Mobilfunkmarkt Neue Dienste statt bekannter Bilder

Auch wenn Anbieter wie Arcor oder Vodafone ihre Kunden gern vom Gegenteil überzeugen wollen - Videotelefonie hat nach Ansicht von Experten kaum eine Zukunft. Stattdessen sollten die Mobilfunkanbieter auf On-Demand-Services oder „intelligente Cyberfreunde“ setzen.

Seoul - Videotelefonie ist keine "Killer-Anwendung", die Mobilfunkbetreibern scharenweise neue Kunden zutreiben wird. Individuell zugeschnittene Datendienste hätten dagegen ein großes Potenzial. Dies war die einhellige Meinung von Experten auf dem World-ICT-Summit-Kongress.

"Meine Frau sieht mich seit Jahren jeden Tag. Warum sollte sie mich auch noch sehen wollen, wenn sie mich im Büro anruft?", fragte der Vizepräsident der Strategy and Planning Group des südkoreanischen Mobilfunkbetreibers SK Telecom, Shin Cho. Sein Unternehmen will im laufenden Jahr eine Milliarde Dollar in die Aufrüstung seiner Netze investieren und mehr als 200.000 Neukunden gewinnen.

Nur noch ein Drittel des Umsatzes von SK Telecom im Bereich Datendienste werde noch mit SMS erwirtschaftet, sagte Vizepräsident Cho. Der Rest komme durch Angebote wie Video on Demand oder Music on Demand zu Stande, die weit über das Herunterladen von Klingeltönen oder Zeichentrickfiguren hinausgingen. Das Unternehmen hat knapp 20 Millionen Mobilfunkkunden.

Der Direktor der UMTS Group von Nortel Networks , Gerry Collins, sieht die Zukunft in individuell zugeschnittenen Datendiensten. Dazu rechnet er den Austausch von Fotos, Videos und anderen Dateien mit Freunden und Bekannten.

"Die Leute wollen miteinander kommunizieren. Hier liegt das Wachstumspotenzial", sagte Collins. Hinzu kämen auf die persönlichen Interessen zugeschnittene Video- und Musikangebote wie etwa die letzte Folge der Lieblingsserie, die man leider verpasst hat.

SK Telecom beispielsweise will in der zweiten Jahreshälfte den "1mm Expert Agent" auf den Markt bringen, einen "intelligenten Cyberfreund". "Wenn ich schon länger nicht mehr mit meiner Mutter telefoniert habe, wird er mich zum Beispiel fragen, ob ich sie nicht einmal anrufen will, erklärt Cho." Die Software könne einen auch nach dem Befinden fragen und bei schlechter Laune einen Kinobesuch vorschlagen. Die Verbindung zur Website mit dem Kinoprogramm lasse sich dann schnell herstellen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.