Retek-Poker Ellison kontert Kagermann aus

Das Bietergefecht um die US-Softwarefirma Retek geht in eine neue Runde. In der Nacht hat Oracle-Chef Larry Ellison die SAP-Offerte erneut überboten. Dabei halten Analysten bereits das Angebot der Walldorfer für zu teuer. SAP könne in den USA auch auf anderen Wegen zum Erfolg kommen, sagen sie.

Hamburg/New York - Oracle-Chef Larry Ellison macht seinem Ruf als unberechenbarer Hasardeur in der Softwarebranche alle Ehre. Im Bieterwettstreit mit dem Rivalen SAP  um die US-Firma Retek ließ sich Ellison nicht lange bitten. Kaum hatte SAP am Donnerstag sein auf elf Dollar je Retek-Aktie aufgestocktes Angebot bekannt gegeben, legte Oracle in der Nacht zu Freitag nach: 11,25 Dollar lautet derzeit das Höchstgebot, über das die Retek-Aktionäre sich nun den Kopf zerbrechen müssen. Angeblich ist Oracle bereits im Besitz von rund 10 Prozent der Retek-Papiere.

SAP hatte sein Übernahmeangebot für Retek um 29 Prozent auf elf Dollar je Retek-Aktie aufgestockt und die frühere Oracle-Offerte von neun Dollar je Retek-Aktie klar überboten. Die Walldorfer bezeichneten die insgesamt rund 617 Millionen Dollar hohe Bar-Offerte als letztes Wort. Das Management von Retek hatte den Aktionären daraufhin empfohlen, die als "bestes und letztes Angebot" bezeichnete SAP-Offerte zu akzeptieren.

Ob sie diesem Votum folgen werden, bleibt offen. Denn unter Analysten gilt als sicher: "Der höchste Preis setzt sich durch." An der US-Technologiebörse spekulierten die Anleger am Donnerstag offenbar auf eine Fortsetzung des Bieterwettstreits. Die Titel von Retek gingen mit einem Plus von 11 Prozent auf 11,65 Dollar aus dem Handel.

Ob SAP jetzt noch einmal nachbessern wird, scheint aber zumindest nach der gestrigen Aussage des Walldorfer Managements zweifelhaft. Gleichwohl: Bereits vor der Aufstockung der Offerte von 8,50 auf 11 Dollar hatte Konzernchef Henning Kagermann erklärt, man sei auf die Übernahme von Retek nicht angewiesen. Dennoch legten die Walldorfer nach.

Als sich der Bieterwettkampf vor gut neun Tagen abzuzeichnen begann, wollten Analysten im Gespräch mit manager-magazin.de nicht ausschließen, dass der Kagermann-Widersacher und Oracle-Chef Larry Ellison, nur ein taktisches Spielchen betreibe, um für SAP die Retek-Übernahme so teuer wie möglich zu machen. Doch trotz der vielen Baustellen, die Oracle sich mit der Integration der Ende vergangenen Jahres übernommenen Peoplesoft aufgeladen habe, gebe es sehr gute Gründe für den in der Branche als Exzentriker verschrieenen Ellison, auch Retek zu kaufen.

So ist die US-Firma angesichts ihres Kundenstammes und ihrer erfolgreich laufenden Technologie für den schnellen Zugang zu den Kunden des Groß- und Einzelhandelsbereiches in den USA von strategisch großer Bedeutung. Hier wittern beide Kontrahenten ein lukratives Geschäft. Denn in dem so genannten Retail-Bereich arbeiten die meisten Unternehmen mit Inhouse-Lösungen, der Durchdringungsgrad mit Standardsoftware à la Peoplesoft oder SAP ist noch gering. Und dieses Geschäft wird sich Ellison von dem Konkurrenten SAP sozusagen vor der eigenen Haustür nur ungern wegschnappen lassen.

"SAP kann es auch alleine"

Warum Oracle um Retek kämpft

Jenseits dieser strategischen Erwägungen gibt es auch andere nachvollziehbare Gründe für das unnachgiebige Werben Oracles um Retek. Die beiden Unternehmen unterhalten Partnerschaften und zudem laufen bereits Retek-Lösungen auf Oracle-Technologieplattformen. Oracle habe mit der Übernahme von Peoplesoft den Grundstein dafür gelegt, um mit SAP im Bereich der Anwendungssoftware stärker konkurrieren zu können. Der Konzern verfolge jetzt anscheinend die Strategie, seinen Einfluss in bestimmten Branchen zu verstärken. Auch vor diesem Hintergrund sei das Interesse an Retek logisch, erklärte etwa Analyst Knut Woller von der HypoVereinsbank im Gespräch mit manager-magazin.de.

Die Alternativen von SAP

Sollte sich SAP nun aus diesem Bieterwettkampf zurückziehen, wird der Konzern den Retail-Bereich in den USA dem Konkurrenten Oracle gleichwohl nicht allein überlassen. Retek könnte mit seiner Technologie SAP den Zugang zu den Groß- und Einzelhandelskunden in den USA zwar deutlich erleichtern. Nach Einschätzung von Woller agiere SAP aber aus einer Position der Stärke heraus. Es gebe genügend Optionen für das Unternehmen, notfalls mit Alternativen zum Erfolg zu kommen. Zum einen verfügten die Walldorfer über eigene Softwarelösungen für den Handel. Zum anderen gebe es zum Beispiel mit JDA Software weitere potenzielle Übernahmekandidaten.

"Elf Dollar für eine Retek-Aktie sind zu teuer"

Ähnlich urteilte Analystin Alla Gorelova von Sal. Oppenheim. Klappe es mit der Retek-Übernahme nicht, werde sich der Markteintritt vermutlich verzögern. SAP sei aber für seine Stärken in Forschung und Entwicklung bekannt. Daher sei es nur eine Frage der Zeit, bis Kagermann und Co. eine mindestens ebenbürtige Technologie wie jene von Retek selbst entwickelt hätten.

Analysten vom Bankhaus Merck Finck aber auch der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) bewerten die zuletzt abgegebene SAP-Offerte ohnehin für zu hoch. "Wir halten das SAP-Angebot von elf Dollar für zu teuer und sehen daher keine positiven Auswirkungen, falls SAP doch noch zum Zuge kommen würde", hieß es am Freitag in einer LRP-Kurzstudie. Die Experten der Landesbank gehen davon aus, dass der Walldorfer Softwarekonzern sein Angebot nicht noch einmal erhöhen werde.

Offenbar teilen diese Einschätzung auch die Märkte. Die Aktie von SAP  reagierte auf die neuerliche Oracle-Offerte am Freitagvormittag kaum verändert. Der Titel stand mit 0,30 Prozent auf rund 121 Euro im Plus.

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