WM-Tickets Schwarzmarkthandel bei Ebay blüht

Das, was das WM-Organisationskomitee unbedingt verhindern wollte, ist nun eingetreten: Kurze Zeit nach der Versendung der ersten Zusagen konnten die begehrten Tickets bereits bei Ebay ersteigert werden. Ohne den entsprechenden Personalausweis stehen die Käufer allerdings vor verschlossenen Stadiontüren, warnt das Komitee.

Hamburg - Für viele Fans ist das ganze Verfahren ein schlechter Witz: Dass man Tickets mehr als ein Jahr vor den Ereignissen kaufen soll, dass man die dann weder zurück- noch weitergeben kann. Dass man viel Geld dafür bezahlen müsse, obwohl man oft gar nicht wisse, ob man überhaupt Zeit habe. Dass man schließlich die Eintrittskarten nur in einer Art Lotterieverfahren kaufen kann.

Dass also nur Stunden nach den ersten Ticketzusagen erste WM-Eintrittskarten bei Ebay  und anderen Versteigerern unter den virtuellen Hammer kamen, kann man gutwillig auch als Zeichen der Renitenz gegen das Verfahren werten. Das WM-Organisationskomitee sieht darin Zuckungen des Schwarzmarktes, den es mit seinem Verfahren personalisierter Tickets ausmerzen wollte. Entsprechend deutlich fiel die Reaktion des Komitees aus: Vizepräsident Horst Schmidt teilte mit, dass das Organisationskomitee juristische Schritte gegen Ticketanbieter erwäge.

Denn der Weiterverkauf verstoße gegen die Verkaufsrichtlinien des Organisationskomitees und gegen den Markenschutz, begründete Schmidt die Erwägungen. Er betonte: "Diejenigen, die jetzt Karten anbieten, besitzen überhaupt nicht das Recht, die ihnen zugeteilten Karten auf jemand anderen zu übertragen." Denn eine Übertragung von Tickets solle nur "bei wirklich triftigen Gründen und in Abstimmung mit dem Komitee" möglich sein.

Das ist auch den Versteigerern klar, und manche müssen ihre Entschuldigungen und Begründungen schon gegenüber der eigenen potenziellen Käuferschaft vorbringen. Denn "gucken" kommen auch viele, denen der Handel mit den Tickets ein Dorn im Auge ist.

Ein Versteigerer beantwortete entsprechende Beschwerden durch eine Änderung in seiner Auktion: "Die Karten wurden von meinem Vater und mir bestellt. Da dieser leider verstorben ist, habe ich keine Verwendung mehr dafür. Für diesen Fall ist es klar, dass die Karten auf den Käufer umgeschrieben werden können."

Reine Vertrauenssache

Denn noch "besitzen" die Versteigerer ja nichts, verlangen von ihren potenziellen Kunden aber einen immensen Vertrauensvorschuss. "Die Tickets werden unverzüglich nach Zustellung seitens des DFB (Mai 2006) versichert zugesandt. Der Ersteigerungsbetrag muss allerdings umgehend überwiesen werden, da der Preis für die Tickets bereits jetzt an den DFB bezahlt werden muss", erklärt ein Verkäufer. "Die Umschreibung beim DFB erfolgt sobald es möglich ist. Sie erhalten von mir eine verbindliche Verpflichtungserklärung zur Umschreibung der Tickets auf die von Ihnen angegebenen Namen."

Dazu fragt er dann noch Namen, Adressen und Personalausweisnummern ab - und verlangt einen Mindestpreis von 3600 Euro für vier Eintrittskarten zum Eröffnungsspiel. Noch war niemand "wagemutig" genug, darauf zu bieten, aber das mag noch kommen. Am Montagabend hatten sich schon über 16.000 Ebayer für die Auktion interessiert, die allerdings auch das Extrem im derzeitigen Angebot darstellt.

Häufiger sind Angebote, die nach wenigen Stunden zahlreiche Gebote aufweisen und mehrere 100 Euro für ein, zwei Eintrittskarten erreicht haben. Die Verkäufer bemühen sich darum, Seriösität zu demonstrieren. "Sollte die Umschreibung durch das OK fehlschlagen, so erfolgt eine 100-prozentige Rückerstattung des Kaufbetrages. Der Kaufpreis muss spätestens zehn Tage nach Auktionsende überwiesen sein. Sind Sie damit nicht einverstanden? Bitte nicht bieten."

Letztlich bleibt die Sache aber trotzdem verboten und eine reine Vertrauenssache. Darüber hinaus könnte dieses Verfahren den alles andere als seltenen Ebay-Abzockern ein neues Geschäftsfeld eröffnet haben: den Verkauf virtueller Waren gegen Bargeld, bei dem der Betrogene dem Betrüger mehrere Wochen "Vorsprung" lässt. Denn - Umschreibungen hin oder her - dass es Wochen dauern wird, bis auf die Zahlung angeblich eine Lieferung folgen wird, ist ja ausgemacht. Dass die Zahl der Ticketauktionen noch steigen wird, wenn die Karten wirklich erst einmal ausgeliefert sind, wohl ebenfalls.

Dabei aber, sagt das WM-OK, könne man als Käufer gar nicht gewinnen. Da die Tickets personengebunden sind, blieben die Tore für Fans verschlossen, die den richtigen Personalausweis dazu nicht vorweisen könnten. Außerdem würden in nächster Zukunft immer wieder einmal Karten angeboten. Klingt nach einem narrensicheren System zur Unterbindung des Schwarzmarkts - oder nach einer echten Überdosis Ärger an den Kassenhäuschen.

Denn auch OK-Vize Schmidt räumte ein, dass sich ein Schwarzmarkt nicht komplett ausschließen lasse. Man wolle diesen aber so weit wie möglich eindämmen, "um eben den Fans ein unliebsames Erwachen am Stadiontor zu ersparen". Oder dem WM-OK?