Anonym surfen Gut getarnt durchs Web

Wer im Internet surft, hinterlässt Spuren. Theoretisch kann jeder Zugriff auf jede Webseite vom heimischen PC auf Monate hinaus nachverfolgt werden. Nutzer, denen es bei diesem Ausmaß an Transparenz gruselt, können sich eine virtuelle Tarnkappe zulegen und so ihre digitale Fährte verwischen.

Berlin - Surfer hinterlassen im Internet Datenspuren - und die sind tief. Kaum denkbar in der realen Welt, dass die Kassiererin im Supermarkt den Personalausweis verlangt oder Spaziergänger ein Schild mit ihrer Hausanschrift um den Hals tragen müssen.

In der virtuellen Welt dagegen ist vieles anders. Die Technik eröffnet neue Möglichkeiten, genaue Profile über Einkäufe, besuchte Webseiten, Beziehungen zu anderen Surfern oder Verhaltensmuster zu erstellen. Obwohl mehr als die Hälfte aller Bundesbürger mittlerweile ins Internet geht, gibt es so etwas wie Anonymität in der Masse nicht.

Einige Informationen geben Nutzer freiwillig preis, von anderen ahnen sie oft nichts. Zunächst gibt es die IP-Adresse. Sie identifiziert jeden mit dem Internet verbundenden Computer. Bei der Einwahl ins Internet bekommt der Computer vom Zugangsprovider eine zufällige IP-Adresse zugeteilt. Beim Surfen speichert der Internet-Server, auf dem eine Webseite liegt, diese Adresse. Da diese jedesmal anders lautet, können potenzielle Lauscher allerdings den Nutzer nur schwer identifizieren. Allein der Zugangsprovider weiß um die Zuordnung zwischen dem Nutzer und der in einem Zeitraum vergebenen IP-Adresse.

Verräterische Cookies

Nach derzeitigem Recht müssen Telekommunikationsanbieter solche Daten nach Beendigung der Verbindung löschen. Allerdings forderte Bundesinnenminister Schily am Rande der Computermesse Cebit 2005 bereits längere Aufbewahrungsfristen ein. Was der Verbrechensaufklärung dienen soll, wird von Datenschützern als Verletzung des informationellen Selbstbestimmungsrechts kritisiert.

Neben der IP-Adresse gibt es auch Daten, die auf dem Computer selbst gespeichert werden, im Internetbrowser, im Verzeichnis für temporäre Dateien oder als Cookie. Cookies sind Einträge in eine Datei namens "Cookies.txt", die von den besuchten Webseiten stammen und beim nächsten Besuch wieder an diese übermittelt werden. Hier werden Verhaltensmuster von Internetnutzern aufgezeichnet - mitunter zeitlich unbegrenzt. Die Webseite, die den Cookie anlegte, kann so gezielt Werbung einblenden.

Wie man seine Spuren verwischt

Wie man seine Spuren verwischt

Eine eindeutige Zuordnung zu einer existierenden Person ist jedoch erst möglich, wenn solche Cookie-Informationen mit anderen Datensätzen verknüpft werden, die Namen, Adressen und weitere Informationen umfassen. Das ist der Job von spezialisierten Datensammlern, die in letzter Zeit durch spektakuläre Datenlecks in die Schlagzeilen gerieten.

Internet-Surfer können den Datenschutz aber selbst in die Hand nehmen. Neben der behutsamen Preisgabe von persönlichen Informationen lassen sich Spuren im Internet mit geringem technischen Aufwand verwischen. Eine kommerzielle Schutzsoftware stammt von Steganos und heißt "Internet Anonym 7". Per Mausklick surft der Nutzer damit völlig anonym im Internet. Das Programm integriert sich in den Internet-Explorer und stoppt nebenbei auch nervige Pop-Up-Werbeeinblendungen. In der Pro-Version können auch Surf- und Arbeitsspuren, die der Browser speichert, gelöscht werden.

Das von der Universität Regensburg und der TU Dresden betreute Projekt "AN.ON - Anonymität Online" bietet das kostenlose Open-Source-Programm JAP. JAP schützt vor Bespitzelung des Surfverhaltens durch Dritte, in dem es jede Anfrage des Internetsurfers, also jedes Aufrufen einer Webseite, über den AN.ON-Webserver verschickt.

Mehrere "Anonymisier-Stationen" im In- und Ausland sammeln zuvor die Nachrichtenpakete der Nutzer, verschlüsseln, sortieren und leiten sie weiter. In der Regel surfen bei AN.ON 2000 bis 3000 Nutzer gleichzeitig, so dass selbst für den Betreiber des Dienstes der Einzelne in der Anonymität der Masse verschwindet. Die Kontrolle darüber, wer was von einem weiß, bleibt so bei einem selbst.