Übernahme United Internet will Web.de

Der Internet-Dienstleister United Internet will das Kerngeschäft des Karlsruher Anbieters Web.de kaufen. Übernommen werden soll das hochprofitable Portal mit allen Mitarbeitern, Technologien, Vermögensgegenständen und Rechten. Nur der bislang defizitären Bereich der Web-Telekommunikation soll bei Web.de verbleiben.

Montabaur/Karlsruhe - Der Internetdienstleister United Internet will das profitable Kerngeschäft von Web.de  für rund 333 Millionen Euro übernehmen.

Dadurch soll sowohl das größte Internet-Portal Deutschlands als auch der größte Anbieter von Online-Werbung hierzulande entstehen. Wie die beiden Unternehmen am Mittwoch nach Börsenschluss ad hoc mitteilten, soll der Kaufpreis für den Web.de-Geschäftsbereich Internet-Portal zu 200 Millionen Euro in bar bezahlt werden. Zudem erhalte Web.de 5,8 Millionen United Internet-Aktien - rund zehn Prozent am Unternehmen.

Web.de wurde an der Börse auf Basis des Xetra-Schlusskurses mit knapp 348 Millionen Euro bewertet und behält nur den bislang defizitären Bereich der Web-Telekommunikation. Durch die Übernahme des Web.de-Internetportals durch United Internet (1&1, GMX) würde vor T-Online der größte deutsche Anbieter diesem Bereich entstehen.

Beide Aktien wurden im Parketthandel kurzzeitig vom Handel ausgesetzt. Nach Wiederaufnahme des Handels legten web.de 24,4 Prozent auf 10,85 Euro zu, während United Internet um 2,78 Prozent auf 22,36 Euro verloren.

Unterzeichnung der Verträge im April

Über den Kauf des Web.de-Internetportals sei am Mittwoch eine Absichtserklärung (Letter of Intent) unterschrieben worden. "Die Umsetzung der hierin enthaltenen grundsätzlichen Einigung steht unter dem üblichen Vorbehalt der Durchführung einer Due Diligence und dem Abschluss noch zu verhandelnder Verträge. Der Vollzug dieser Verträge wird von der Zustimmung der Unternehmensgremien und der Freigabe des Zusammenschlusses durch die zuständigen Kartellbehörden abhängen. Mit der Unterzeichnung der Verträge wird im April gerechnet", hieß es in der Pflichtmitteilung.

Sprecher beider Unternehmen lehnten am Mittwochabend jeden Kommentar ab und verwiesen auf die an diesem Donnerstag in Frankfurt stattfindenden Bilanzpressekonferenzen.

United Internet, mit rund 1,1 Millionen DSL-Kunden in Deutschland hinter T-Online der zweigrößte Anbieter von Breitbandanschlüssen, verfügte Ende September 2004 über liquide Mittel von etwa 107 Millionen Euro und erwirtschaftet zudem einen operativen Cashflow von zuletzt rund 20 Millionen Euro pro Quartal. Das Unternehmen hatte zudem zuletzt 1,75 Millionen eigene Aktien zurückgekauft und das Rückkaufprogramm auf bis zu 3,5 Millionen eigener Anteile aufgestockt.

Portalgeschäft hochprofitabel

Portalgeschäft hochprofitabel

Web.de verfügte Ende 2004 ebenfalls über liquide Mittel in Höhe von 107 Millionen Euro. Das Portalgeschäft von Web.de machte im vergangenen Jahr mit 42,3 Millionen Euro rund 98 Prozent des Konzernumsatzes aus und ist hochprofitabel.

Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) betrug 13,2 Millionen Euro. Zudem lag der Zufluss an Zahlungsmitteln in diesem Segment 2004 bei knapp 21 Millionen Euro. Web.de erhalte mit den 200 Millionen Euro Baranteil eine solide Finanzierung für die weltweite Einführung und Vermarktung ihrer Produkte im Bereich Web-Telekommunikation (Voice over IP).

Im Rahmen der Allianz soll United Internet seinen Nutzern die bei Web.de in der Entwicklung befindlichen Telekommunikationsprodukte anbieten. Beide Unternehmen hatten in der vergangenen Woche bei der Cebit bereits den Zusammenschluss ihrer Netze für die Internet-Telefonie bekannt gegeben. Zudem zeigten sich Vertreter der United Internet-Tochter 1&1 sowie von Web.de zuversichtlich, dass 2005 den Durchbruch für die Internet-Telefonie bringen wird.

Zuletzt hatten sie jeweils rund 100.000 aktive Kunden in diesem Segment. 1&1-Chef Andreas Gauger will diese Zahl bis Ende 2005 auf 250.000 steigern. Ähnliche Wachstumsraten sieht auch Web.de.

Durch die geplante Transaktion enstehe unter dem Dach der United Internet außerdem der in Reichweite und Werbeplatzvolumen (etwa 2,5 Milliarden Seitenabrufe und mehr als 16 Millionen Nutzer monatlich) größte Anbieter von Internetwerbung in Deutschland.