Web-Apotheken Bittere Pillen von Stiftung Warentest

Seit Januar 2004 können Medikamente auch über das Internet bestellt werden. Die große Nachfrage blieb jedoch aus. Zu recht, wie es scheint. Stiftung Warentest fällte ein vernichtendes Urteil über die Hälfte der getesteten Versandapotheken - auch über den Marktführer Docmorris.

Berlin - Der Kunde bleibt im Kampf um Marktanteile der Versandapotheken offenbar auf der Strecke. Die Stiftung Warentest hat der Branche in ihrer neuesten Untersuchung schlechte Noten erteilt. Die Hälfte der 20 getesteten Anbieter im In- und Ausland wurde mit "mangelhaft" bewertet, darunter auch die niederländische Internetapotheke Docmorris.

Die Tester hatten den Bestell- und Lieferservice, die Nutzerfreundlichkeit der Internetauftritte und die Beratungsqualität der Patientenanfragen untersucht. In Deutschland sind derzeit mehr als 1000 Versandapotheken zugelassen.

Der Stiftung Warentest zufolge wurden in fünf Fällen Rezepte schlicht vergessen oder nicht bearbeitet. Bei anderen mussten Patienten teilweise zehn Tage oder gar Wochen auf ihre Arzneien warten.

Wichtige Informationen und Ratschläge zu Neben- und Wechselwirkungen von Medikamenten seien außerdem nicht oder nur unzureichend gegeben worden. "Angesichts der desaströsen Beratungsleistungen vieler Versandapotheken sollte der Kunde sehr genau wissen, was er eigentlich bestellt, und sich auch über Risiken, Wechsel- und Nebenwirkungen kundig machen", sagte Hubertus Primus von der Stiftung Warentest.

Web-Apotheken bis zu 50 Prozent billiger

Zudem arbeite kaum eine Versandapotheke mit der Päckchenaufschrift "Nicht an Kinder ausliefern". Oft seien die Medikamentenpakete beim Nachbarn abgegeben worden, gelegentlich landeten die Lieferungen sogar vor der Tür. Bemängelt wurde ebenfalls, dass über Widerruf- und Rückgaberechte nicht immer korrekt informiert wurde.

Auch die Arzneimittelsuche auf den Websites ist wie bei apotheke.com  dem Test zufolge sehr unübersichtlich. "Diese setzt voraus, dass man weiß, welche Medikamente rezeptpflichtig sind", kritisierte Primus.

Stiftung Warentest hob aber auch die Vorteile von Versandapotheken hervor. Sie haben keine einschränkenden Öffnungszeiten, liefern an die gewünschte Adresse, bieten verschiedene Zahlverfahren und Rabatte an und sind bei bestimmten Medikamenten diskreter. Zahlreiche Versandapotheken sind den Warentestern zufolge außerdem 10 bis 30 Prozent, vereinzelt sogar bis zu 50 Prozent billiger als herkömmliche Apotheken.

Die besten Websites

Die besten Websites

Zu den besten Websites gehörten die von mycare.de  und sanicare.de . Insgesamt mit "gut" schnitten bei der Untersuchung mycare.de , pharma24.de , sanicare.de , versandapo.de , apo-rot.de , shop-apotheke.com  und die europa-apotheke.de  ab, außerdem vfg.ag  und das Portal apo.ag .

Der Vorstandsvorsitzende von Docmorris, Ralf Daeinghaus, sagte dem "Tagesspiegel", es hätte keine Mängel in der Beratung geben dürfen. "Ich ärgere mich, dass wir nicht zur Hälfte der Guten gehören."

Seine Mitarbeiter seien zwar hoch qualifiziert, das Leistungspotenzial sei aber nicht genutzt und schlecht koordiniert worden. "Es ist uns nicht gelungen, dass die Leute an der Telefonhotline richtig bedient werden. Da müssen wir ganz schnelll Nachholarbeit leisten", zitierte die Zeitung Daeinghaus.

Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Versandapotheker (BVDVA) werden derzeit zwischen 0,5 und 1,5 Prozent des deutschen Arzneimittelumsatzes über Versandapotheken abgewickelt. 2004 habe dieser einen Gesamtwert von 32 Milliarden Euro erreicht, sagte der BVDVA-Vorsitzende Thomas Kerckhoff. Er rechnet damit, dass der Umsatzanteil der Versandapotheken in fünf Jahren bis zu 8 Prozent des Arzneimittelmarktes erreichen wird.

Während der Apothekenmarkt erstmals seit zehn Jahren stagniere, erfreue sich der Arzneimittelversand wachsender Nachfrage. "Die Verbraucher haben den Arzneimittelversandhandel als attraktive und kostengünstige Alternative erkannt", sagte Kerckhoff.