte gespeichert. Eine Pufferbatterie erlaubt zudem den "fliegenden" Austausch des Akkus, ohne dass Daten verloren gehen.

"Man sollte sich vor dem Kauf auch unbedingt das Display ansehen", rät Knaak. Hier gebe es erhebliche Unterschiede, und auf die Angaben der Hersteller bezüglich der Qualität sei kein Verlass. Es ist außerdem ratsam, die Bedienung des Gerätes auszuprobieren. "Um herauszufinden, ob das Gerät zu mir passt, muss ich sehen, wie der Zugriff auf die Daten funktioniert", sagt Wolfgang Weiß, Marketingmanager Zentraleuropa beim Hersteller Palm.

Wer zwar einen Handheld haben will, aber absolut nicht weiß, welches Gerät es sein soll, der sollte sich nach Ansicht von Peter Knaak ein preisgünstiges Einstiegsmodell kaufen. Als Organizer erfüllen diese Geräte ihren Zweck allemal. "Und wenn man das Gerät ausgiebig ausprobiert, findet man mit der Zeit heraus, wo die eigenen Bedürfnisse liegen."

Sven Appel, dpa