Siemens Nortel könnte, Acer will nicht

Der Technologiekonzern kommt einer Lösung für seine angeschlagenen Telko-Sparten offenbar näher. Während über Interessenten für den defizitären Handybereich noch spekuliert wird, könnte es in der Festnetzsparte eine Kooperation mit Nortel geben. Genauere Informationen soll Siemens-Chef Klaus Kleinfeld nächste Woche preisgeben.

Hamburg - Kurz vor der Siemens-Aufsichtsratssitzung Mitte kommender Woche ist der Technologiekonzern einer Lösung für seine defizitäre Handy-Sparte offenbar ein Stück näher gekommen.

Es verdichten sich die Hinweise, dass Vorstandschef Klaus Kleinfeld neben einem Sanierungsvorschlag für das Handy-Geschäft auch Pläne zur Zukunft der Festnetzsparte präsentieren will. Laut SPIEGEL erwägt Siemens  zudem einen Einstieg beim kanadischen Telekom-Ausrüster Nortel .

Der taiwanesische Elektronikkonzern Acer soll nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" Interesse am Einstieg in das Handy-Geschäft von Siemens haben. Die Verhandlungen seien schon weit fortgeschritten, heißt es unter Berufung auf Finanzkreise. Dabei gehe es um eine Kooperation mit Acer und nicht um einen Komplettverkauf des Geschäftsfelds. Acer mit Sitz in Taipeh ist vor allem als Computerhersteller in Europa bekannt geworden, will aber sein Geschäft mit Multimedia-Elektronik in Zukunft ausbauen.

Acer will nicht

Der taiwanesische Konzern dementierte die kolportierten Spekulationen unterdessen entschieden. Acer plane nicht, die verlustreiche Handy-Sparte von Siemens zu kaufen oder von ihr Handys bauen zu lassen, sagte Acer-Sprecher Henry Wang nach Informationen der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg. Das Kerngeschäft von Acer bleibe der Bau von Computern. Die Acer-Ausgründung BenQ gilt allerdings als einer der am schnellsten wachsenden Handy-Hersteller Asiens.

Zu den Spekulationen über mögliche Kooperationen mit Acer und Nortel wollte sich Siemens selbst bisher nicht äußern. "Wir kommentieren solche Gerüchte grundsätzlich nicht", sagte ein Siemens-Sprecher.

Siemens hat mit seinen Handys nach Schätzung von Analysten mitten im Branchenboom auch im abgelaufenen Quartal einen Verlust von mehr als 100 Millionen Euro gemacht. Kleinfeld hatte gesagt, eine Sanierung aus eigener Kraft sei ebenso möglich wie ein Verkauf, eine Kooperation oder eine Schließung.

Anfang März hatte Siemens mitgeteilt, die Kosten im Handygeschäft um bis zu eine Milliarde Euro senken zu wollen und den krisengeschüttelten Bereich so womöglich für einen Verkauf oder eine Partnerschaft herausputzen. Als mögliche Interessenten für die Handy-Sparte waren in Medienberichten bereits LG aus Südkorea und Ningbo aus China genannt worden.

Geheimtreffen am Münchner Flughafen

Geheimtreffen am Münchner Flughafen

Im Festnetzbereich prüft Siemens nach Informationen des SPIEGEL eine Kooperation mit dem angeschlagenen Telekom-Ausrüster Nortel. Dabei werde auch eine Beteiligung an Nortel erwogen. Auch dazu wollte der Konzern keine Stellungnahme abgeben.

Der SPIEGEL berichtet, Angaben aus Aufsichtsratskreisen zufolge habe es vor einigen Tagen Hinweise auf ein Geheimtreffen hoher Siemens-Manager mit Kollegen von Nortel am Münchner Flughafen gegeben.

Der vor zwei Jahren von einem Bilanzskandal betroffene kanadische Ausrüster sei seit längerem auf der Suche nach einem Partner und solle Gespräche mit dem finnischen Mobilfunkriesen Nokia geführt haben, heißt es.

Nach Aussagen von Siemens-Insidern prüften die Münchner nun, ob sie mit den bedrängten Kanadiern kooperieren oder eine Beteiligung an dem Unternehmen mit neun Milliarden Euro Umsatz erwerben sollten, um gemeinsam ihre Marktmacht zu stärken.

Das hieße, schreibt das Magazin weiter, dass sich Kleinfeld nicht komplett von der Kommunikationssparte trennen wolle, wie es einige seiner Vorstandskollegen seit längerem fordern.