US-Übernahmeschlacht Oracle überbietet SAP

Der streitbare Oracle-Chef Larry Ellison verschärft den Machtkampf mit seinem deutschen Erzrivalen SAP. Ellison will nicht zulassen, dass SAP wie angekündigt die amerikanische Software-Firma Retek kauft und so sein US-Geschäft stärkt. Deshalb hat er jetzt kurzerhand ein höheres Gebot für das Unternehmen abgegeben.

Redwood Shores/Walldorf - Für SAP  war der Kauf von Retek eigentlich schon beschlossene Sache. Ende Februar hatte der Walldorfer Konzern gemeldet, die US-Firma für knapp 500 Millionen Dollar übernehmen zu wollen. Der Vorstand habe bereits zugestimmt.

Jetzt versucht Oracle , den Deutschen in die Parade zu fahren. Oracle biete neun US-Dollar in bar je Retek-Aktie, teilte Oracle nach Börsenschluss in Redwood Shores mit. SAP will einen Preis von 8,50 Dollar zahlen.

Oracle-Vorstandschef Larry Ellison sagte, er wolle die Position als Nummer eins bei Unternehmenssoftware in Nordamerika gegen SAP verteidigen. "Unser Applikationsgeschäft in Nordamerika ist größer als das von SAP."

Oracle-Präsident Charles Philipps betonte, die meisten Retek-Kunden würden sein Unternehmen als neuen Besitzer bevorzugen. Oracle habe der Retek-Spitze in einem Schreiben das neue Angebot unterbreitet. Oracle und Retek arbeiten bereits seit 1986 zusammen und hatten im vergangenen Herbst Gespräche über einen Zusammenschluss geführt.

Retek hat nach SAP-Angaben derzeit mehr als 200 Kunden in über 20 Ländern. Die Gesellschaft bietet eine integrierte Anwendungslösung für den Einzelhandel sowie weitere Lösungen für diesen Industriezweig an.

Im Geschäftsjahr 2004 setzte Retek 174,2 Millionen Dollar um. Zum Jahresende 2004 zählte das Unternehmen 525 Mitarbeiter und war mit Büros am Hauptsitz in Minneapolis sowie in Atlanta, London und Melbourne präsent. SAP-Chef Hennig Kagermann hatte gesagt, das Marktsegment Handelsunternehmen biete seinem Unternehmen "exzellente Wachstumsmöglichkeiten".

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