IT-Branche Das große Durchatmen

Es geht wieder aufwärts - zumindest für Unternehmen der Informationstechnologie und Telekommunikation. "Die Branche wird in Zukunft etwa doppelt so schnell wachsen, wie die Gesamtwirtschaft", glaubt Bitkom-Chef Willi Berchtold. Auch bei der Cebit ist dieser Trend angekommen.

Hannover - Als sich vor wenigen Monaten abzeichnete, dass zumindest die seit Jahren anhaltende Talfahrt der Computermesse gestoppt schien, wagte sich Cebit-Chef Ernst Raue zunächst nur schüchtern optimistisch an die Öffentlichkeit.

Jetzt spricht er zunehmend selbstbewusst von einer "Kehrtwende", wo klar ist, dass es bereits vor Öffnung der Tore echte Zuwächse zu feiern gibt. Erstmals seit Jahren steigt die Zahl der Aussteller leicht, statt zu fallen, und sogar eine kleine Rekordmarke gibt es zu melden. Mit 3293 von 6270 Ausstellern ist der Ausländeranteil der diesjährigen Cebit höher als je zuvor.

Offenbar entdecken wieder mehr international agierende Unternehmen die Attraktivität der noch immer größten IT-Messe der Welt. Vor allem Firmen aus dem boomenden asiatischen Raum zieht es nach Hannover.

Während sich immer mehr US-Unternehmen Cebit-Abstinent zeigen, verzehnfachte sich die Zahl der Aussteller aus China seit 2001. Und mit 777 Ausstellern finden fast dreimal mehr Unternehmen aus Taiwan (der am stärksten vertretenen ausländischen Nation) den Weg an die Leine als Firmen aus den USA. Unter dem Strich ergibt all das ein paar gesunde Wachstumssignale für die Messe.

Stabiles Wachstum

Kein Wunder, denn es fließt ja auch wieder Geld in der Branche. Nach einer ersten Erholung 2004, zitiert der Branchenverband Bitkom Prognosen des European Information Technology Observatory (EITO), werde die IT-und Telekommunikationswirtschaft in den kommenden Jahren voraussichtlich wieder stabil wachsen.

Der Umsatz der Unternehmen in Westeuropa werde in diesem Jahr voraussichtlich um 3,8 Prozent auf 616 Milliarden Euro zulegen, sagte Bitkom-Chef Willi Berchtold eine Woche vor Beginn der Computermesse. Nach weiteren Erkenntnissen des EITO schwäche sich das Wachstum 2006 nur leicht auf 3,7 Prozent ab.

"Die Wachstumsschübe", so Berchtold, "kommen insbesondere aus dem Mittelstand." Die ITK-Branche werde voraussichtlich doppelt so schnell wie die Gesamtwirtschaft wachsen.

Weltmarkt legt noch stärker zu

Weltmarkt legt noch stärker zu

Mit dem Weltmarkt kann Europa dennoch nicht mithalten. Global werde die Branche in diesem Jahr um 4,3 Prozent und 2006 um 4,8 Prozent zulegen, heißt es in der Untersuchung.

Der wichtige US-amerikanische Markt vergrößert sich voraussichtlich um 3,9 Prozent in diesem Jahr und um 4,5 Prozent 2006. Die größten Wachstumsimpulse kommen aus dem Softwaresegment, das den Angaben nach um 5,4 beziehungsweise 5,7 Prozent zulegen wird. Leicht dahinter rangieren die IT-Services mit einer Zunahme von 5 beziehungsweise 5,5 Prozent.

Flachbildschirme verdrängen Röhrengeräte

Eine dynamische Entwicklung sagt die EITO-Untersuchung dem elektronischen Handel voraus. Nach einem Umsatz von 680 Milliarden Euro im vergangenen Jahr allein in Westeuropa - knapp 90 Prozent davon zwischen Unternehmen - erwartet das Institut im Jahr 2008 bereits Erlöse von 2,2 Billionen Euro. Im Privatkundensegment werde sich der E-Commerce bis dahin vervierfachen, auch dank der zahlreichen neuen Breitbandanschlüsse, die einen schnellen und bequemeren Interneteinkauf ermöglichen.

Ähnlich schnell entwickelt sich weiteren Angaben zufolge der Markt für Consumer Electronics. Noch 2004 hatten herkömmliche Röhrenfernseher einen Umsatzanteil von 21 Prozent am westeuropäischen Markt für Unterhaltungselektronik ausgemacht, digitale Flachbild- und Projektionsgeräte dagegen nur zehn Prozent. Bis Ende 2005 sollen sich diese Werte beinahe umkehren.

Ähnlich dynamisch steige der Umsatz bei Digitalkameras um 16 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro in diesem Jahr. Das Wachstum bei MP3-Playern betrug den Angaben zufolge im vergangenen Jahr 171 Prozent. In diesem Jahr soll das Marktvolumen um knapp 50 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro steigen.

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