Siemens Netzwerker für das britische Empire

Zwei Jahre haben die Verhandlungen mit Zulieferern gedauert. Jetzt hat sich der britische Telekomkonzern BT Group für acht Unternehmen entschieden, die das Netzwerk des Anbieters modernisieren sollen. Auch Siemens ist an dem rund 15 Milliarden Euro teuren Projekt beteiligt.

London - Die zehn Milliarden Pfund (14,7 Milliarden Euro) schwere Netzwerkmodernisierung des britischen Telekommunikationskonzerns BT Group  teilen sich acht Großunternehmen. Wie BT am Donnerstag mitteilte, sollen unter anderem der deutsche Siemens-Konzern , der weltgrößte Netzwerkausrüster Cisco Systems  und der französische Telekomausrüster Alcatel  das neue Netz fit für Daten- und Videodienste machen.

Fujitsu  und Huawei Technologies aus China sollen die Kompatibilität des neuen mit dem alten Netzwerk sicherstellen. Mit von der Partie sind auch Lucent Technologies , Ciena  und Ericsson . Noch sind die Verträge allerdings nicht unterschrieben, die Verhandlungen sollen aber bis zum Sommer dieses Jahres abgeschlossen sein.

Die acht Unternehmen sind für das so genannte "21st Century Network" nach rund zweijährigen Verhandlungen mit mehr als 300 Firmen ausgewählt worden. An dem Projekt werden sich aber auch zahlreiche kleinere Firmen als Subunternehmer beteiligen.

Während der fünfjährigen Modernisierungsphase soll das Netz des ehemaligen Staatsunternehmens komplett auf das Internetprotokoll umgestellt werden. Damit folgt BT dem derzeitigen Trend und geht sogar noch einen Schritt weiter: Während andere Anbieter ihre Infrastruktur bisher nur teilweise auf das Internetprotokoll umgestellt haben, will der Konzern sein gesamtes Netz umbauen.

Ziel des Projektes ist es, eine Infrastruktur herzustellen, die den Anforderungen des neuen Jahrtausends gewachsen ist. Über das neue Netz können künftig dann nicht mehr nur Sprachdienste übertragen werden, sondern auch Daten- und Videodienste.

Zudem werden immense Kosten eingespart. Die BT Group rechnet mit einer jährlichen Ersparnis von rund einer Milliarde Pfund als Folge der Inbetriebnahme ihres neuen Leitungsnetzes. Der Einspareffekt werde von Jahr zu Jahr steigen und bis zum Ende der Dekade die Milliarden-Grenze überschreiten, sagte Paul Reynolds, der Chef des BT-Großkundengeschäfts. Nach Angaben von Reynolds wird die Investition nicht dazu führen, dass der Konzern seine Investitionsplanung überzieht.

Für Siemens ist der Zuschlag von außerordentlicher Bedeutung. "Dass wir von BT als bevorzugter Lieferant ausgewählt worden, ist ein Zeichen dafür, dass wir weltweit zur technologischen Spitze gehören", sagte Sprecher Thomas Schepp. Der deutsche Konzern soll Produktlösungen an das britische Unternehmen liefern, sich aber auch um die Integration von Geräten anderer Hersteller kümmern.

Um den Auftrag beworben hatte sich auch der britische Telekommunikationsausrüster Marconi. Ein Unternehmenssprecher bezeichnete die Absage am Donnerstag als "enttäuschend" und sagte, voraussichtlich würden dadurch Arbeitsplätze verloren gehen.