US-Softwaremarkt SAP kauft Retek für 496 Millionen Dollar

Eigentlich wollte SAP-Chef Henning Kagermann dieses Jahr von größeren Akquisitionen absehen und sich nicht an der amerikanischen Fusionswelle beteiligen. Der US-Softwareanbieter Retek scheint da wohl eine "kleine" Ausnahme zu sein.

Walldorf - Der weltweit zweitgrößte Softwarehersteller SAP  will den US-Softwareanbieter Retek  für knapp eine halbe Milliarde Dollar erwerben. Eine entsprechende Vereinbarung über 496 Millionen Dollar (rund 374 Millionen Euro) sei mit dem Retek-Management geschlossen worden, teilte SAP mit.

Unter Berücksichtigung der liquiden Mittel des US-Unternehmens liegt der Kaufpreis den Angaben zufolge bei 394 Millionen Dollar. SAP biete 8,50 Dollar je Retek-Aktie, was einem 42-prozentigen Aufschlag auf den Aktienkurs vom vergangenen Freitag entspreche.

Retek ist auf Softwarelösungen für den Einzelhandel spezialisiert und bediente zuletzt rund 200 Kunden in über 20 Ländern, darunter die Modekette GAP  und den Elektronikhändler Best Buy . Mit 525 Mitarbeitern habe das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Umsatz von 174,2 Millionen Dollar erwirtschaftet. Das Management von Retek habe den Aktionären die Annahme der Offerte einstimmig empfohlen, teilte SAP mit.

Die Übernahme zählt zu den größten Akquisitionen des Softwareherstellers in den vergangenen Jahren. Das Unternehmen hatte sich eigentlich relativ kleine Zukäufe zum Ziel gesetzt, um neue Branchen oder Regionen zu erschließen.

SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann begründete den Kauf, dem die Wettbewerbsbehörden noch zustimmen müssen, mit "exzellenten Wachstumsmöglichkeiten". Der Konzern werde durch Retek die umfassendste Softwarelösung für den Handel zur Verfügung stellen können. Groß- und Einzelhandel betrachteten die Informationstechnik als strategisches Instrument im Wettbewerb.

Die Angebotsfrist für die Retek-Aktien soll nach SAP-Angaben in etwa einer Woche beginnen und bis Anfang April laufen. Die Aktien sind an der US-Technologiebörse Nasdaq  notiert.

Auch in Deutschland investiert SAP Millionen. Am Firmensitz in Walldorf und im nahen St. Leon-Rot entstehen für rund 100 Millionen Euro neue Bürogebäude für 2500 Mitarbeiter, teilte der Softwarehersteller mit.

Allerdings soll nur ein Teil der Büroflächen für neue Mitarbeiter zur Verfügung gestellt werden. SAP wolle das neue Platzangebot auch nutzen, um die bisherige Raumsituation zu "entzerren". Zudem sollen dort Mitarbeiter beschäftigt werden, die im Moment in angemieteten Büros untergebracht sind. Derzeit sind rund 10.000 Mitarbeiter in Walldorf und St. Leon-Rot beschäftigt.

SAP-Chef Kagermann hatte bereits Ende Januar angekündigt, 2005 werde für das Unternehmen "ein Jahr der Investitionen". Weltweit sollen 3000 neue Stellen entstehen, aber nur rund 600 davon in Deutschland.

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