Telefontarife Flatrate als Kostenfalle

Es klingt vor allem für Teenager-Eltern sehr verlockend: Für einen monatlichen Festpreis kann unbegrenzt lange und oft telefoniert werden. Doch die so genannte Flatrate lohnt sich nur für Haushalte, in denen mindestens eine Stunde pro Tag telefoniert wird. Ansonsten zahlt der Kunde drauf.

München - Einmal im Monat einen Festpreis bezahlen und dann so lange telefonieren, wie man will - die Flatrate macht es möglich. Was beim Internetzugang vor allem in Unternehmen schon zum Standard gehört, findet auch beim Telefonieren immer stärkeren Anklang.

Die Angebote klingen allesamt recht verlockend, vor allem für Eltern mit kommunikativen Teenagern. Doch eine Spargarantie gibt es mit Flatrates keineswegs, wie Telekommunikationsexpertin Evelin Voß von der Verbraucherzentrale Sachsen warnt. Im Gegenteil: Wer nicht wirklich ausgiebig telefoniert, zahlt eher drauf. Pauschaltarife rentierten sich in der Regel nicht für normale Privathaushalte, betont Voß. "Schon gar nicht für Oma Erna."

Nur, wie lässt sich herausfinden, wann sich ein Festpreis tatsächlich lohnt? Telefonexpertin Voß rät, niemals überstürzt zu bestellen, bevor man nicht die eigenen Telefonrechnungen genau analysiert hat. Wie oft wurde bundesweit telefoniert, wie häufig ins Ausland, wie viel innerorts? Wurde mehr am Feierabend gesprochen, am Wochenende, tagsüber? Und welche Durchschnittsbeträge kamen zusammen? Die Verbraucherzentralen helfen bei der Analyse.

Und dann gilt es abzuwägen. Eine Flatrate fürs bundesweite Telefonieren kostet mindestens knapp 20 Euro im Monat, wie Martin Müller vom Online-Ratgeberdienst Teltarif erklärt. "Verglichen mit günstigen Minutentarifen von Call-by-Call-Anbietern zwischen 1,5 und 2 Cents müssten schon 23 Stunden und mehr pro Monat telefoniert werden, damit sich das rechnet", schätzt der Marktbeobachter. Sein Tipp: "Wer regelmäßig eine Stunde pro Tag am Hörer hängt, für den mag sich eine ausgedehnte Flatrate rentieren."

Bedacht werden muss allerdings auch, dass der Festpreis das ganze Jahr über, also auch in Urlaubs- und Abwesenheitszeiten verlangt wird. Wer von der Deutschen Telekom  zu einem anderen Anbieter wechselt, kann zudem nicht mehr mit billigen Call-by-Call-Vorwahlen alternativ telefonieren.

Verdeckte Kosten

Verdeckte Kosten

Ein Vorteil allerdings hat die Flatrate. Die monatlichen Ausgaben werden besser planbar, Telefonrechnungen in Großfamilien kalkulierbar. Allerdings sind mit dem Pauschalpreis noch nicht alle Kosten abdeckt. Gespräche zum Handy, ins Ausland oder Telefonauskünfte kosten immer extra. Bei monatlichen Telefongebühren von etwa 50 Euro kann sich eine Flatrate rentieren, meint Voß. Wer sich allerdings nach Angeboten umsieht, dem dürfte schon bald der Kopf schwirren. So viele unterschiedliche Modelle gibt es.

Die Telekom etwa bietet keinen bundesweiten Pauschaltarif an, dafür aber verschiedene Teilzeit-Flatrates, wie den 9,95-Euro-Tarif für Ortsgespräche rund um die Uhr.

Ähnliche Varianten gibt es bei Arcor, neuerdings auch für Telekom-Kunden. Diese können über ihren Telekomanschluss mit der "fremden" Flatrate telefonieren. Beispielsweise 333 Minuten lang für 4,95 Euro pauschal, nah und fern. Danach kostet die Telefonminute stolze 3 Cents. Versatel  trumpft mit einem 3,99-Euro-Dumping-Tarif monatlich auf, für Kurzgespräche im City- und Nahbereich, kostenfrei aber nur in den ersten drei Minuten.

Um zwischen den Fixkosten mit oder ohne Limit zu entscheiden, lohnt es sich penibel zu rechnen, sagt Voß. Auch eine gewisse Vorsicht ist angebracht, meint Markus Saller, Jurist der Verbraucherzentrale Bayern. Vor allem, wenn das Angebot an der Haustür oder telefonisch verkauft werde. "Nicht alle Vertriebsmethoden sind seriös", klagt er.

Bevor Flatrates bestellt oder Anbieter gewechselt würden, solle man sich über Kündigungsfristen und Vertragslaufzeiten informieren. "Wer merkt, dass er gar nicht günstiger telefoniert, kommt meist nicht so schnell wieder aus dem Vertrag raus", so die Erfahrungen Sallers.

Wenig- und Durchschnittstelefonierer können sich die Suche nach der besten Flatrate in der Regel gleich ganz sparen, ist Telefonexperte Müller überzeugt. Nach wie vor am besten fahre dieser Personenkreis mit den Billigvorwahlen, die beim Anruf vor die Rufnummer getippt werden.

Berrit Gräber, AP

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