"Hunderte Partner" SAP startet Großangriff

Der Walldorfer Softwarekonzern SAP will seine Produktpalette erheblich ausweiten und sucht deshalb "etliche hundert" neue Softwarepartner. Gemeinsam mit denen will SAP ab 2010 drei Viertel des Marktes für Unternehmenssoftware abdecken.

Walldorf - SAP  will mit einer strategischen Ausweitung ihrer Produktpalette ihre Stellung im Markt für Unternehmenssoftware verbessern. "Der Markt für Unternehmenssoftware ist 60 Milliarden Dollar groß. Wir adressieren davon zurzeit die Hälfte. In fünf Jahren wollen wir 75 Prozent des Marktes ansprechen können," sagte SAP-Vorstandsvorsitzender Henning Kagermann in einem Interview mit dem "Handelsblatt".

Sollten die SAP-Pläne aufgehen, würde der Konzern, der derzeit 7 Milliarden Euro umsetzt, ein zusätzliches Marktpotenzial von 15 Milliarden Dollar erschließen.

Dazu will SAP bei der Softwareentwicklung künftig stärker auf Partner setzen. Diese sollen auf Basis der SAP-Software spezifische Anwendungsprogramme, etwa zur Steuerung von Produktionsmaschinen, entwickeln. Deshalb werde SAP in den kommenden Monaten intensiv nach Softwarepartnern suchen. "Es müssen etliche Hundert sein," sagte Kagermann weiter. Zudem wolle SAP ihre Software stärker als bisher über indirekte Vertriebspartner verkaufen.

Fertigungstiefe soll verringert werden

Um schnell eine große Zahl neuer Produkte auf den Markt zu bringen, soll die bisherige Fertigungstiefe verringert werden. "Wir können nicht alles bis in die letzte Verästelung selber machen," sagte Kagermann in dem Handelsblatt-Interview weiter. "Wir werden künftig die stabilen Stämme selber machen, die Verästelungen aber Partnern überlassen, die dort profitabel sein können."

Der SAP-Vorstandsvorsitzende sieht die Entwicklung der Softwarebranche kurz vor dem Start der IT-Messe CeBIT positiv. "Derzeit ist in vielen Ländern wieder eine Art Aufbruchstimmung im Markt für Informationstechnologie zu spüren." Informationstechnologien würden wieder vermehrt als strategische Werkzeuge eingesetzt und nicht nur, um Kosten zu reduzieren.

Vor wenigen Tagen hatte SAP angekündigt, den US-Softwareanbieter Retek für knapp eine halbe Milliarde Dollar zu kaufen. Eine entsprechende Vereinbarung über 496 Millionen Dollar (rund 374 Millionen Euro) sei mit dem Retek-Management geschlossen worden. Retek ist auf Softwarelösungen für den Einzelhandel spezialisiert und bediente zuletzt rund 200 Kunden in über 20 Ländern, darunter die Modekette GAP und den Elektronikhändler Best Buy.

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