IT-Sicherheit Funksignale aus dem Container

Wer früher seine Waren ins Ausland verschickte, konnte nur hoffen, dass sie auch beim richtigen Empfänger landeten. Heute ermöglichen intelligente Systeme wie RFID die exakte Positionsbestimmung während des Transports und erleichtern gleichzeitig den Informationsaustausch mit den Behörden.
Von Werner Bruckner

Vergangenen Herbst besuchte der Chef des Department of Homeland Security, Tom Ridge, seinen Amtskollegen Otto Schily in Berlin, um in Sachen Sicherheit über weitere Schritte der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit zu sprechen. Ridges Heimatschutzministerium mit 22 Behörden und 180.000 Mitarbeitern bestimmt und kontrolliert, wer und was auf welchem Weg die Grenze der Vereinigten Staaten passieren darf.

So verlangen US-Behörden mit der "24-Hour-Rule" (eine der vielen Sicherheitsinitiativen), dass Reeder und andere Verkehrsträger ihnen umfangreiche Lieferdaten über eine genau definierte elektronische Schnittstelle senden. Und zwar einen Tag vor Beladung jedes Schiffes, das einen amerikanischen Zielhafen ansteuert. Bei tausenden von Schiffscontainern, die sich später auf rund 100 Verlader verteilen, multipliziert sich der geforderte Informationsfluss um ein Vielfaches.

"Im täglichen Geschäft wirken sich die Sicherheitsbestimmungen in erster Linie in erhöhten Anforderungen der Logistikdienstleister an die Verlader aus", so der Hauptgeschäftsführer Holger Hildebrandt vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik. "Das gilt vor allem für den Zeitpunkt der Datenübertragung und den Umfang der Daten über die zu transportierenden Waren." Wer da nicht mitzieht, kann unter Umständen zusehen, wie sein Containerschiff im New Yorker Hafen Moos ansetzt.

Bei der Einführung der diversen Sicherheitsinitiativen hält nicht nur Reinhard Fischer die genaue zeitliche Abstimmung für elementar. Der Leiter für Zoll und Außenwirtschaft der Deutsche Post World Net  legt hier den Finger auf die Wunde. "Die internationalen Logistikketten arbeiten eng verzahnt, so dass bereits kleinste Veränderungen sich auf die reibungslose Durchgängigkeit der Supply Chain auswirken."

Die höhere Anforderung an die Datenqualität beim Im- und Export, die Nutzung von elektronischen Verschlüssen und der Einsatz von manipulationssicheren Beförderungsmitteln verursachen erst mal Kosten. So müssen Logistikdienstleister investieren, um etwa bei der Zwischenlagerung von Containern Unbefugten den Zutritt zum Gelände zu erschweren.

Intelligentes Tracking-Management

Intelligentes Tracking-Management

"Nach dem anfänglichen Mehraufwand für Sicherheit profitiert die Branche aber auch von substantiellen Nebeneffekten", sagt Udo Glenewinkel, Leiter Industry Line Manufacturing Industry bei T-Systems. Für die DB Cargo, heute Railion, hat sein Unternehmen ein "Intelligent Tracking Management" entwickelt, um dem mysteriösen Güterwagenschwund europaweit auf die Schliche zu kommen.

"Eine Secure Supply Chain vom Verlader bis zum Empfänger über alle Verkehrsträger wie Schiff-, Bahn-, Lkw- und Flugzeugtransporte hinweg, erfüllt nicht nur die Sicherheitsanforderungen", so Glenewinkel. Unternehmen könnten auf Störungen in der Lieferkette einfach schneller reagieren. Eine engere Verzahnung mit den bestehenden Warenwirtschaftssystemen ermögliche außerdem weitere Synergien, verringere Schwund und optimiere Beschaffungsprozesse.

Üblicherweise hört die Transparenz der Supply Chain noch an der Unternehmensgrenze auf. Doch eine umfassende sichere Lieferkette muss aus den Werkshallen herausgehen und über den Transport auch den Empfänger umfassen.

Daraus entsteht folgerichtig eine Informationspartnerschaft von Unternehmen, Logistikdienstleistern und Behörden. Denn die Sicherheitsanforderungen verlangen einen schnellen Austausch aller relevanten Informationen.

Optimierung der Zollabfertigung

Um den Transportstatus verfolgen zu können, werden Frachteinheiten wie etwa Güterwagons oder Container mit Telematikgeräten und entsprechenden Sensoren ausgestattet. Die genaue Positionsbestimmung während des Transports - auch "Tracking" genannt - funktioniert per GPS-Satellitennavigation.

Eventuelle Störungen oder Manipulationen an der Fracht melden die Telematikgeräte über den GSM-Mobilfunkstandard oder GPS an eine Zentrale. Bei kleineren Einheiten wie Transportbehältern oder Paletten setzen diverse Initiativen zusätzlich auf die berührungsfreie Radio Frequency Identification (RFID), um die Waren zu kennzeichnen.

Mit intelligenter Informations- und Kommunikationstechnik ersparen sich Unternehmen viel Verwaltungsaufwand. Logistikdienstleister beispielsweise können damit den US-Behörden nachweisen, dass sie die Waren während des Transports gesichert haben. "So profitieren zertifizierte Teilnehmer des Programms Customer-Trade Partnership Against Terrorism (C-PTA) von einer bevorzugten Zollabfertigung und einem zentralen Ansprechpartner beim US-Zoll", weiß Zoll- und Außenwirtschaftsexperte Fischer.

"Exportwirtschaft, Logistikbranche und Politiker sollten sich bemühen, verbindliche Standards für alle Betroffenen zu etablieren. Kein Unternehmen wünscht sich eine Vielzahl verschiedener Regelwerke, technischer Systeme oder Individuallösungen", resümiert auch Glenewinkel.

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