Microsoft IE 7 "Die Entscheidung war falsch"

Bei Excel gehört es längst zum Standard, bei seinem Browser tut sich Microsoft dagegen schwer. Erst bei der siebten Version des Internet Explorers hat der Anwender die Möglichkeit, mehrere Websites in einem Fenster zu öffnen. Opera und Firefox bieten diese Funktion des Tabbed Browsings schon seit langem.

Hamburg - Für Jürgen Gallmann, Deutschlandchef von Microsoft , gibt es in Sachen Browser nichts Besseres als den Internet Explorer. Die Open-Source-Alternative Firefox begeistere ihn nicht, sagt er.

Die Programmierer bei Microsoft scheinen hingegen Gefallen an dem Gratisbrowser gefunden zu haben. Zumindest wollen sie die Funktion des Tabbed Browsing in den neuen Explorer übernehmen und so das gleichzeitige Öffnen mehrerer Websites in einem Browserfenster erlauben. Bislang beherrschen nur Alternativbrowser die Tab-Technik - neben Firefox auch dessen Vorgänger Mozilla sowie Opera, Safari für Mac OS und Konqueror für Linux.

"Generell gesehen, halte ich Tabs für eine großartige Idee", schreibt Dean Hachamovitch in seinem Blog. Hachamovitch arbeitet bei Microsoft als Produktmanager für den Internet Explorer (MSIE). Die Version 7 des MSIE werde über eine Tab-Funktion verfügen, kündigt er an. Bislang kann das Tabbed Browsing nur über Plugins von Drittanbietern im MSIE nachgerüstet werden.

Erstaunlich offen gibt Hachamovitch in der Vergangenheit gemachte Strategiefehler zu. "Einige Leute haben uns gefragt, warum wir Tabs nicht schon viel früher eingeführt haben." Als Begründung führt er an, dass es Bedenken wegen der Komplexität der Funktion gegeben habe.

Bei Microsoft befürchtete man, die User mehr durcheinander zu bringen als ihnen zu helfen, schreibt Hachamovitch. Tabs seien in der Windows-Welt sonst nicht zu finden, abgesehen von Excel. "Ich denke, wir haben damals eine falsche Entscheidung getroffen." Jetzt wolle man dies gerade rücken.

Hachamovitch bekennt sich als echter Fan von Tabs. In den 90er Jahren, als er selbst noch in der Office-Entwicklung arbeitete, habe man sogar kurzzeitig erwogen, Word mit einer Tab-Funktion auszustatten. Doch der Plan wurde nicht umgesetzt. Nur Excel verfügt über die von Hängeregistern abgeschaute Technik, mit der man schnell zwischen den einzelnen Arbeitsblättern einer Mappe hin- und herspringen kann.

Microsoft kämpft um seine Marktanteile

Microsoft kämpft um seine Marktanteile

Tatsächlich wäre eine Tab-Funktion für Word eine praktische Sache. Ähnlich wie Browserfenster haben auch geöffnete Word-Dateien die Unart, den Desktop bis zur Unkenntlichkeit zuzupflastern. Wer regelmäßig vier, fünf oder mehr Texte parallel bearbeitet, könnte mehr Übersicht dringend gebrauchen.

Tabbed Browsing hat jedoch nicht nur Vorteile. Schon mehrfach sind Sicherheitslücken aufgetaucht, die entweder nur Firefox und Mozilla oder sogar Tabbed Browsing generell betrafen. So konnte der Security Manager der Mozilla-Engine durch das Ziehen eines Javascript-Links auf ein Tab umgangen werden - der Fehler wurde schnell korrigiert.

Dass Microsoft den MSIE schnellstmöglich sicherer machen und benutzerfreundlicher gestalten muss, liegt auf der Hand. Der Marktanteil des Explorers ist in den vergangenen Monaten stetig gesunken und liegt aktuell bei nur noch 63 Prozent.

Firefox hat inzwischen 30 Prozent erreicht. Opera kommt im aktuellen Ranking auf knapp 3 Prozent. Der tatsächliche Anteil von Opera dürfte noch etwas größer sein, denn der Browser gibt sich vorzugsweise als Internet Explorer aus, tarnt sich aber auch als Browser anderer Marken.

Vor allem der überraschende Erfolg von Firefox dürfte Microsoft dazu bewogen haben, das Erscheinen von MSIE7 vorzuziehen. Ursprünglich sollte der neue Browser als Teil von Longhorn auf den Markt kommen, dem Windows-XP-Nachfolger. Longhorn soll 2006 fertig sein. Doch nun wird MSIE7 noch in diesem Jahr herausgebracht - allerdings ausschließlich für Windows XP.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.