ProSiebenSat.1-Übernahme "Aufstocken oder veräußern"

Die Hauptversammlung des Axel-Springer-Verlages brachte wenig Überraschendes. Vorstandschef Mathias Döpfner hielt sich weiterhin bedeckt, bestritt die Spekulationen der vergangenen Tage jedoch auch nicht. Der derzeitige Anteil an ProSiebenSat.1 werde entweder ausgebaut oder verkauft, so Döpfner.

Berlin - Europas größtes Zeitungshaus Axel Springer  hält sich zu Spekulationen über eine Ausweitung des Engagements beim TV-Konzern ProSiebenSat.1  weiterhin bedeckt. Neubewertungen oder gar Entscheidungen zur Strategie im Fernsehmarkt gebe es nicht, sagte Vorstandschef Mathias Döpfner am Mittwoch auf der Hauptversammlung.

Grundsätzlich gelte unverändert, dass der derzeitige Anteil von 11,8 Prozent an der Senderfamilie mittelfristig aufgestockt oder veräußert werden solle. Aktuelle Spekulationen wollte er nicht kommentieren.

Trotz schwierigen Umfelds sollen Umsatz und Ergebnis in diesem Jahr leicht zulegen. Um junge Leser zu gewinnen, erwägt Springer zudem die Gründung einer Tageszeitung für Kinder.

Der Aufbau eines zweiten Standbeins im deutschen TV-Geschäft bleibe neben internationalen Engagements im Printbereich generell einer von zwei Wegen zu mehr Wachstum, sagte Döpfner. Sobald es Anlass für Mitteilungen gebe, würden sie erfolgen.

Enkel des Verlagsgründers: Aufsichtsratmitglied Axel Sven Springer

Enkel des Verlagsgründers: Aufsichtsratmitglied Axel Sven Springer

Foto: DPA
Tüten mit Zeitschriften und Magazinen: Springer will die Aktionäre mit Geschenken bei Laune halten

Tüten mit Zeitschriften und Magazinen: Springer will die Aktionäre mit Geschenken bei Laune halten

Foto: DPA
Friede Springer: Die Witwe von Axel Springer blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2004 zurück

Friede Springer: Die Witwe von Axel Springer blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2004 zurück

Foto: DDP


Aktionärstreffen in Berlin
Bitte klicken Sie auf ein Bild,
um zur Großansicht zu gelangen.

Hintergrund der Spekulationen ist, dass die Hauptaktionäre von ProSiebenSat.1 um den US-Milliardär Haim Saban laut Branchenkreisen grundsätzlich grünes Licht für ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Übernahmevertrag für den TV-Konzern erhalten haben. Die Saban-Holding teilte allerdings mit, man stehe in keinerlei Verkaufsverhandlungen.

Verlag rechnet für 2005 mit Wachstum

Verlag rechnet für 2005 mit Wachstum

Für das laufende Jahr erwartet Axel Springer trotz vorerst weiter schwacher Werbeerlöse des gesamten Medienmarktes leichte Zuwächse bei Umsatz und dem um Sondereffekte bereinigten Ergebnis. Die Prioritäten lauteten, Kostendisziplin beizubehalten und neue Zeitungen und Zeitschriften nach Anlaufverlusten schrittweise in die Gewinnzone zu bringen, sagte Döpfner.

Grundsätzlich gelte auch 2005, dass verstärkt strategische Marktchancen genutzt und Investitionsgelegenheiten geprüft werden. "Umsatzwachstum um des Umsatzes willen und Akquisitionen aus Prestigegründen wird es bei uns nicht geben."

Um Nachwuchs bei den Zeitungslesern zu gewinnen, denkt Springer über eine Tageszeitung für Kinder nach. Dabei gehe es um einen eigenen Titel "mit ganz eigenen Themen und eigener journalistischer Perspektive", sagte Döpfner. Damit könnten schon im frühesten Schulalter "Leser von morgen" an die Lektüre von Tageszeitungen herangeführt werden. Zugleich würden Konzepte für die wachsende Zahl älterer Leser erarbeitet.

Im vergangenen Jahr hatte der Springer-Konzern beim operativen Ergebnis (Ebita) mit 335,8 Millionen Euro (Vorjahr: 215,4 Millionen Euro) einen Rekordwert erzielt. Bereinigt um eine Sonderzahlung nach einem Vergleich mit dem insolventen Medienunternehmen Kirch lag dieser Wert bei 243,2 Millionen Euro. Unter dem Strich blieb ein Überschuss von 147,5 Millionen Euro. Die Hauptversammlung beschloss eine stabile Dividende von 1,20 Euro sowie eine einmalige Zahlung von 0,25 Euro.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.