Amazon "Wir verdienen am MP3-Geschäft"

"Jeder, der MP3-Dateien downloaden will, braucht erst einmal einen Player. Und den verkaufen wir." Mit Ralf Kleber, dem Deutschland-Chef von Amazon, sprach manager-magazin.de über die neuesten Techniktrends, das Kaufverhalten der Deutschen, und warum das Sterben der analogen Medien kein Weltuntergang ist.
Von Karsten Langer

mm.de:

Herr Kleber, wie schätzen Sie die Chancen für Amazon Deutschland vor dem Hintergrund einer stagnierenden Konjunktur ein?

Kleber: Das Gesamtergebnis des laufenden Geschäftsjahres wird sich von der Tendenz her nicht besonders vom Ergebnis des ersten Quartals unterscheiden. Für Amazon weltweit erwarten wir im Gesamtjahr 2005 einen Umsatz von 8,05 bis 8,65 Milliarden Dollar, das entspricht einem Wachstum von 16 bis 25 Prozent im Vergleich zu 2004.

mm.de: Der Umsatz sagt noch nichts über den Gewinn aus.

Kleber: Der Gewinn wird noch stärker steigen. Wir erwarten weltweit ein operatives Ergebnis zwischen 385 und 510 Millionen Dollar. Im Moment sehen wir keinen Anlass, warum sich diese Tendenz im laufenden Geschäftsjahr ändern sollte.

mm.de: Haben Sie vor, Ihr Produktportfolio aus strategischen Gründen zu ändern?

Kleber: Das ist bei uns systemimmanent. Seit Gründung des Unternehmens gibt es zwei wesentliche Bestandteile: eines ist die Ausrichtung auf den Kunden, das andere ist das Bestreben, alles anbieten zu wollen, was der Kunde online sucht.

Versandzentrum in Bad Hersfeld: Angestellte am Packtisch

Versandzentrum in Bad Hersfeld: Angestellte am Packtisch

Bestseller-Halle: Täglich werden tausende Artikel zusammengesucht

Bestseller-Halle: Täglich werden tausende Artikel zusammengesucht

Riesige Lagerhallen: Hier liegen die Produkte, die täglich in alle Welt verschickt werden

Riesige Lagerhallen: Hier liegen die Produkte, die täglich in alle Welt verschickt werden

Geschenk-Verpackung: Der Kunde kann seine Geschenke sogar schon verpackt bestellen

Geschenk-Verpackung: Der Kunde kann seine Geschenke sogar schon verpackt bestellen


Amazon-Ameisen
Bitte klicken Sie auf ein Bild,
um zur Großansicht zu gelangen.

mm.de: Gibt es Unterschiede zwischen dem deutschen Markt und anderen Ländern?

Kleber: In Deutschland werden natürlich verstärkt deutschsprachige Bücher nachgefragt. Auf der technischen Seite gibt es gegenüber den Schwester-Sites vor allem Unterschiede in den Zahlungsmodalitäten, in Deutschland ist zum Beispiel Zahlung auf Rechnung möglich. Dann gibt es lokale Kampagnen, zum Beispiel die DVD-Tiefpreisgarantie. In Deutschland gibt es eine sehr hohe Preissensitivität beim Kunden und einen sehr ausgeprägten Wettbewerb bei den Anbietern.

mm.de: Sehen Sie ernsthafte Konkurrenz?

Kleber: Vor allem sehen wir uns. Es gibt zwei Arten, wie man seinen Weg gehen kann. Der erste Weg ist: Man orientiert sich an erfolgreichen Mustern, die vorhanden sind, und betreibt entsprechendes Learning über Konkurrenzbeobachtung. Wir gehen genau den anderen Weg. Wir schauen auf unseren Kunden und ziehen unsere Innovationskraft aus dem, was wir vorfinden. Mittlerweile haben wir einiges entwickelt und glauben, dass es ein Bruch wäre, jetzt nach links oder rechts zu gucken.

mm.de: Welchen Marktanteil haben Sie in Deutschland?

Kleber: Das können Wirtschaftsinstitute wie Jupiter oder GfK besser beurteilen als wir. Wir beziffern die Marktanteile in Deutschland nicht.

"Elektronik ist noch nicht am Ende"

"Elektronik ist noch nicht am Ende"

mm.de: Welchen Trend sehen sie für das kommende Jahr?

Kleber: Elektronik ist mit Sicherheit noch nicht am Ende. Die Innovationsdynamik, die wir im Elektronikmarkt haben, ist nur schwer zu toppen. Die Medienbereiche DVD, Musik und Buch leben ja vom Erscheinen von Bestsellern oder Megamovies. Ob "Der Herr der Ringe" oder "Harry Potter" - mit den großen Namen entwickelt sich die Branche doch sehr kontinuierlich.

Im Elektronikbereich dagegen werden immer wieder vollkommen neue Segmente geschaffen. Es sei hier als Beispiel Voice over IP genannt. Das kommt jetzt gerade erst. Dazu gehört auch ein bestimmtes Equipment - und das liefern wir. Mit Sicherheit ist noch nicht jeder Haushalt kabellos, und bestimmt haben die meisten Menschen noch einen Röhrenfernseher zu Hause. Da gibt es so viele Themen, die noch am Anfang stehen, dass ich da einen großen Schub erwarte.

mm.de: Leiden Sie unter den neuen Download-Portalen?

Kleber: Die nehmen mir kein Geschäft weg, die schaffen für mich Geschäft. Jeder, der MP3-Dateien downloaden will, braucht ja erst einmal einen Player. Und den verkaufen wir. Wenn ich mir den Umsatz von iPods ansehe, sehe ich einen deutlichen Trend. Wir sprechen hier nicht mehr von Tausender-Stückzahlen, sondern das geht schon weit darüber hinaus.

mm.de: Also sind Sie nicht der Ansicht, dass Download-Produkte den Medienmarkt kaputt machen?

Kleber: Ach, ich bin kein Freund von Schwarz-Weiß-Malerei, noch nie gewesen. Es gibt wenig Produkte, die wirklich das eine durch das andere substituieren. Ich glaube, dass die Download-Produkte ein deutliches Signal sind, dass bestimmte Käufer einen Vorteil darin sehen, sich mit digitalen Informationen übers Netz versorgen zu lassen. Das heißt aber nicht, dass keiner mehr einen Film oder eine DVD kaufen wird oder das keiner mehr ins Kino geht.

Als die Videokasette damals auf den Markt kam, haben alle gesagt: Das ist das Ende des Kinos. Tatsächlich aber haben Multiplex-Kinos einen nie gekannten Boom erlebt. Tatsache ist, dass man sich klar machen muss, wie der Kunde reagiert und wie man die Märkte bedienen kann. Das Sortiment muss immer up to date sein.

mm.de: Welche Erwartungen haben Sie an die Cebit?

Kleber: Für mich hat die Cebit mehr die Funktion eines Informationsforums. Ich wähle dort die Produkte aus, die ich meinen Kunden anbieten will. Letztendlich wird der Kunde bestimmen, was tatsächlich zum Trend wird.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.