Mittwoch, 18. September 2019

Management Die IT-Abteilung vom Kopf auf die Füße stellen

Informatiker gelten als weltfremd. Dies kann sich als existenzbedrohender Wettbewerbsnachteil erweisen, wenn die von ihnen konzipierten IT-Systeme nicht den tatsächlichen Unternehmensprozessen entsprechen. Einen Ausweg aus diesem Dilemma bietet das so genannte ITIL-Konzept.

Häufig werden Verantwortliche der IT-Abteilung mit Kritik aus den Fachbereichen des eigenen Unternehmens konfrontiert: "Sie wissen nicht, was wir wollen und wir können so nicht arbeiten." Die Computerspezialisten ihrerseits kontern damit, dass sie den Bereichen die neueste Technik zur Verfügung stellen, diese aber nicht richtig genutzt wird.

Schwierige Zusammenarbeit: Zwischen den operativen Bereichen und der IT-Abteilung klafft oft ein tiefer Spalt des Unverständnisses
Dass die in den verwendeten Computersystemen umgesetzten Geschäftsvorfälle oftmals nicht den tatsächlichen Arbeitsabläufen eines Unternehmens entsprechen, stellt ein entscheidendes Problem in vielen Firmen dar. Das so genannte Business Alignment, die Abstimmung der Geschäftsprozesse mit den IT-Systemen und -diensten, fehlt. Dadurch ist die Abbildung der Wirklichkeit fehlerhaft und somit auch die Verwendbarkeit der Daten stark eingeschränkt.

Eine mögliche Ursache dafür kann eine übereilte Systemeinführung, getrieben von der Sorge um explodierende Projektkosten und Ressourcenknappheit der letzten Jahre sein. Falsch verstandener Zwang zur Verwendung von Standardsystemen, -prozessen und -datenmodellen, sowie übereilter Übergang in den Produktionsbetrieb sind häufige Einführungsfehler.

Ändert sich das eigentliche Unternehmensgeschäft, führt dies auch zu Änderungen der Prozesse und Verfahren. Die Systeme hingegen verlieren dabei oft den Anschluss und bilden alte, überholte Welten ab.

Wie radikal sich heute Unternehmensumwelten ändern und wie wichtig eine adäquate Reaktion des Unternehmens ist, zeigt das Beispiel Nokia Börsen-Chart zeigen. Der finnische Hersteller von mobilen Telefonen begann 1865 mit der Produktion von Papier und Gummistiefeln. Erst 1987 kam das erste Nokia-Handy auf den Markt. 2003 beherrschte Nokia bereits ungefähr 39 Prozent des Weltmarktes für Mobiltelefone und machte insgesamt 6,9 Milliarden Euro Umsatz.

Das Beispiel beweist, dass in den heute satten und reifen Märkten Unternehmen nur dann erfolgreich handeln können, wenn sie die Kundenwünsche verstehen und diesen schnell und flexibel entsprechen können. Die IT spielt bei dieser Anpassung eine äußerst wichtige Rolle.

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