ProSiebenSat.1 Der Weg ist frei

Eine Klausel im Vertrag mit den Kirch-Gläubigern machte der US-Investorengruppe um den Milliardär Haim Saban einen Verkauf ihrer ProSiebenSat.1-Anteile bisher unmöglich. Diese Vereinbarung ist nun zugunsten einer 15-Millionen-Dollar-Abfindung gestrichen worden. Damit steht den Verhandlungen mit dem Springer-Verlag nichts mehr im Wege.

München - Die US-Anteilseigner des TV-Konzerns ProSiebenSat.1  bereiten offenbar weiterhin den Verkauf ihrer Aktien vor. Verschiedenen Medienberichten zufolge sind die gegenwärtigen Hauptinhaber um den US-Milliardär Haim Saban nicht mehr daran gebunden, dass bei einem Ausstieg vor dem 8. August 2005 rund 85 Prozent der Veräußerungsgewinne an die Kirch-Gläubiger abgeführt werden müssten. Das bedeutet, dass die Mehrheitseigner des größten deutschen TV-Konzerns auch Verhandlungen mit der Verlagsgruppe Axel Springer  führen können, die Interesse an einem höheren Anteil an ProSiebenSat.1 signalisiert hat.

Sowohl die "Süddeutsche Zeitung" als auch die "Financial Times Deutschland" berichten, dass sich die Gläubiger der insolventen Kirch-Gruppe mit Saban und dessen Finanzpartnern darüber geeinigt haben, die Ausstiegsklausel aufzuheben und durch eine neue Vereinbarung zu ersetzen. Nach einem von Kirch-Insolvenzverwalter Michael Jaffé unterzeichneten Abkommen erhielten die Kirch-Gläubiger 15 Millionen US-Dollar von Saban und seinen Partnern, falls diese ihre Aktienpakete an dem TV-Konzern vor dem 31. März 2006 verkaufen.

Die US-Investoren um Saban hatten am Dienstag allerdings Medienberichte dementiert, wonach sie sich in Verkaufsgesprächen mit Springer befänden. "Wir haben uns der Unterstützung des Unternehmens bei seinem andauernden Erfolg und Wachstum verschrieben und sind sehr zufrieden mit unserem Investment", hieß es in der Mitteilung. ProSiebenSat.1 war nach der Pleite von Kirch Media von Saban und den anderen Investoren für rund eine Milliarde Euro übernommen worden.

In der Branche werden bis auf Saban und die Investmentgesellschaft Hellman & Friedman - die wiederum etwa 20 Prozent an Axel Springer hält - alle Investoren aus der Gruppe als potenzielle Verkäufer angesehen, was etwa 28 Prozent des Kapitals entsprechen würde. Insgesamt hält die Investorengruppe gut 50 Prozent des ProSiebenSat.1-Grundkapitals und kontrolliert dabei rund 88 Prozent der Stimmrechte.

Der Axel Springer Verlag hat offenbar noch keine Entscheidung darüber getroffen, wie er weiter mit seiner knapp 12-prozentigen Beteiligung verfahren will. "Sobald wir einen Anlass oder eine kapitalmarktrechtliche Verpflichtung zur Information haben, tun wir dies selbstverständlich", sagte Vorstandschef Mathias Döpfner am Mittwoch auf der Hauptversammlung des Verlages in Berlin. Es gebe keine Neubewertungen oder gar Entscheidungen bezüglich des Anteils, fügte er hinzu. Springer vertrete unverändert die Auffassung, die Beteiligung entweder aufzustocken oder zu veräußern.

Laut Döpfner gibt es für den Konzern grundsätzlich zwei mögliche Wege des Wachstums: Die Internationalisierung des Printmediengeschäfts durch Gründungen und Akquisitionen im Ausland oder den Aufbau eines zweiten Standbeins im deutschen TV-Geschäft. "Beide Wege bergen Risiken, beide Wege eröffnen Chancen. Beide Wege sind attraktiv, wenn die Bedingungen stimmen", sagte Döpfner.

Der Springer-Verlag geht nach Informationen des "Handelsblatt" weiterhin davon aus, dass die Hauptanteilseigner ihre Aktien nicht vorzeitig verkaufen dürfen. Der Konzern plane, die Gespräche mit Saban und seinen Partnern erst im August aufzunehmen.