Smartphones Vom Handy zum PDA

Niemand kauft heute mehr ein Mobiltelefon, nur um damit zu telefonieren. Die aktuellen Geräte müssen schon über vielfältige Funktionen wie Internet, E-Mail, Kamera, Musik oder Video verfügen. Demnächst können sogar 30 Fernsehprogramme auf den "cleveren" Handys empfangen werden. Wer braucht da noch einen PDA?

Hamburg - Immer mehr Deutsche wünschen sich ein Mobiltelefon mit Mehrwert. Bereits im kommenden Jahr wird hier zu Lande jeder zweite Mobilfunker ein multifunktionales Handy (Smartphone) besitzen, so die Prognose des Beratungsunternehmens Mummert Consulting.

Nach Ansicht der Experten profitiert der Markt künftig vor allem von dem endlich anlaufenden UMTS-Geschäft. Jedes fünfte in diesem Jahr verkaufte mobile Endgerät wird ein UMTS-Handy sein, so die Einschätzung.

Aber auch die zunehmenden Einsatzmöglichkeiten stoßen auf Gegenliebe bei den Kunden. Längst ist das Handy nicht mehr allein nur zum Telefonieren da. Zum Standard geworden sind Funktionen wie die Verwaltung von Adressen und Terminen, das mobile Internet und das Abrufen und Versenden von E-Mails.

Die Alleskönner weisen einem inzwischen aber auch den Weg zum nächsten Café. Dank qualitativ immer besserer Displays sind Stadtplanfunktionen komfortabler nutzbar.

Besonders Geschäftsleute verzichten immer weniger auf die mobile Kommunikation. So verfügen aktuelle Smartphone-Modelle bereits über ein mobiles Officepaket zum Bearbeiten von Texten oder Präsentationen. Dateien können via Kurzstreckenfunk Bluetooth vom stationären Computer oder vom Notebook auf das Gerät gespielt werden.

Nokia 7710: Touchscreen-Display mit 65.536 Farben

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Siemens SK65: Business-Handy mit Tastatur

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Foto: obs/Siemens mobile
MDA Compact: Über das Touchscreen-Display wird auch die Handschrift erkannt

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Multifunktionale Handys
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Auch auf Unternehmensanwendungen kann vom Mobiltelefon aus zurückgegriffen werden. Und für Unterhaltung auf Geschäftsreisen sorgen beispielsweise Spiele oder ein in das Smartphone eingebauter MP3-Player.

Besonders die Musikfunktionen haben es den Herstellern derzeit angetan. Nach dem Erfolg mit dem Kamerahandys soll jetzt die Musik sowohl dem Teenager auf dem Weg zur Schule als auch dem Manager am Flughafen das Leben versüßen.

Microsoft greift Apple an

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Gerade erst hatten der finnische Handyhersteller Nokia  und der Softwaregigant Microsoft  ihre Zusammenarbeit bei Musikangeboten bekannt gegeben. Durch die Kooperation soll es künftig möglich sein, Musiktitel direkt auf das Handy zu laden und sowohl auf dem Mobiltelefon als auch am PC abzuspielen - vorausgesetzt der Heimcomputer wird mit Windows XP betrieben.

Konkurrent Apple  hingegen kooperiert mit Motorola . Der Konzern ist mit seinem Musikportal iTunes Marktführer und hat nach eigenen Angaben seit dem Start des Portals im Mai 2003 mehr als 250 Millionen Songs verkauft. Das entspricht einem Anteil von mehr als 70 Prozent am Internetmusikgeschäft.

Neben Kamera und Musik spielt auch das Fernsehen auf dem Handy eine immer wichtigere Rolle. Bereits heute können Videos via UMTS auf das Mobiltelefon übertragen werden.

Der britische Mobilfunkanbieter Vodafone  will noch einen Schritt weiter gehen. Im März präsentiert das Unternehmen auf der Cebit in Hannover sein Live-Fernsehen für das Handy. Mit Digital Video Broadcast-Handheld (DVB-H) können dann laufende Fernsehprogramme direkt auf dem Smartphone empfangen werden.

Samsung SGH-D500: Zum Lieferzubehör gehören auch Plug-In-Lautsprecher

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Nokia 6680: Telefonieren mit Blickkontakt

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Motorola A1000: Inklusive Navigationssystem

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Die Handys der Zukunft
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Bei DVB-H handelt es sich sozusagen um einen Ableger des digitalen Antennenfernsehens DVB-T. Dieser Ableger ist für mobile Endgeräte modifiziert worden. Bis zu 30 Fernsehprogramme sollen damit live übertragen werden können.

Bis es soweit ist, brauchen TV-Fans jedoch noch Geduld. Technisch wird DVB-H frühestens in zwei Jahren eingesetzt werden können, heißt es. Vodafone prüft aber bereits jetzt, wie ein entsprechender Dienst aussehen könnte.

Handy als Speichermedium

Handy als Speichermedium

Ebenfalls in naher Zukunft werden die Geräte nicht nur das aktuelle Fernsehprogramm abspielen, sondern auch als Massenspeichergerät dienen. Der USB-Stick in allen Farben und Formen, wie er derzeit überall zu sehen ist, könnte bald schon ein Auslaufmodell sein, wenn Texte, Bilder und andere Dokumente problemlos auch in größerem Umfang auf dem Handy gespeichert werden können.

Der kalifornische Speicherkartenhersteller San Disk will im zweiten Quartal 2005 eine Mini-SD-Karte mit einem Gigabyte (GB) Speicher auf den Markt bringen. "Mit einer 1-GB-Karte kann man zum Beispiel 16 Stunden MP3-Songs speichern oder einige Stunden Videos in MPEG-4 aufnehmen", sagt San-Disk-Präsident Nelson Chan.

Die Mini-SD-Speicherkarte wird in zahlreichen Mobiltelefonen, aber auch Kameras und MP3-Playern zum Einsatz kommen. Das Marktforschungsinstitut International Data Corporation rechnet damit, dass bereits 2006 mehr als 258 Millionen Handys über einen Karteneinschub verfügen.

Eine weitere nützliche Funktion für Smartphones hat Toshiba  vor kurzem der Öffentlichkeit vorgestellt. Dabei wird das Handy mit einer Kommunikationssoftware namens "Ubiquitous Viewer" zur Fernbedienung für den heimischen PC.

Wenn die Software sowohl auf dem PC als auch dem Handy installiert ist, kann der Computer von überall her mit Hilfe einer Internetverbindung angewählt werden. Der Desktop des PCs wird dabei auf dem Display des Handys dargestellt, allerdings nur im Ausschnitt und in QVGA-Auflösung mit maximal 240 mal 320 Pixeln. Die Ausschnitte lassen sich jedoch mit den entsprechenden Tasten auf der Handytastatur horizontal und vertikal verschieben. Die Technologie wird vorerst allerdings nur in Japan eingeführt.

Dass die Smartphones durch ihre Vielfalt den Personal Digital Assistant (PDA) immer weiter vom Markt verdrängen, bekommen auch die PDA-Hersteller zu spüren. Bereits seit drei Jahren beklagen sie sinkende Absatzzahlen. In 2004 wurden 13 Prozent weniger Geräte verkauft als im Vorjahr. Und dieser Trend wird sich wohl auch weiter fortsetzen.

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