Unternehmenssoftware Ende der babylonischen Sprachverwirrung

Die Software weniger Unternehmen steuert die Konzerne dieser Welt. Ohne SAP und Co. stände die Wirtschaft still. Das Problem: Bisher lassen sich die Komponenten der IT-Anbieter kaum miteinander kombinieren. Das soll sich bald ändern.

Walldorf/Köln/Berlin - Der Markt für Unternehmenssoftware verändert sich. Der heiße, wenn auch ergebnislose Flirt zwischen Microsoft  und SAP  und die Megafusion der US-Softwarekonzerne Oracle  und Peoplesoft  haben die Branche in Bewegung gebracht.

Experten gehen von einer weiteren Konsolidierung des Marktes aus, schließen aber vorerst weitere Elefantenhochzeiten aus. Entscheidender für die weitere Branchenentwicklung könnte dagegen eine neue Softwaregeneration sein, die als Integrations- und Anwendungsplattform auf den Markt drängt.

Eine Handvoll Unternehmen rangelt weltweit um die größten Anteile im Segment der Business-Software: Das ist der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware, der Walldorfer Softwarekonzern SAP und der amerikanische Konkurrent Oracle als Nummer zwei. Dazu kommen der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft, die US-Softwareschmiede Siebel Systems  und der weltgrößte Computerkonzern IBM .

Wenig Wechselwillige

Oracle hat zwar nach der monatelangen Übernahmeschlacht mit Peoplesoft den Abstand zum Branchenprimus SAP verringert. Kurzfristig wird sich die Gemengelage in dem Segment nach Einschätzung des Vizepräsidenten des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW), Rudolf Gallist, aber nicht verändern.

Zwar erwartet SAP, weiterhin von der Verunsicherung der Peoplesoft-Kunden nach der Übernahme als lachender Dritter zu profitieren. "Die Anwender sind aber sehr, sehr vorsichtig, bis sie sich zu einem Wechsel entscheiden", urteilte der langjährige Microsoft-Manager. "Der Großkundenbereich ist relativ festgefahren."

Vorbild Autoindustrie

Bewegung erwartet der Experte dagegen im Geschäft mit dem Mittelstand und dem E-Government sowie durch eine neue Plattform für Geschäftsprozesse.

Während sich Softwarekomponenten verschiedener Anbieter bislang kaum miteinander kombinieren ließen, wollen die Unternehmen ihren Kunden künftig mit neuen Softwareplattformen mehr Flexibilität bieten. Bislang war die Kommunikation zwischen den in den Unternehmen existierenden Softwaresystemen und neuen Programmen relativ problematisch. Mit Hilfe von offenen Standards sollen sich nun neue Komponenten nahtlos in bestehende Strukturen integrieren lassen.

"Es ist ein Stück Realismus in den Markt eingetreten", erklärt der Chefredakteur des Fachmagazins "Computer im Mittelstand" (CiM), Franz Neumeyer. Die Softwarehäuser merkten, dass es nicht mehr möglich sei, allen Kundenschichten alles aus einer Hand anzubieten. Gerade die mittelständischen Kunden wollten unterschiedliche Produkte von verschiedenen Herstellern kombinieren. Alleine in Deutschland gibt es derzeit rund 27.000 Softwarehäuser.

Vorbild Autoindustrie

Die Autoindustrie dient den großen Anbietern als Vorbild für die neue Infrastruktur. Sämtliche Anwendungen sind auf der Basis einer einzigen offenen Integrations- und Anwendungsplattform angelegt.

Einzelne Module können als kombinierbare Funktionsbausteine darauf entwickelt, eingesetzt und ausgeführt werden. SAP, IBM und Microsoft sind bei der Einführung dieser serviceorientierten Architektur derzeit am weitesten. SAP will bis 2007 seine Anwendungen auf die Plattformlösung umgestellt haben.

"Der Einfluss wird sehr groß auf das ganze Business-Segment sein und eine Vitalisierung des Marktes bringen", prognostizierte Gallist. Ähnlich äußerte sich auch der Sprecher des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom), Maurice Shahd: Da sämtliche Schnittstellen in dem System offen seien, werde durch die neuen Plattformen ein neuer Trend gesetzt.

Bernd Glebe, dpa

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