Yahoo Erst Online-Anfänger, jetzt Web-Milliardäre

Vor zehn Jahren gründeten Jerry Yang und David Filo das Web-Portal Yahoo. Ihr Ehrgeiz: so schnell wie möglich viel Geld verdienen. Das Ziel ist erreicht, trotzdem machen beide weiter. "Es ist eine viel größere Herausforderung, zehn Milliarden Dollar einzunehmen als zehn Millionen", sagt Filo.

Sunnyvale/USA - Der Sinn fürs Geschäftliche führte - allen Skeptikern zum Trotz - dazu, dass Yahoo  schon nach weniger als zehn Monaten erstmals Gewinn machte.

Und er half dem Unternehmen auch, den Dotcom-Crash zu überstehen, der hunderte andere Internet-Unternehmen von der Bildfläche verschwinden ließ. "Uns ging es immer um Profitabilität. Wenn wir keinen Gewinn gemacht haben, war das furchtbar", sagt Yang in einem Interview vor dem Firmenjubiläum am 2. März.

Die Unbekümmertheit dieser Zeit gefiel Yang und Filo nie so recht, auch wenn der Firmenname (Yahoo bedeutet Krakeeler) schon darauf hinweist, dass das Prädikat "freudlos" auch nicht trifft. "Wir waren sicher nicht mondän oder zivilisiert", sagt Yang.

Trotzdem erkannten beide schon früh, dass schlicht nicht gleich langweilig sein muss. Ein Grund, warum die Büros von Yahoo in lebhaftem Violett und Gelb gestrichen sind, ist, dass das die billigsten Farben waren. "Sie wollten schon immer das Geld lieber für neue Produkte ausgeben statt für aufwendige Dekorationen oder Büroausstattung", sagt Yahoo-Manager Erin Moore, der im April 1996 zu der Firma kam. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen gerade mal 50 Mitarbeiter.

Gutschein für ein Eis - Google ist spendabler

Yang (36) und Filo (38) sind schon seit einigen Jahren Milliardäre. Zurückgezogen haben sie sich deswegen nicht. Im Unternehmen sind sie immer noch die "Chief Yahoos".

Ihre vorrangigen Ziele sind neue Produkte und anhaltende Profitabilität. "Es ist eine viel größere Herausforderung, zehn Milliarden Dollar einzunehmen als damals zehn Millionen", sagt Filo. "Darum sind wir immer noch hier. Die Probleme sind schwieriger, die Herausforderungen größer geworden, und es ist aufregender."

Aus der Hand voll Mitarbeiter in den Anfangstagen sind inzwischen 7.600 geworden. Auf dem Firmengelände gibt es zwar genügend Möglichkeiten, Basketball, Volleyball oder anderes zu spielen, aber Vergünstigungen wie freies Essen wie beim wenige Kilometer entfernten Rivalen Google  gibt es bei Yahoo nicht. Die Preise in der Cafeteria werden aber subventioniert. Und die registrierten Yahoo-Benutzer in den USA können sich zum Firmenjubiläum einen Gutschein für ein Eis aus dem Internet herunterladen.

Multimilliardäre unter sich

Multimilliardäre unter sich

Der gewinnorientierte Ansatz hat sich über die Jahre ausgezahlt. Filo besitzt noch 6,4 Prozent der Yahoo-Aktien, die derzeit einen Wert von rund 2,8 Milliarden Dollar haben, Yang besitzt noch 4,8 Prozent, was etwa 2,1 Milliarden Dollar entspricht. 165 Millionen registriere Nutzer hat Yahoo, die häufig nur über dieses Portal ins Internet einsteigen und ihre E-Mails erledigen.

Nachdem Yahoo mit seinem Börsengang im April 1996 mit zum Dotcom-Boom beigetragen hatte, stiegen die Umsätze schnell auf eine Milliarde Dollar, der Marktwert der Firma lag bei 120 Milliarden Dollar.

Ganz wohl war Yang nicht dabei, wie er rückblickend sagt: "Wir hatten das Gefühl, dass es etwas zu gut läuft. Einige Dinge waren zu euphorisch." Dann kam der Crash und einige verlustreiche Quartale. Der Marktwert von Yahoo fiel auf 4,6 Milliarden Dollar, hunderte Mitarbeiter wurden entlassen.

Der aus der Entertainment-Branche kommende Manager Terry Semel schaffte als Nachfolger von Tim Koogle als leitender Manager die Rückkehr in die Gewinnzone. Im vergangenen Jahr lag der Gewinn bei 840 Millionen Dollar, bei einem Umsatz von 3,57 Milliarden Dollar. Der Marktwert der Firma stieg wieder auf 50 Milliarden Dollar.

Yahoo gehört sicher zu den führenden Internet-Unternehmen, unangefochten ist die Stellung aber keineswegs. Mit Google - dessen Gründung Yahoo mit zehn Millionen Dollar unterstützte - MSN und AOL Time Warner  gibt es harte Konkurrenten. An Skeptiker haben sich Yang und Filo aber längst gewöhnt. "Vor zehn Jahren hat uns niemand eine Chance gegeben", sagt Filo. "Wir hatten immer starke Konkurrenz. Aber wir sind jetzt in einer Position, in der wir unser Schicksal selbst in der Hand haben."

Michael Liedtke, AP

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