Siemens Tempomacher IMS

Ein neuer technischer Standard könnte die Telekommunikationsbranche revolutionieren. Durch die Wundertechnologie IMS, die vom Industriekonzern Siemens mit entwickelt wurde, sollen Sprach- und Internetnetze miteinander verknüpft und die Datenübertragung deutlich beschleunigt werden.

Cannes - Die meisten großen Telekommunikationsanbieter setzen inzwischen statt auf Kostenreduktion auf neuartige personenbezogene Services, um ihre Kunden zu binden und Umsätze zu generieren. Durch einen neuen technischen Standard in diesem Bereich könnten branchenfremde Unternehmen schon bald zu mächtigen Konkurrenten werden.

Denn die technische Entwicklung neuer Dienste wie Push to Talk, Videotelefonie oder Musikdownloads ist bislang noch sehr aufwändig und für die Schnelligkeit des Marktes viel zu zeitintensiv. Nach Überzeugung von Experten könnte sich dies jedoch schon sehr bald ändern.

Ingenieure arbeiten seit einigen Jahren an einer einheitlichen Plattform namens IMS, auf der alle künftigen Services - ob Sprache oder Daten, über das Festnetz oder drahtlos - problemlos und in kürzester Zeit aufgebaut werden könnten.

IMS steht für auf das Internetprotokoll (IP) basierende Multimedia Subsystem und setzt auf einer von Siemens  entwickelten Produktfamilie auf. Mit Hilfe dieses Protokolls sollen künftig problemlos Dienste angeboten werden können, die Sprache, Text, Bilder oder Videos zu individuellen Angeboten verbinden.

In drei Jahren werden nach Schätzung von Lothar Pauly, Chef der Siemens-Kommunikationssparte, die westeuropäischen Mobilfunkunternehmen mit Datenservices bereits über 30 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaften. "Die Unternehmen entwickeln sich derzeit von reinen Carriern zu Anbietern personalisierter Dienste", bestätigt auch Unisys-Europa-Chef Dieter Kastenhuber.

Neue Konkurrenz

Mit der Verschmelzung von Sprach- und Datennetzen ändert sich jedoch auch der Wettbewerb. "Damit betreten neue Konkurrenten das Feld, und existierende Business-Modelle werden in Frage gestellt", sagt Siemens-Chef Pauly.

Nicht nur Festnetztelefonie und Mobilfunk könnten zu Wettbewerbern werden. Andreas Schaub vom US-amerikanischen Systemberater Unisys erwartet, dass sich künftig vor allem zwischen den Internet- und den traditionellen Sprachtelefonanbietern die Konkurrenz verschärfen wird.

Denn die Plattform verbindet bruchlos so genannte intelligente Sprachnetze der Telefonie mit IP-Netzen, in denen die Daten paketweise verschickt werden. Doch sobald alle Dienste über das Internetprotokoll verbunden werden, sind auch Internetprovider wie T-Online oder AOL  in ihrem Kernelement.

Der IMS-Standard ist bereits verfügbar. Die offene Plattform wird von der 3. Generation Partnership Project (3GPP), einem weltweiten Verbund von Standardisierungsgremien für die dritte Mobilfunkgeneration, verwaltet.

Unisys selbst stellte auf der am Donnerstag zu Ende gegangenen Fachmesse 3GSM in Cannes erste Schnittstellen für den Standard vor. Von ersten Lösungen, die auf der IMS-Plattform aufsetzen, werden Kunden voraussichtlich bereits 2006 profitieren können, schätzt Systemberater Schaub.

Renate Grimming, dpa

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