Retek-Poker Oracle sticht SAP aus

Der Walldorfer Konzern hat den Kampf um das US-Softwareunternehmen Retek verloren. Oracle-Chef Larry Ellison bot zuletzt 11,25 Dollar je Retek-Aktie und damit 25 Cent mehr als sein deutscher Konkurrent. SAP muss sich nun nach einem neuen Übernahmekandidaten umschauen, um sein Geschäft mit Handelsunternehmen zu stärken.

Redwood Shores - Oracle  hat SAP  bei der Übernahme des amerikanischen Softwareunternehmens Retek  ausgestochen. Es sei eine bindende Übernahmeerklärung unterzeichnet worden, teilte Oracle am Dienstag mit.

Je Retek-Aktie zahlt der weltweit zweitgrößte Softwareanbieter 11,25 Dollar und damit 25 Cent mehr als SAP geboten hatte. Retek spezialisiert sich auf Software für große Handelskonzerne. SAP, weltgrößter Anbieter für Unternehmenssoftware, wollte mit dem Kauf sein Geschäft mit Handelsunternehmen ausbauen.

Die Retek-Führung habe der Akquisition zugestimmt, teilte Oracle mit. Außerdem erhielt der Konzern nach eigenen Angaben bereits eine vorläufige Genehmigung der US-Kartellbehörde für den Zusammenschluss. Ursprünglich hatte das Retek-Management bereits die Übernahme durch SAP unterstützt und den Aktionären die Annahme der Offerte aus Walldorf empfohlen.

Nach früheren Angaben hielt Oracle bereits fast 10 Prozent aller ausstehenden Aktien. Das jüngste Oracle-Gebot beträgt insgesamt rund 631 Millionen Dollar (478 Millionen Euro).

Vergangene Woche hatte SAP Oracle überboten, der US-Konzern legte jedoch schnell nach. Angefangen hatte der Bieterwettstreit Ende Februar bei einer SAP- Offerte von 8,50 je Aktie.

Oracle hatte mehr zu verlieren

Der Geschäftskundenmarkt im Groß- und Einzelhandel gilt bei SAP als wachstumsstarkes Segment, da die Unternehmen zumeist noch keine standardisierten Softwarelösungen einsetzen. Oracle hatte hingegen den Verlust von Kunden zu befürchten, die Retek-Produkte auf Oracle-Datenbanken nutzen.

Die seit Jahren zwischen SAP und Oracle bestehende Rivalität im Geschäft um Firmenkunden verschärfte sich durch die milliardenschwere Übernahme des US-Softwareanbieters Peoplesoft  durch Oracle zu Jahresbeginn.

SAP-Chef Henning Kagermann hatte angesichts des sich abzeichnenden Bieterwettstreits zuletzt signalisiert, dass das Walldorfer Unternehmen auf die Übernahme von Retek nicht angewiesen sei. "Wir sind nicht auf dem Trip, dass wir mit Not ein Loch füllen müssen", hatte er Mitte März gesagt.

Allerdings passe Retek ins Portfolio von SAP und sei finanziell eine attraktive Übernahmemöglichkeit. Retek setzt rund 175 Millionen Dollar im Jahr um und hatte zuletzt die Gewinnschwelle erreicht.

"SAP hat richtig gehandelt"

"SAP hat richtig gehandelt"

Analysten nahmen den Rückschlag in der Akquisitionsstrategie von SAP gelassen und erleichtert auf. "Für SAP ist das nicht so kriegsentscheidend", sagte LBBW-Analyst Mirko Maier. "Oracle hat bei der Retek-Offerte mehr zu verlieren gehabt als SAP." Der US-Konkurrent von SAP sei im Softwaregeschäft nicht so gut aufgestellt wie SAP und hätte den Verlust von Kunden riskiert.

SAP habe richtig gehandelt, sich beim Preis nicht zu hoch treiben zu lassen, sagte Maier. Zudem sei Oracle nun mit der Integration seiner zahlreichen Akquisitionen beschäftigt, wovon SAP profitieren könne.

Auch Knut Woller, Analyst bei der HVB, wertet die Übernahme von Retek durch Oracle nicht als großen Rückschlag für SAP. Der für Retek zuletzt gebotene Preis habe bereits über dem Marktdurchschnitt für Softwareanbieter gelegen.

SAP habe selbst eine Softwarelösung für Handelsunternehmen, die ausgebaut werden könne. Zudem gebe es andere Anbieter, die übernommen werden könnten.

Die Investmentbank CSFB hatte die wie Retek auf Handelslösungen spezialisierten Softwareanbieter JDA  und Manugistics  als mögliche Übernahmekandidaten genannt, die zu günstigeren Preisen als Retek gekauft werden könnten.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.